Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 Das Jffdfsclia Echo 103 »SS 'iSi Vv® ^x is«Ä §si| Sachlich istj: »st»*;. ,n K‘ampiiroD!e- “"ttn über li^ der vom Hadas sind verzeihen ien, als er i man sici-;. ■een hat, be;ichlimmer ist-, ragene Te^ Jweise in dis Buch hinein nzuweisen, je aus der sie i.: 1er Zeit, in i; [llgemeine & ir. Es war t was iriiher e- :m sich je dem Geiste; war ein Bief ■dächtigen tah man die g man bestrer; Redlichkeit -ignen Vor^' iller Wel®: e Bürger?:- e Grenze»; ruhe des 2; ühlsarf!: iment. das ErleW'1 <liil,ildä,s: •brfL« «<> ■mfj der Schrei des Volkes die gesetzte Rede des Biedermeier übertönen sollte. In dieser Biedermeierei aber wollte die Schwere und Tiefe des Judentums nicht recht passen, man empfand1 sie als wunderlich, als stillos und wußte nichts mehr mit ihr anzufangen. Die Generation, der Sigmund Mayer angehört, steckt noch heute in diesem Biedermeiertum, glaubt noch heute, daß die Schaffung einer materiell und geistig wohlgeordneten Existenz alles sei, was man von einem Menschen verlangen könne, und verschließt auch heute noch die Augen vor der Tatsache, daß ihre Existenz auf einem Fundament von Egoismus, Brutalität und Raubgier ruht, der die ganze Menschheit zum Opfer gefallen ist. Und versteht in diesem verspäteten Biedermeiertum nicht, daß heute nicht mehr Ruhe die erste Bürgerpflicht ist, sondern daß es gilt, die morschen Pfosten zu zertrümmern, auf denen sich diese selbstgenügsamen Bürgerexistenzen angesiedelt haben.' Weil aber Sigmund Mayer aus diesem Biedermeiertum nicht herausgewachsen ist, deshalb versteht er nicht, daß jene Eskeles und Arnsteins und wiie sie sonst heißen mögen, die Millionen errafften und zum Glanze ihrer Millionen den Glanz des Taufwassers und darauffolgenden Schimmer des Erbadels fügten, nicht zu den „edelsten Namen“ gehören, sondern egoistische Krämerseelen sind; deshalb ist ihm isiein Judentum niemals ein aufwühlendes Erlebnis geworden, sondern stets nur eine ererbte Unvermeidlichkeit, mit der man sich so gut wie möglch abfinden muß. Deshalb auch begreift er nicht, was dieser von ihm so bitter befehdete jüdische Nationalismus in Wirklichkeit ist. Er kann sich ihn lediglich als eine Reaktion auf den Antisemitismus vorstellen, und da er, in einem etwas eigenwillig anmutenden Optimismus, diesen für eine bald vorübergehende Erscheinung hält, fürchtet er, daß der Nationalismus alles wieder verderben könne, was die mit heißem Bemühen noch immer dem Biedermeier-Ideal Anpassenden, aufgebaut haben, daß durch ihn ein Mißton kommen könne in diese löbliche Welt, in der es die Juden so herrlich weit gebracht haben. Das aber sieht er nicht, daß der jüdische Nationalismus mit in die Höhe geschwemmt wurde, als die Massen, als das Volk aus der Tiefe emporstieg und zu rütteln begann an den morsch gewordenen Institutionen der menschlichen Gesellschaft. Das sieht er nicht, daß dieser Nationalismus keine Reaktion auf das unsaubere Gefühl andrer ist, sondern der Ausdruck einer Zeit, die wieder nach dem Erlebnis des Geistes der Ewigkeit gerungen hat und dabei auf die unermeßlichen Schätze des jüdischen Geistes gestoßen ist. Daß er — besonders deutlich in der Form des Zionismus — das Streben nach Zertrümmerung S5GX9GX9GX9GX9GX933 <2X9 GX93K<2X9<2X9<2X9<2X98 1 tKgf. ‘Bayer. ‘Porzetfan* | £ \Ulanufakiur ‘Kympßenburg