Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 59 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9072829-9102973-9138237--01905-9074727- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 6 Das jüdische Echo 59 lebenden Untertanen Österreichs und der mit uns verbündeten Staaten beschäftigt, hat vom Minister des Innern den Auftrag erhalten, den Abtransport der galizischen Flüchtlinge bis spätestens Ende Dezember d. J. zu beenden. Ein weiterer Aufschub für den Aufenthalt in Budapest wird nicht mehr erteilt.“ Die Zeitung erinnert den Minister daran, daß es sich hier nicht um Untertanen feindlicher, nicht einmal neutraler Länder handelt, sondern um Bürger des österreichischen Teiles der Monarchie, um Menschen, die kein anderes i„Verbrbchen“ auf dem Gewissen haben, als dasjenige, „daß sie vor dem Feind geflüchtet sind und daß sie ihr ganzes Hab und Gut verloren haben“. Mit eindringlichen Worten betont die Zeitung die Grausamkeit, die Flüchtlinge in bitterer Winterkälte, ohne Kleidung und Schutz fortzutreiben in eine Gegend, wo keinerlei Obdach, keinerlei Lebens- und Unterhalts-Möglichkeit existieren und macht den Minister darauf aufmerksam, in welch schroffem Widerspruch sein Befehl zu der letzten Thronrede des Kaisers stehe, in der dieser u. a. verkündet hat: „Mitleidsvoll wendet sich unser Blick jenen Bedauernswerten zu, die, von Haus und Hof vertrieben, ihr Hab und Gut auf dem Altar des Vaterlandes opfern mußten. Sie alle mögen überzeugt sein, daß ihnen unsere erste Sorge gilt.“ Ein jüdisches Arbeiterfürsorgeamt. Die „Großlage für Deutschland, U. u. O. B.“, der „Hilfsverein der Deutschen Juden“, der „Jüdische Volksverein“, das „Komitee für den Osten“ und die „Zionistische Vereinigung für Deutschland“ haben sich zur Gründung eines „Arbeiterfürsorgeamtes der Jüdischen Organisationen Deutschlands“ zusammengeschlossen, zu dessen Vorsitzenden Dr. iur. Adolf Friedemann gewählt ist. Die Generalkommission der Gewerkschaften hat im Einvernehmen mit dem neuen Arbeiterfürsorgeamt ein Sekretariat für ostjüdische Arbeiter errichtet. Die Aufgabe des gegründeten Arbeiterfürsorgeamtes wird darin bestehen, die Interessen der zahlreichen gegenwärtig in Deutschland lebenden jüdischen Arbeiter aus den Ostgebieten nach jeder Richtung hin zu wahren; in den Arbeitskreis des Sekretariats wird insbesondere die Schlichtung von Streitigkeiten mit den Arbeitgebern und der Rechtsschutz fallen. Die Geschäftsstelle des Fürsorgeamts befindet sich in Berlin W8, Französische Straße 49. Erinnerungsmedaillen zum Einzug in Jerusalem. Nach dem „Pesti Hirlap“ bringt die Londoner „The Graphic“ die Abbildung der Medaillen, welche die Soldaten, die als erste in Jerusalem eingezogen sind, erhalten haben. Diese Medaillen tragen auf beiden Seiten hebräische Inschriften und auf der einen Seite auch ein Christusbild. Dasselbe Blatt meldet, daß eine der ersten Abteilungen, welche in Jerusalem eingerückt sind, aus lauter Juden bestand. Der russisch-jüdische Kongreß. Die für den 6., 7. und 8. Januar alten Stils anberäumten Wahlen zum russisch-jüdischen Kongreß sind laut telegraphischer Meldung aus Petersburg auf den 22., 23. und 24. Januar (4L, 5. und 6. Februar) verschoben worden. Venizelos gegen die Juden in Saloniki. In einer Unterredung, die der Vorsitzende der englischen jüdischen Wohltätigkeitsvereinigung Sir Stuarts Samuel mit Venizelos hatte, bestätigte der letztere, daß die griechische Regierung eine Gesetzesvorlage einbringen werde, die die Enteignung der von der Feuersbrunst heimgesuchten Teile von Saloniki zum Gegenstand habe. Durch diese Vorlage werden bekanntlich Tausende von jüdischen Familien um ihr Heim, gebracht und zur. Auswanderung gezwungen. Die Schädigung der Abgebrannten ist doppelt groß, da die Zahlung nicht in bar, sondern in griechischen Schatzbonds erfolgen soll. Die ganze Aktion richtet sich gegen die Juden, die zumeist spanischen Ursprungs sind, weil sie in Saloniki im wesentlichen die Träger der gegen Venizelos gerichteten königstreuen Politik sind. Die Bemerkung Venizelos zu Sir Stuarts Samuel: „Ich kann erklären, daß es für Saloniki ein Unglück wäre, wenn die Juden auswandern sollten, da es dadurch jene Kräfte verlieren würde, die es zur Blüte gebracht haben“, wird als eine bewußte Unwahrhaftigkeit in jüdischen Kreisen empfunden. Die Verzweiflung und die Not unter den Juden in Saloniki ist entsetzlich. Wieit über zweitausend Familien sind genötigt in Zelten zu wohnen. Annähernd tausend Familien wohnen in Pferdeställen. Die natürlichen Folgen sind epidemische Krankheiten und Hungersnot. Was bisher gesammelt wurde, hat kaum für die eiste Hilfe ausgereicht. An den Wiederaufbau kann wegen des famosen Enteignungsprojektes natürlich nicht gedacht werden. Rumänische Judenhetze in Bessarabien. Vor zwei Wochen fanden in Sucharan, Jednize, Beiz- und Edingo sowie anderen Kleinstädten Mittel¬ und Siidbessarabiens große Pogrome statt, die von der dortigen rumänischen Bevölkerung veranstaltet wurden. Größere Banden, die vielfach Soldatenuniformen angelegt hatten, haben am helllichten Tage die Judenviertel überfallen und völlig ausgeraubt. In einigen Fällen wurden Juden getötet, in den meitsen Fällen schwer mißhandelt. In Sucharan soll es 25 Tote gegeben haben. Inuuuuuuuu (Größte, fogl.2mal erfd)einen&e 3eitung ©üb» unb VUttelbeutfd)* lonb$. ÄauffräftigerVeferfreiö unb über £>eut|d)lanbö(3rensen hinauf geljcnbe Verbreitung. (Großer fauf* mcmn.u.getperM.6teflenmarft Slnerfannf fefjr erfolgreich für Sinnigen oller Slrt. Slnjeigenpreiä unb 3lachlajj noch Sarif. Vesugäpreiä mono#. Vif. 1.50 bei allen beutfdjen pojfanjtalten 2<igtid)e3Cuf(age 2ma( löooooejempfürc/ÜfeetVj^iUionlcfer