Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 7 (15.2.1918)
- Date
- 1918-02-15
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138239--01915-9074737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 Das Jüdische Echo Nr. 7 wußt oder unbewußt Gedankengänge, Methoden und Seiten des deutschen thoratreuen Judentums anderen aufzudrängen. Zweifellos ist während des Krieges in allen Lagern des deutschen Judentums, von „neutraler , nationaler und thoratreuer Seite aus gegenüber dem Ostjudentum, schwer gegen diesen Grundsatz verstoßen worden. Für diese Verstöße, die teilweise auch vom politischen Standpunkt aus zu kritisieren wären, hat das Ostjudentum nicht nur in äußerer Beziehung hart büßen müssen, sondern dieses Verhalten hat auch ins Innere der polnischen Judenheit weit tiefere und verhängnisc vollere Gegensätze getragen, als sie der Natur der Sache nach bestehen müßten und auch vor demKrieg wohl vielfach bestanden haben. Zu leicht verfallen wir deutsche Orthodoxen in den für unsere innere Politik verhältnismäßig gleichgültigen, für die äußere um so verhängnisvolleren Fehler, zu glauben, wir seien „gute Juden“ kat’ exochen, wir stellten ein Musterbeipsiel für die Überwindung der Assimilation durch festbegründetes und gesichertes Judentum dar, und an unserem Wesen könnten und müßten andere, von der Gefahr der Assimilation bedrohte Teile cHer Judenheit genesen. Nein — ich sage hier nichts Neues, betone nur, wie sehr wir uns dessen bei der äußeren Arbeit .stets bewußt sein müssen — wir sind ganz und gar keine vorbildlichen Juden, sind selber in hohem Maße der Assimilation verfallen und haben uns nur einen stillen Hafen gerettet, in den wir uns aus unserem, nur mehr in geringem Maße jüdischen Leben immer wieder für Stunden oder auch für Tage zu vollem jüdischen Fühlen, Denken und Handeln flüchten ... Ein Gebiet freilich gibt es, wo jeder Zweig der jüdischen Gemeinschaft außerhalb seines geographischen Bereichs vorläufig bis zu einem gewissen Grad seine besonderen Methoden und Wege ednschlagen und das ihm gewohnte Milieu in wesentlichen Teilen erhalten wird und darf, auf dem uns allen gemeinsamen palästinensischen Boden. Und gerade dort, wo wir ja auch mit nicht thoratreuen Vereinigungen so manches gemeinsame Ziel verfolgen, sind Unstimmigkeiten und ernstere Differenzen am leichtesten möglich, am verhängnisvollsten und — wie die Tatsachen beweisen — leider auch wirklich häufig. Da möge uns und anderen die Katastrophe, die über jahrzehntelange jüdische Arbeit auf heiligem Boden jetzt hereingebrochen ist, eine ernste Mahnung dazu sein: mit möglichst vereinten, reibungslosen und brüderlichen Kräften von allen Lagern her gemeinsam Zusammenarbeiten an den großen allgemeinen Zielen, der Sicherung der Niederlassung, der Ermöglichung des Grunderwerbs, der Förderung der Einwanderung namentlich für die landwirtschaftlich, industriell und technisch tätigen Elemente, der quantitativen und qualitativen Vermehrung des Anbaus usw.... “ •iiiiMtMTimiiiiii : Zahn-Praxis: * Max Voelkel, Dentist f Alle in das Fach einschlägigen Arbeiten nach w neuester Methode und bester Ausführung. 9 0 Aengstiiche Patienten stets schonendste Behandlung. A £ Perusastr. 4/111 :: Lift :: Tel. 26381 q Im Hause Welxlsdorfer Nachfolger. £ Tagung der orthodoxen Organisationen im Gebiete der Mittelmächte. Wir erhalten folgenden Bericht aus Frankfurt am Main, datiert vom 31. Januar. Am 29. Januar traten hier Delegierte der führenden orthodoxen Organisationen in den Gebieten der Mittelmächte zu einer Konferenz zusammen, um die programmatischen Forderungen zu beraten, die anläßlich der beim Friedensschluß bevorstehenden Neuordnung der Dinge im Osten im jüdischen Interesse zu stellen sein werden, um außerdem eine gemeinsame Vertretung dieser Interessen bei den Regierungen der Mittelmächte zu sichern. Die Konferenz war durch Beratungen der in Betracht kommenden Organisationen in den einzelnen Ländern seit längerer Zeit vorbereitet worden. Durch Delegierte vertreten waren: Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums, E. V.“, der „Deutsche Gruppenverband der Agudas Jisroel“, der „Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands“, die „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands“, der „Bund gesetzestreuer jüdischer Lehrer“, die „Galizische Landesorganisation der Agudas Jisroel“, der „Verein zur Wahrung des orthodoxen Judentums in Westösterreich“, der „Rabbinerverband in Galizien“. Die „Agudas hoortodoxim“ und die „Agudas horabonim“ in Polen, sowie die „Palästinensische Landesorganisation der Agudas Jisroel“ hatten, da ihre Vertreter aus äußeren Gründen nicht mehr rechtzeitig eintreffen konnten, ihre Beschlüsse schriftlich übermittelt. Die „Ungarische orthodoxe Landeskanzlei“ hatte ihren Anschluß an die Aktion Vorbehalten. Die Tagesordnung lautete: 1. Gruppenrechte der Juden im Osten. 2. Palästinafrage. 3. Religiöse Forderungen im Staatsleben. 4. Bürgerliche Gleichberechtigung. Während der zweitägigen Verhandlungen, in denen naturgemäß manche Gegensätze der Auffassungen zwischen den verschiedenen Landesgruppen zutage traten, wurde eine prinzipielle Übereinstimmung in Grundfragen erzielt. Als Ergebnis der Generaldebatte in Verbindung mit dem ersten Punkte der Tagesordnung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: 1. Bei ihrer Erhebung zur Volksgemeinschaft hat Gott der Judenheit, deren Existenzberechtigung, Ideale und Ziele lediglich in der Religion verankert sind, sowie jedem einzelnen Juden für alle Zeiten die treue Erfüllung des offenbarten Gesetzes zur Pflicht gemacht. Auf dieser gemeinsamen Pflicht beruht das Band gegenseitiger Verantwortung, das die Juden umschlingt. 2. Die Judengemeinschaft fordert die unbehinderte Freiheit zur pflichtgemäßen Erforschung und Erfüllung ihres offenbarten Gesetzes. 3. Sie fordert den Schutz von Leben und Eigentum, sowie Freiheit der geistigen und wirtschaftlichen Entwicklung der Juden der Einzelländer gleich allen Bürgern des betreffenden Staates. 4. Die Formulierung der prinzipiellen Forderungen und die Art ihrer Durchführung muß den berufenen Vertretern der Juden der Einzelländer überlassen bleiben. Die in Punkt 4 enthaltene Entschließung bezieht sich insbesondere auf die ausgiebig erörterte