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Das jüdische Echo · 1918-03-01 · 9 (1.3.1918) · p. Seite 96

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
9 (1.3.1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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96 Das Jüdisch» Echo Nr. 9 Laufe des Krieges ihr Doktorexamen gemacht haben und als Ärzte nach Rußland zurückkehrten. Die Zahl der hiesigen jüdischen Studenten wurde auf 600 ungefähr reduziert. Beim Beginn des Weltkrieges, als es aussah, als ob eine ungeheure Lawine mit voller Wucht die ganze Menschheit niederschmettern wollte, waren wir alle außer Fassung. Diese Apathie und vollständige Verwirrung dauerte lange, wozu auch der allgemeine Mangel an Geldmitteln beitrug, der sich seit Beginn des Krieges, dank der Grenzensperre in Rußland, überall sehr empfindlich bemerkbar machte. Die gesellschaftliche Tätigkeit wurde vollkommen paralisiert; alles, was keinen direkten Zusammenhang mit dem Kriege hatte, wurde in den Hintergrund geschoben. Allerdings tauchten im Laufe des Krieges religiöse und soziale Fragen auf, die ab und zu das allgemeine Interesse an jüdischen Dingen wachriefen, doch muß man sich leider gestehen, daß im ganzen Kaffeehausleben und Kartenspiel die jüdische Jugend stärker beschäftigten als alle jüdischen Fragen. Noch schlimmer als bei den Eingewanderten liegen die Dinge bei der schweizerisch-jüdischen ansässigen Bevölkerung; sie besteht hauptsächlich aus Elsässer Juden, die schon längst hier naturalisiert worden sind und sich deswegen als echte Schweizer fühlen. Mit wenigen Ausnahmen verkehren diese niemals mit den russischen Juden, die sie als minderwertig ansehen ... Einige Schuld daran trifft allerdings auch unsere akademische Jugend, die bisher niemals mit Würde und Energie aufgetreten ist. In ihrem Bestreben, ihren Schweizer Patriotismus zu betonen, haben die ansässigen Juden besonders Angst, Sympathien für die zionistische Bewegung zu verraten. Der Haseninstinkt dieser Leute erlaubt ihnen keine freie Meinung über die Judenfrage. Nun haben sich aber in der letzten Zeit Ereignisse vollzogen, die jeden Juden zu einer Stellungnahme gegenüber dem Zionismus zwingen. So sind eine Reihe bedeutender nichtjüdischer Persönlichkeiten für den Zionismus eingetreten, z. B. der Universitätsorofessor Louis Rehfous, A. de Meuron, Franc Thomas und Ed. Privat auf der unlängst in Genf veranstalteten Versammmlung im Saale Centrale. Danach esrchienen in der großen hiesigen Zeitung „La Tribüne de Geneve“, die in fünf Ausgaben täglich erscheint und eine Auflage von 150 000 Exemplaren hat, mehrere aufsehenerregende Aufsätze über den Zionismus, und im Verein mit den Erklärungen der verschiedenen Staatsregierungen zugunsten des Zionismus, haben diese Sympathiekundgebungen endlich die Schweizer Judenheit wachgerüttelt. Hierüber werden wir demnächst genaueres berichten. Israel Rogowin. England und der Zionismus. Die interalliierte Sozialistenkonferenz in London veröffentlicht ein Memorandum betreffs Kriegsziele. Die Konferenz verlangt für die Juden aller Länder die vollständige Gleichberechtigung und spricht ferner die Anschauung aus, Palästina müsse von türkischer Herrschaft befreit und ein freier Staat unter internationaler Garantie werden. (Telegr. d. Zion. Centr.- Bureau, Berlin.) Jüdische Militärabteilungen in Rußland. Unter der Leitung des Kapitäns TrumpeHdor wurde in Petersburg aus den jüdischen Offizieren und Soldaten der gesamten Petersburger Garnison eine jüdische Militäreinheit gebildet. Es besteht der Plan, derartige Militäreinheiten in ganz Rußland zu begründen. Die jüdischen Armeekongresse, die an den Fronten abgehalten werden, sprechen sich für die Bildung derartiger jüdischer Militärabteilungen aus. Die jüdischen Militärabteüungen sollen eine eigene blau-weiße Fahne haben. (Jüd. Preßbureau.) Protest gegen den Warschauer Magistrat. In der Sitzung des Warschauer Zionistischen Komitees vom 22. Januar wurde folgende Resolution angenommen; „Die durch den Warschauer Magistrat erfolgte Ernennung des bekannten Judenfeindes Dr. Ilski zum Verwalter der Ernährungs-Abteilung ist eine Herausforderung gegen die jüdische Bevölkerung und zeigt deutlich die judenfeindlichen Tendenzen des Warschauer Magistrats. Das Warschauer Zionistische Komitee legt gegen diese beleidigende Haltung des Magistrats der jüdischen Bevölkerung gegenüber den schärfsten Protest ein.“ Eine Abschrift dieser Resolution wurde zugleich dem Politischen Departement und dem Warschauer Stadtrat überreicht. Russische Juden als Ackerbauer. Nach einem Telegramm aus Petersburg hat eine Konferenz von jüdischen Ackerbauern sowie von jüdischen Persönlichkeiten, die ein Interesse für die Bodenfrage haben, in Novo-Poltawa, Gouvernement Cherson, stattgefunden. National - personale Autonomie in der Ukraine. Dem „Jüdischen Preßbureau“ in Stockholm wird aus Kiew telegraphiert: „Die Ukrainische Rada nahm einen Gesetzentwurf an, durch welchen für die verschiedenen die Ukraine bewohnenden Nationalitäten die nationale Autonomie auf personal e.r Grundlage proklamiert wird. Die Kompetenz der einzelnen Nationalvertretungen soll durch die nationalen Gründungsversammlungen bestimmt werden. Diese Bestimmungen gelten natürlich auch für die jüdische Bevölkerung der Ukraina.“ königS. bayer., kttnlgl. Württemberg , grossberasogl. badismbe Hoflieferanten Bsakkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Sitnader, München. - Postscheckkonto- Nr 3613 München. Telegramm-Adresse: „Dinnger München«. - Telephon-Nr : 21 774 21775 21776 *9iGho» Law »MtAuBrSsiunoan. VallstSndia n9axotitiahStnwichlL "^ Spezialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos xur Verfügung.

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