g Mauptniederlage QJlüncßen: Gdeonsplafi 1 ® (Kunst* u. Guxusgegenstände, Cafel*, ‘Dessert», H iKaffee* u. ‘Ceegescßirre, ‘Figuren, Gruppen etc. 0 nacH alten ‘Kympftenburger Original- ‘PlodeHen. ® Außerdem neue ‘Formen und ‘Modelte nadi Gnt• jg M würfen erster ‘Münchner (Künstler. r einer eigensüchtigen Philisterwelt und die Sehnsucht nach einer neuen Welt ist, ,i,n der nicht die welche Millionen zusammengescharrt und für das 1 ruggold eines Adelstitels ihren Glauben und ihren Stamm verraten haben, die „Edelsten“ sein werden, sondern jene, die sich jederzeit mühten, ihre Pflicht gegen Volk und Menschheit zu erfüllen. , Mag sein, daß diiese neue — in ihrem tiefsten Grunde religiöse — Bewegung einen, der schon im Lebenswinter steht, nicht mehr mitzureißen vermag. Die aber, die noch ihrem Lebenssommer entgegenblühen, fühlen wie diese stürmische Sehnsucht nach dem Aufbau einer reineren Welt ihr ganzes Wesen durchglüht und veredelt, und sie frösteln, wenn sie an die Kälte jener Biedermeierjuden einer überlebten Generatioin denken. H. H. C. Die Wiener jüdischen Barone. Aus: Sigmund Mayer, „Die Juden Wiens“ 1700—>1900. (R. Löwit Verlag, Wien-Berlin.) Den Beginn der jüdischen Bankwelt habe ich im dritten Kapitel des ersten Buches mit der Zeichnung Samuel Oppenheimers, Samson Wertheimers und ihrer Nachfolger berührt; die Tätigkeit des jüdischen Bankiers hatte sich weiter fortgesetzt, die Franzosenkriege überstanden, nach ihnen mit den allgemein günstiger werdenden Verhältnissen sich verstärkt, verbreitert; aber ihre eigentliche Zeit setzt erst mit der Etablierung des Hauses Rothschild in Wien, welche damals erfolgte, ein. Doch beginne ich nicht mit den Rothschilds selbt, ihr Wiener Hauis war damals nur eine Expositur der Weltfirma, deren zentraler Sitz in Frankfurt war und hatte in unserer Stadt keine anderen als rein geschäftliche Ziele. Steht es doch, wie erwähnt, in der amtlichen Liste der k. k. priv. Großhändler ausdrücklich als auswärtiges Großhandlungshaus verzeichnet. Zu Wienern, und zwar zu sehr guten, sind sie erst durch die Barone Albert und Nathaniel geworden. Ich will als den Ersten den schon im Ghetto flüchtig genannten M, L. (Markus Lazarus) Biedermann vorführen. Markus Lazar Biedermann hatte nach Wien ein für jene Zeit bedeutendes Vermögen und auch seine alten Geschäftsverbindungen mit einem großen Teile des besten magyarischen Adels mitgebracht. Trotz der Gründung seines Bankhauses konnte er sich in das eigentliche Bankgeschäft, in welchem der Bilanzgewinn aus mikroskopischen Provisionen aufgebaut werden muß, nie recht fügen. Er war aus andersartigen Geschäften und Gewinnsten herausgewachsen und „daß man für eine Fünfernote oder noch viel weniger, 1000 Fl. akzeptiere, sei ein Schwindel“ pflegte er zu sagen. Er hielt an seiner Auffassung fest, lehnte wohl die Banktätigkeit, inSoferne sie sich ihm aufdrängte, nicht ab, aber jene Geschäfte, die er weiter selbst suchte und fand, waren Anlehen im größeren Stile, Emittierung von sogenannten Kavalier-Losen usw. Merkwürdigerweise metamorphosierte er sich hier teilweise zu einem regelrechten Kaufmann, der er in Preßburg nicht gewesen war. Er betrieb jetzt mit Vorliebe den Warenhandel. Von allgemein ökonomischer Bedeutung wurde er dadurch, daß er für den Export der feinen österreichischen Schafwollen ein neues System ein-