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Das jüdische Echo · 1918-02-15 · 7 (15.2.1918) · p. Seite 67

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
7 (15.2.1918)
Date
1918-02-15
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Das Jfidische Echo 67 Orthodoxie, Zionismus und Ost- Judentum. Von Privatdozent Dr. A. Frankel, z. Zt. im Felde. In den Blättern des Gruppenverbandes Agudas Jisroel (1917, Heft 10) legt Privatdozent Dr. Frankel Gedanken über künftige Entwicklung und Aufgaben der Agudas Jiisroel dar. Für die Leser unseres Blattes wird es interessant sein, zu hören, wie sich Dr. Frankel, der Zionist und gesetzestreuer Jude ist, zur Frage der ideellen Vereinbarkeit von Orthodoxie und Zionismus und zur Frage der Zusammenarbeit beider an ostjüdischen und palästinensischen Aufgaben stellt. Wlir bringen daher im folgenden einen Auszug aus den hierauf bezüglichen Stellen des Aufsatzes zum Abdruck: „So gewiß und selbstverständlich es ist, daß die Agudoh mit Organisationen, deren Programm sich in einem Gegensatz zum thoratreuen Judentum stellt, auf keine Weise und unter keinen Bedingungen — es sei denn in Ausnahmefällen rein äußerlich Zusammenarbeiten kann; und daß sie dies auch nicht könnte mit dem thoratreuen Judentum neutral gegenüberstehenden Organisationen auf Gebieten, wo speziell religiöse Interessen berührt werden, wie im Schul- und Erziehungswesen, — so sehr wird andererseits diese Zusammenarbeit mit neutralen Organisationen naturgemäß sein und die Regel bilden müssen auf Gebieten, wo die besonderen Interessen des orthodoxen Judentums nicht in Frage stehen, so z. B. bei Wohlfahrtsaktionen, die eine Besserung physischer und materieller Verhältnisse bezwecken, oder bei Kundgebungen für allgemeine jüdische Rechte und Forderungen usw. Und auf die Gefahr hün, deshalb von manchen Leuten als Parteiheld angesehen zu werden, dessen Anschauungen in Fragen des thoratreuen Judentums nicht mitzählen, muß ich hier noch ausdrücklich auf ein spezielles Beispiel für die letzten Thesen hinweisen, das mir — unabhängig von meiner persönlichen Stellung zum Zionismus — an sich und namentlich in der heutigen Zeit bedeutungsvoll zu sein scheint, auf die Stellungnahme der Agudoh zum Zionismus und zur Zionistischen Organisation. Die Zionistische Organisation als solche steht zwar sicherlich nicht auf dem Boden des thoratreuen Judentums und könnte dies, ohne ihre Ziele zu schädigen, in absehbarer Zeit auch gar nicht, hat sich aber auch niemals zu einem dem thoratreuen Judentum gegensätzlichen Programm bekannt.“ (Hier folgt eine Darlegung der Stellung der Organisation zum Jaffaer Gymnasium.) „Teilt sie diese Neutralitätseigenschaft mit vielen anderen Organisationen, so zeichnet sie sich diesen gegenüber dadurch aus, daß sie gleich der Agudoh die Juden der verschiedenen Länder zusammenfaßt — nicht nur zu philantropischen Zwecken — und daß das thoratreue Judentum mit keiner anderen großen jüdischen Organisation so viele gemeinsame Aufgaben und Ziele teilt. Sicherlich wird es dem thoratreuen Juden, der trotz der ausgedehnten gemeinsamen Kampfesfront und trotz aller Leistung des Zionismus dennoch die in der Neutralität gegenüber der Religion begründete Gefahr überwiegen glaubt, freistehen, diese seine Meinung auch innerhalb der Agudoh zu verfechten, wie ja die entsprechende Meinung über die meisten „neutralen jüdischen Organisationen in Deutschland wirklich mehr und mehr unser aller Gemeingut geworden ist. Aber auf der anderen Seite muß es nicht nur dem zionistisch denkenden und organisierten thoratreuen Juden freistehen, seine gegensätzliche Meinung ebenso frei zu vertreten, sondern die Agudoh wird auch — ganz unabhängig von jeder Stellungnahme zum Zionismus — beim Einschlagen von Wegen und der Inangriffnahme von Problemen, die nicht speziell religiöse Fragen betreffen, und in denen sie mit dem Zionismus parallel geht, nicht etwa gesondert, sondern in selbstverständlicher Zusammenarbeit mit der Zionistischen Organisation Vorgehen müssen, schon um Kräftevergeudung zu vermeiden und die gemeinsame Kampfesfront und Leistungsfähigkeit zu stärken. Man vergleiche nur, in wie weitem Maß die erwähnte umfassende russische orthodoxe Partei „Tradition und Freiheit“ gegenwärtig in den wichtigsten allgemein-jüdischen Fragen dieses Prinzip der Zusammenarbeit durchführt! Es ist sicher nicht allein und auch wohl keineswegs in erster Linie Schuld der Agudoh, daß von vornherein Mißtrauen seitens der zionistischen Organisation die werdende Agudoh begleitete, obgleich ja die Weltanschauung der Agudoh die nationale Basis des Zionismus voll anerkennt und nicht sowohl ein gegensätzliches als vielmehr ein sehr viel umfassenderes Programm benötigt, obgleich ferner schon die durch den „Misrachi“ und die übrigen thoratreuen Zionisten dargestellte Personalunion vertrauenerweckend und annähernd hätte wirken müssen. Aber die hierin gemachten Fehler müssen auf beiden Seiten gerade jetzt, in einem so einschneidenden Abschnitt der jüdischen Geschichte, möglichst schnell wieder gut gemacht werden; und so wenig ich glaube, daß jemals eine programmatische Festlegung der zionistischen Organisation auf ein dem thoratreuen Judentum widersprechendes Programm erfolgen wird, die selbstverständlich den dauernden Bruch der Agudoh mit ihr herbeliführen müßte, so sehr hoffe ich, daß bei ehrlichem und begeistertemArbeiten und, soweit möglich, Zusammenarbeiten beider Organisationen, schließlich, vielleicht nicht im Lauf der Jahrzehnte, aber vielleicht der Jahrhunderte die Zeit kommen wird, da das konsequent durchgeführte und weiter entwickelte Programm des Zionismus von selber in unsere Ideale einmünden und die ihm anhängende Judenheit reif zur Geiiloh sein wird.“ Nachdem Dr. Fränkel sodann auf die Aufgaben der Agudoh im allgemeinen eingegangen ist, spricht er sich in einleuchtender Weise über die Notwendigkeit einer gesunden und einheitlichen Behandlung der palästinensischen und Ostjudenpolitik aus. Ich möchte hier nur einen allgemeinen, speziell für uns deutsche Juden zu beherzigenden Grundsatz besonders hervorheben, der unsere Richtschnur bei Aufgaben, die vor allem oder ganz jenseits der deutschen Grenzen liegen, sein soll, einen Grundsatz, der theoretisch wohl allgemein anerkannt ist, und der sich vielleicht so fassen läßt: Bei der Lösung von Aufgaben außerhalb Deutschlands müssen wir stets allein die Bedürfnisse und Wünsche der betreffenden Teile; der Judenheit berücksichtigen, diese selbst zu recht intensiver, eigener unbeeinflußter Mitarbeit veranlassen, im übrigen möglichst ausschließlich Männer und Frauen, die mit den betreffenden Verhältnissen und Bedürfnissen wohlvertraut sind, zur Betätigung heranziehen und es ernstlich vermeiden, be-

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