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Das jüdische Echo · 1918-02-08 · 6 (8.2.1918) · p. Seite 60

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
Seite 60 (sequence 8)
Language
German
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60 Das Jüdische Echo Nr. 6 folge der vollkommen ungenügenden Sicherheitsverhältnisse haben die Juden in diesen Städten eigene Milizen gebildet, die erfolgreich den plündernden Banden entgegentreten. Judenpogrome in Algerien. Die in Konstantinopel erscheinende Zeitung „Aurore“ bespricht in einem Leitartikel die pogromartigen Ausschreitungen gegen die Juden in Tunis, die zu Mordtaten und Plünderungen in Sfax, Biserta, vor alllem aber in der Stadt Tunis geführt und unter den nordafrikanischen Juden eine außerordentliche Beunruhigung hervorgerufen haben. Erst langsam sickert, da die französische Zensur alle Nachrichten unterdrückt hat, die ganze Wahrheit durch und man erhält einen Eindruck von dem gewaltigen Umfang der Exzesse. Die in Genf erscheinende „Revue du Maghreb“ hatte schon vor längerer Zeit die französische Regierung vergeblich darauf hingewiesen, daß die in Tunis geführte, systematische, antisemitische Kampagne zu blutigen Exzessen führen müsse. Seit vielen Monaten hetzt nämlich das offiziellie Regierungsorgan,'die „Depeche Tunisienne“ und das Blatt „Colon francais“ in aufreizender Weise gegen die Juden. Beide Blätter stellen die Juden, obwohl sie durch Gesetz vom Heeresdienst ausgenommen sind, als Drückeberger hin und entfalten überhaupt eine konsequente antisemitische Propaganda. Die entsetzlichen Exzesse sind eine selbstverständliche Folge dieser Hetzarbeit. Drei jüdische Hutoren. Ich kann wohl von den Werken dreier jüdischer Autoren, nicht aber von drei jüdischen Büchern sprechen, denn die, welche ich meine, erfüllen sämtlich nicht das Haupterfordernis jüdischer Bücher: von Juden für Juden geschrieben zu sein. Nicht einmall ihr Stoff weist auf eine bewußte Schilderung jüdischer Art hin. Und doch tragen alle drei ganz wesentlich zum Verständnis des jüdischen Menschen bei und sollen deshalb — nicht aber weil ihre Autoren jüdische Namen tragen — an dieser Stelle besprochen werden. Das erste ist Salomon Maimons Lebensgeschichte (herausgegeben von Jakob Fromer . bei Georg Müller, München). Ein sehr kurioses Buch, von dem man wohl sag.en kann: wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Die Lebensgeschichte des jungen Bochers, der sein polnisches Städtchen und den Talmud, seine Frau und Kinder und die böse Schwiegermutter hinter sich gelassen und nach Deutschland gelaufen ist — einem Vagabunden-Trieb folgend, der sein ganzes Leben beherrscht, ihn bald in tiefste Not stürzt und dem Selbstmord nahe bringt, ihn bald als Logiergast in das Haus des Grafen Kaltkreuth führt, ihn von Stadt zu Stadt ziehen und bald ein Leben der Entbehrung, bald ein solches sinnlichen Genusses führen läßt, das öffentliches Ärgernis erregt, und das ihm schließlich ohne Hoffnung auf eine Fortdauer ,sieiner Seele entflieht. Diese Geschichte seiner äußeren Schicksale ist durchzogen und unlöslich verknüpft mit der Gedankenwelt dieses üppigen Geistes, der an Kants Kritik der reinen Vernunft eine noch schärfere — weil von keinerlei Gemütshemmungen belastete — Kritik übt, mit Mendelsohn diskutiert, kurz nach seiner Ankunft in Deutschland bereits philosophische Abhandlungen für die wissenschaftlichen Annalen Deutschlands schreibt und Maimonides „More Newochim“ Wort für Wort kritisch beleuchtet. Diese ganze Geschichte eines typischen „Batlen“ ist geschrieben in dem beiläufigen, spöttelnden, m^chmal etwas „schautig“ wirkenden Ton des Menschen, der an nichts glaubt, durch seine Gefühllosigkeit erschreckt und den man um seiner rückhaltlosen Ehrlichkeit, seines Mangels an jeglicher Eitelkeit bewundern muß. Ein Buch, das uns einen bedeutenden Vertreter der Aufklärungszeit mit allen ihren geistigen Vorzügen und seelischen Nachteilen nahe bringt. Die Aufgabe des Herausgebers in diese Wirrnis von Persönlichem und Abstraktem, von Naivität und Wissenschaftlichkeit dem Leser einen Weg zu bahnen, war nicht leicht! Diesem Buche von einem der merkwürdigsten Produkte der Haskalah, steht das Buch einer jüdischen Persönlichkeit unserer eigenen Zeit gegenüber. Ein schreiender Kontrast: dort eine unumschränkte Herrschaft der Vernunft, hier ein völliger Verzicht auf JDeutung von Ziel und Zweck, auf Nominierung, Klassifizierung, Schematisierung. Dort ein schonungsloses Abgrenzen der Begriffe, hier ein Hinüberfließen des Ich in die Weltseele. Dort ein Erfassen der Realität der Dinge, hier ein Erfühlen des Rhythmus ihrer Bewegung, ein Eiv schauen ihrer Zusammenhänge mit dem All. Dort ein kalter Philosoph, hier eine in Gl'ut zitternde Dichterin. Ich meine die Gesammelten Gedichte von Else Lasker-Schüler (Verlag der Weißen Blätter, Leipzig). Gedichte in deutscher Sprache, vielfach an deutsche Persönlichkeiten gerichtet und doch in einem Rhythmus geschrieben, der den Rhythmus orientalischer Spezialst firykgmglüäee 1 Jhj/äTgmtc 29 rStock nächst ySmmptnl^ %fmhjglä$ec, SkSktcchce, StlßLbzälm. OuliuA OCCOer, CCflicArcinl \%ktum. mPmMeCismgmie deemclemerOkimcrpt/k C/et-'te Cerrcn Ol-xJ-e ,OMxCvaun 9/tun eben, 3%aximäianötr V-

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