Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 61 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Das Jüdisch« Echo 61 Landschaft, orientalischen Sonnenflutens, orientalischen Erlebens widerzutönen scheint. Wenn Else Lasker-Schüler sagt: „Immer singt Abel so hell ♦Zu den Sauten seiner Seele, Aber durch Kains Leib führen die Gräben der Stadt.“ oder: „Wie heiliger Dornstrauch brannte süß sein Haar; Sein Lächeln grüßte den ersehnten Heimatstern.“ so ist diese Vorstellungsweise verwandt der Vorstellungsweise jenes Dichters der da sang: „Deine Augen Tauben hinter deinem Schleier, dein Haar wie eine Herde Ziegen, den Berg Gilead herab gelagert, deine Zähne wie eine Herde wohlgezählter Schafe, die aus dem Bade steigen“. Und so steht Else Lasker-Schüler in ihrer Zeit und dem Lande darin sie lebt wie ein Hauch aus fernem, fernem Lande, wie ein Nachklang aufc, ferner, ferner Zeit, da Juden ihr Erlebnis von Welt und Gottheit in eignen, dem Abendlande unverständlichen Symbolen aussprach. Unter ihren hebräischen Legenden sind welche, die an ihr Volk gerichtet sind, aber auch alle ihre andren Lieder erscheinen wie hebräische Poesien in deutscher Sprache. Nicht weil ich ihn an Bedeutung den beiden genannten Autoren irgendwie gleichsetze, spreche ich in diesem Zusammenhang auch von Benno E I k a n und seinem Buch (Polnische Nachtstücke, Delphin-Verlag, München), sondern weil auch er, unbewußt, ein Stück Judentum darstellt. Freilich kein durchaus erfreuliches. Er erscheint als ein Vertreter jener Klasse von jungen Juden, die in Großstädten leben, die .sich von dem zerfetzten Tempo des Großstadtlebens erfassen ließen, sich keine Ruhe gönnen, ihre Gedanken und Empfindungen zu Klarheit und Harmonie ausreifen zu lassen und ihre Kompliziertheit recte ihren Mangel an Geschlossenheit für einen Reichtum ihrer Natur halten. Die da glauben, allerzartestes auisizudriicketi, wenn sie für ihre embryonalen Eindrücke und Wahrnehmungen Synonyme suchen, und nicht merken, daß aus dieser Zusammenstellung schattenhafter Einzelzüge kein klares Gesamtbild entsteht. Elkan ist durch den Krieg nach Polen verschlagen worden und hat alles was er .siah, besonders das Leben der polnischen Juden mit diesen unruhigen Augen des überempfindsamen modernen Juden gesehen, hat auch1 mit dem Instinkt der Verwandtschaft jüdische Menschen gefunden, denen gleichfalls die Harmonie der Seele fehlt (Hanja in seiner gleichnamigen Novelle). Und sein Stift und seine Feder malen in kritzlichen, nervösen Zügen seine Schatten von Empfindungen, ohne daß an dem fertigen Bild — weder das gemalte noch das geschriebene — eine einheitliche Wirkung entsteht. (Oder Die wissen Sie etwas über Hanjas Sang, wenn Elkan sagt: „Die Elastizität der Knie spielten mit meiner Erwartung durch schelmisches Zurückhalten und beeiltes Vordrängen. Die Hüften sicherten die Haltung federnd in Ihren Lagern, doch fest im Bewußtsein der Verantwortung. Auf sie vertrauensvoll gebaut, hob sich der zarte Leib bis zum kleinen sorglosen Busen, der neugierig umherschaute. Der Hals liebte seine .scheinbar so schwere Aufgabe, den schwängern Kopf zu tragen, der fröhlich sich zwischen Stolz und Glück drehte.“ Ist denn Hanjas Körper ein Panoptikum mit Bildern der verschiedensten Eigenschaften?) Und so sei dieses Buch, das übrigens ein ganz besonders schönes äußeres Gewand trägt, hier genannt als ein interessantes Bild — nicht irgendwelcher Szenen aus Polen sondern des zerstückelten, nervösen Wesens einer bestimmten Klasse intellektueller junger Juden. H. H. Cohn. (Unsere Laser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Ge* meinden und Vereinen und von Personalnachrlohten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) München. Im Alter von fast 69 Jahren verschied am 5. Februar Herr Ludwig W e r t h e i m e r , ein allgemein hochgeachteter, in jüdischen Kreisen besonders geschätzter Mitbürger. In" allen Vereinigungen, wo derselbe tätig war, fand seine überaus gewissenhafte Mitarbeit allgemeine Anerkennung. Seine Wohltätigkeit war ihm Herzenssache und die Art und Weise wie er sie betätigte, zeigte den ediien Charakter. Hilfsaktion für Palästina. S. Spielmann spendet 20 Mk. N. N. 20 Mk. Für diese sowie für die biseingegangenen Spenden herzlichen Dank. ft nzeigen-icho »". auoh ausserhalb Münchens kostenlose Aufnahme.) Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß“. 10. II. 18. 1. Zug: Ins Isartal. Isartalbahnhof 8 Uhr. 5 Pfg. 2. Zug: Ins Isartal. Isartalbahnhof 8 Uhr. 5 Pfg. 3. Zug: Pasing—Gauting. Stachus 1.30 Uhr. 70 Pfg. 1. Gruppe: Ins Isartal. Isartalbahnhof 10 Uhr. 5 Pfg. 2. Gruppe: Ins Heim. Starnbergerbahnhof 9 Uhr. 90 Pfg. 3. Gruppe: Ins Isartal. Ostfriedhof 9 Uhr. 35* Pfg. — Am 20. Februar (schulfreier Tag) findet ein Lichtbildervortrag über Palästina statt. Nur Wanderer und Wanderinnen haben mit Ausweiskarte Zutritt. Beginn 3.30 Uhr, Paul Heysestraße 9. Die ordentliche Mitgliederversammlung findet am Samstag, den 16. Februar, abends 8 Uhr, in den Räumen der München - Loge, Kaufingerstr. 9» LIC Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Karl Graf v. Bothmer, München. Die „Wirklichkeit" ist die einzige politische Wochen- * °’A ',nH de schrift, welche von sich sagen kann, daß sie schon mit ein Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu & 9 r rx _ _ «-._i ♦ zn Pf. Her Bez nehmen wie sie sind, den Sinn für das geachichtlch Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt beute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Dm ElnXTko..« 50Pf., der Bez0£sprei, des Vierteljahres beträgt M. 5.—. San «d Ver,et. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsvcizci