Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 9 (1.3.1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Das Jüdische Echo Nr. 9 Die französische Regierungserklärung. In unserer vorigen Nummer berichteten wir, daß die französische Regierung eine offizielle Note veröffentlicht hat, wonach der Minister des Äußeren, Pichon, den zionistischen Führer S o k o 1 o w empfangen und diesem das vollständige Einverständnis zwischen Frankreich und England hinsichtlich der Frage des jüdischen Palästina erklärt hat. Anläßlich dieser Erklärung hat das Kopenhagener Bureau der zionistischen Organisation folgendes Telegramm an die französische Zionistenföderation gerichtet: „Wir beglückwünschen Sie und Nachum Sokolow herzlichst zur Deklaration der französischen Regierung, die vom jüdischen Volk mit Dankbarkeit aufgenommen werden wird. Es gereicht uns zur besonderen Genugtuung, daß auch das französische Volk mit seinen großen Traditionen für Recht und Freiheit die Berechtigung der zionistischen Bestrebungen feierlich anerkennt, die. wie wir hoffen, im Einverständnis mit allen Kulturnationen in naher Zukunft ihre volle Verwirklichung finden werden. Kopenhagen er Bureau, gez.: Jacobson.“ Die hohe Bedeutung, die das Kopenhagener Bureau dieser neuesten Regierungserklärung beimißt, ist in der Tat durchaus gerechtfertigt. Den Kennern der Verhältnisse im nahen Orient ist es bekannt, daß seit langer Zeit die französische Regierung danach strebte, den entscheidenden Einfluß auf Syrien zu gewinnen und diesen bis zu den Grenzen der englischen Machtsphäre auszudehnen. Durch ein groß angelegtes Kulturwerk, vor allem durch ein Netz von Schulen, und — meistens von der Geistlichkeit geleiteten — Erziehungsinstituten hatte Frankreich es in den Jahren vor dem Kriege erreicht, daß die Bevölkerung Syriens und auch die gebildeteren arabischen Schichten Palästinas in Sprache, kulturellen Gewohnheiten und bis zu einem gewissen Grade auch in der Gesinnung französisch waren und nach Frankreich wie nach einem zweiten Vaterlande tendierten. Es fragte sich nun, wie die französische Regierung sich zu der Ausdehnung der englischen Eino «m« § g i s-si-§"! S^®n 2§§£|f ä>'5..<© es £ H o h I s a Plissöe, Feston und alle einschlägigen Arbeiten. Stoffknopf-Fabrikation. Spezialität: Eichelknöpfe und Doppelknöpfe. Rasche Bedienung! E. Dalimayer, Sonnen Straße 9/ii. flußsphäre über Palästina und zu der Anerkennung des jüdischen Rechtes auf eine nationale Heimstätte in diesem Lande stellen würde. Die Erklärung des Ministers Pichon beweist, daß Frankreich dem Plane zustimmt und geneigt ist, auch seinerseits das jüdische Gemeinwesen durch seine moralische Förderung zu stützen. Das ist von besonderer Wichtigkeit deswegen, weil es für die endgültige Regelung der Frage der heiligen Stätten günstige Perspektiven eröffnet. Unter allen kirchlichen Orden, die in Palästina tätig sind, haben gerade die französischen die größte Bedeutung und sie sind es, die stets am eifrigsten darüber wachten, daß die heiligen Stätten der Christenheit unter dem Einfluß der römischen Kirche und der französischen Regierung blieben. Wenn nun Frankreich die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina gutheißt, so darf man mit Bestimmtheit voraussetzen, daß die französische Regierung auf eine Regelung der Frage der heiligen Stätten in einem alle Teile befriedigenden Sinne hofft. Nachdem nun der Papst, England, die Türkei, Deutschland, Frankreich, Italien und andere Staaten sich zu Gunsten des Zionismus ausgesprochen haben, müßte man schon ein arger Pessimist sein, um noch daran zu zweifeln, daß dem Judentum die Verwirklichung einer alten, brennenden Sehnsucht zuteil werden soll. Freilich ist mit der rechtlichen Garantie der jüdischen Heimstätte in Palästina noch nicht alles erreicht: im Gegenteil, die wirkliche Arbeit beginnt erst, denn nun gilt es, das Land so jüdisch zu machen, daß es sich auch gegenüber einer ganz andren politischen Konstellation als der heutigen, daß es sich gegenüber den stets im Fluß befindlichen Beziehungen der Völker zu einander und zu jenem Gebiet zwischen den Grenzen Afrikas und Asiens zu allen Zeiten behaupten kann. Und es wird sich fragen: ob das besser dadurch geschehen wird, daß man die heutige Politik der Völker mit all ihrem Verrat und ihrer Lüge, all ihrer Brutalität und Vergewaltigung aufs genaueste nachahmt und sich geschickt dem zuneigt, der die Macht hat; oder besser dadurch, daß man den Weg beschreitet, den im Verlauf der jüdischen Geschichte die Propheten der jüdischen Staatskunst immer wieder gewiesen haben: den Weg der unbedingten, „Mercedes" Schreibmafchine Bekanntes erstklassigstes deutsches Fabrikat. Verschiedene patentierte Neuerungen Bei Behörden, Banken, Grossflrmen usw bevorzugt Gereraiv rtrieö: S. Gutmann, München EISS??»«!'