Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdisch« Echo 91 unbeirrbaren Gerechtigkeit und Wahrheit Wenn es den Juden gelingt, mit eigenem Schweiß und Blut Palästina so vollständig jüdisch zu machen, daß Land und Volk eine unauflösliche Einheit bilden, dann werden sie — vielleicht als erstes unter den Völkern es wagen dürfen, das Mittun bei jenem Ränkespiel, genannt Diplomatie, abzulehnen und sich ganz und gar auf den Sieg des Rechtes zu verlassen. Ist es denn ein Sieg der Diplomatie, wenn am Ende dieses Krieges den Belgiern und Serben ebenso wie den Polen das Recht auf ihr eigenes Land zugebilligt werden wird: oder ist es nicht vielmehr der Sieg der Gerechtigkeit, die sich selbst in dieser rechtlosesten aller Zeiten gegen ein Übermaß von Unrecht durchzusetzen wußte? Wenn wir Palästina so jüdisch machen werden, wie die Belgier ihr Land belgisch, wie die Polen das ihre polnisch gemacht haben — durch eigene Arbeit, durch eigene Opfer — dann werden wir, auch ohne uns in die Welt von Sünde hineinstürzen zu müssen, in der die andren Nationen heute verstrickt sind, das Recht auf unser Land behaupten. Es gibt nur eine Hilfe.1) Von Dr. Nathan Birnbaum. In Übereinstimmung mit den bedeutendsten und hingehendsten Zionisten glaube ich nicht, daß beim Weltfrieden wirklich ein selbständiger jüdischer Staat in Palästina herauskommen wird. In Übereinstimmung mit ihnen glaube ich, daß ein solcher Staat, plötzlich gewonnen, eine Belastung vorstellen würde, die die heutigen ökonomischen, und politischen Fähigkeiten der Juden überstiege. Und auch darin stimme ich mit ihnen überein, daß ich sehr zufrieden sein werde, wenn nur die Tore Palästianas für eine freie und garantierte Enwanderung geöffnet werden und die Einwanderer nur eine* Autonomie bekommen, wie wir sie jetzt in allen Ländern verlangen. Doch, wieviel auch immer von allen den Hoffnungen, die jetzt die jüdische Öffentlichkeit in Hinsicht auf Palästina bewegen, und wie immer es in Erfüllung gehen mag, auf jeden Fall beschäftigt mich eine Frage ganz anderer Art, — wie mich dünkt, die wichtigste unter allen Palästina- Fragen: Ob wir sicher sein dürfen, daß diejenigen, die in das heilige Land unserer Ahnen heimkehren, dort durch das Land werden geheiligt werden, oder ob nicht vielmehr eine Gefahr besteht, daß das Land, Gott behüte, durch sie unheilig werde? Ich glaube an „Erde“, d. h., daß dort, wo sich der Mensch auf sie stützt seine Seele sich leichter mitten in die Wirrnisse der Welt hinstellen, inmitten der ökonomisch-technischen Wirbel den ruhigen Blick himmelwärts, das stille Alleinsein mit Gott behaupten kann. Aber ich sehe, daß er auch damit nicht sicher geht, daß sich unsere europäische Zivilisation schon lange nicht auf Erde stützt, daß der Einfluß der „Erde“ auf den Menschen von Tag zu Tag kleiner, umso größer aber der Einfluß schwankender Erwerbe, Beschäftigungen, Ideen und Vergnügungen auf ihn wird. Und ich sehe, daß mit den Juden die europäische Zivilisation nach Palästina zu kommen im Begriffe ist... 0 Der Verfasser sendet uns die folgende Übersetzung eines Aufsatzes aus seiner Feder, der in der „Wiener Morgenzeitung“ erschien. Ich glaube an die „jüdische Erde“ d. h. ich glaube wirklich, daß die Erde, an deren Grenze unser Lehrer Moses vor seinem Tode stand und auf die er noch einen letzten sehnenden Blick hinüberwarf; die Erde, auf der die Propheten ihre große, ewige Sehnsucht nach der messianischen Zeit im Sturme verkündeten; die Erde, die unsere Besten mit der sehnenden Zuversicht verließen, daß wir einmal heimkehren werden als heiliges, geläutertes Volk — ich glaube, daß wir berechtigt sind, diese Erde die jüdische zu nennen. Aber ich weiß, daß wir uns schon einmal oder richtiger zweimal nicht gar jüdisch auf ihr aufführten. Und ich sehe, daß wir uns auch das drittemal zu keiner besseren Aufführung vorbereiten, daß wir kommen, um sie mit dem Geiste europäischer Weltlichkeit, diesem Todfeinde wahrer Jüdischkeit, zu überschwemmen. Ja, ich glaube an „Erde“ und an „jüdische Erde“. Aber weil ich an sie glaube, erschauere ich bei dem Gedanken, daß auf Palästina der ganze Pech- und Schwefelregen der europäisch-amerikanischen Welt niedergehen könnte, daß auch dort der öde Rummel losbrechen und man darauf noch stolz sein könnte. Ich erschauere bei dem Gedanken, daß dort wieder beginnen könnten die alte Jagd nach Geld, die Unterdrückung des Arbeiters und des Armen, das alberne üppige Treiben ohne Selbstbesinnung, das Geschäft, das sich als Unzucht und die Unzucht, die sich als Freiheit, Schönheit und Kunst maskiert, alle die häßliche Zügellosigkeit, die sich für schön ausgibt, die verschiedenen A b c’s, die sich als Erkenntnis hinstellen, die ganze Herrschaft von pöbelhaften, verlotterten, grausamen, heuchlerischen und schmeichlerischen Menschen. Ich erschaure bei dem Gedanken, daß die heilige Stadt Jerusalem als Vorstadt von New-York oder London oder Berlin neu erstehen könnte —• sodaß selbst dort die Schechino im Exile bleiben würde —■ daß Jerusalem noch schlimmer werden könnte, als es die Propheten sahen und kein Prophet da sein wird. Und deshalb scheint mir nur eine Hilfe möglich: Wenn irgendwo in einem Winkel der jüdischen Welt eine große, furchtbare Scham wach würde, ein Sichschämen all der Häßlichkeit, mit der man sich vollgesogen hat, — vor Gott, vor sich selber, vor dem Exile und vor dem Lande Israels; wenn die Scham um sich griffe und über das ganze Volk sich ausbreitete; wenn aus ihr nicht nur Worte und Ideen, sondern auch gleich 5®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®®® Billiger, kürtftlerifdjer f U)an6j(i|murf| fittb bie ftunftbriu&e ber Blüncfjner „3ugenb". Stuf bem ©ebiete bes Bierfarbenbrudtes Ijat § „3ugenb‘‘ bafjnbredjcnb getoirfet unb bie oon itje berausgegebenen Äunftbrucfee finb in Btillionen S* oon ©jemplaren auf ber galten SBelt oerbreitet. 2)te Sammlung umfaßt einige taufenb ‘Blätter, unter benen jeber ©ejdjmack Baffenbes gum & Breife oon 50 Bfennige bis 1 9Jtarb, je nad) ©röjje finbet. Sin großer illustrierter Katalog jg mit taufenb »erbleincrten Bbbilbungcit (Breis S' 4 Btarfe) erleidjtert bie B3«f)l. Bie 3ugenbsftunft* S? brudte finb burcf) jebe Bud)* unb ftunftljanblung Jg ober burcf) beit ilnterjcidjneten gu besiegen üerlag öer „3ugenö" I Btiln^en.CeffingftraBel