Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 5 (1.2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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48 Das Jüdische Echo Probleme der Kolonisation zu lösen: die Land- und Menschenfrage. Die „Nachiah“, d. h. der Landfonds und der „Pionierbeitrag“ bilden das Programm des JNF für die nächste Zeit. Wir stehen vor einer Periode von systematischen Landeinkäufen in großem Maßstabe im Interesse des ganzen Volkes als sein unveräußerliches Eigentum und eines neuen Einwandererstroms von Arbeiter - Pionieren. Die „Hechaluz“-Bewegung in Osteuropa und Amerika beweist dies. An Boden wird es in Palästina nicht fehlen; es sind jenseits des Jordans, in Gilead und Baschan, aber auch in Galiläa und Judäa große Landstrecken vorhanden, die auf arbeitende Menschen warten. Es wird aber auch an solchen nicht fehlen. Tausende und abertausende Juden, die Blüte unserer Jugend, sind vom Drange erfüllt, eine neue Welt zu schaffen, das Land und sich selbst zu erneuern, durch die Verwurzelung in heimatlicher Scholle. Sie stehen bereit, ihr Schicksal mit dem Palästinas zu verbinden und eine jüdische Kolonisation auf der Grundlage jüdischer Arbeit und Kultur zu schaffen. Uns stehen keine fertigen staatlichen Instrumente zur Verfügung, die den gewaltigen Prozeß der Verbindung des Volkes mit seinem Lande durchführen. Wir haben nur die Kraft, uns freiwillig zu besteuern für die Zwecke unserer nationalen Arbeit. Mögen die jüdischen Massen durch die „Nachiah“ und den „Pionierbeitrag“ dem JNF die Möglichkeit geben, seine historische Sendung in Erez-Israel zu erfüllen! Weit-Echo Die Lage in Palästina. Wie uns ein Spezial- Telegramm aus Kopenhagen meldet, sind dort Drahtnachrichten aus Palästina eingetroffen, aus denen hervorgeht, daß die kolonisatorische Arbeit in Jaffa und Jerusalem nunmehr, nach der Einnahme dieser Städte durch die Engländer, energisch fortgesetzt wird. Abgesehen von dem materiellen Schaden, der durch die kriegerischen Ereignisse angerichtet wurde, ist im Lande alles wohl. Die Verluste an Menschenleben sind unbedeutend. Am meisten haben die Kolonien Ain Gauim und Petach Tikwah gelitten. Für ihren Wiederaufbau sind große Mittel erforderlich. Private Geldüberweisungen für jüdische Familien können über das Zionistische Bureau in Kopenhagen vorgenommen werden. Hilfe ist dringend notwendig. Ferner muß unverzüglich eine Ausdehnung des in den letzten Monaten stark behinderten Scbulwerks in Jerusalem vorgenommen werden, wofür ebenfalls beträchtliche Mittel notwendig sind. (Überweisungen aus Bayern für das Palästina-Hilfswerk sind zu richten an das Bankhaus J. L. Feuchtwanger, München.) Das Augsburger Synagogendach. Durch verschiedene bayerische Blätter wurde kürzlich die Nachricht verbreitet, daß für den Neubau der inzwischen fertiggestellten Augsburger Synagoge von der Militärverwaltung Kupfer zur Dacheindeckung freigegeben worden sei. Hierzu wird amtlich, folgendes bekannt gegeben: Richtig ist, daß auf Grund eines schon vor Kriegsbeginn ab¬ Nr. 5 geschlossenen Kaufvertrags in den letzten Monaten des Jahres 1914 die bedungene Menge Kupferblech durch eine norddeutsche Firma geliefert und im Dezember 1914 und Januar 1915 zur Dacheindeckung der Synagoge verwendet wurde. Bereits seit März 1916 verhandelte die israelitische Kultusgemeinde Augsburg mit verschiedenen Firmen über die Wiederabnahme des Kupferdaches. Im Juni 1917 wurde das Kupferdach ebenso wie die anderen Kupferdächer enteignet; die Abnahme verzögerte sich jedoch wegen der Schwierigkeit der Ersatzbeschaffung. Auf Eingreifen der bayerischen Heeresverwaltung, die von obigen Tatsachen überhaupt erst vor einigen Wochen Kenntnis erhielt, ist nunmehr die Abnahme bereits eingeleitet worden. Preisausschreiben für Jugenderzählungen. Die vom Ausschuß für jüdische Kulturarbeit für das von ihm veranstaltete Preisausschreiben für Jugenderzählungen eingesetzten Preisrichter, Dr. Max Brod, Dr. Martin Buber und Oberlehrer Mos. Calvary, haben nach Prüfung des Einlaufs beschlossen, von der Verteilung eines ersten Preises abzusehen, dagegen den Erzählungen „Der Lichtsieder und sein Gast“ (Kennwort: Elijahu) und „Jerusalem“ (Kennwort: Erez Israel) je einen zweiten Preis im Betrage von 200 Mark und der Erzählung „Elisar und Jonadab“ (Kennwort: wie Titel) einen dritten Preis im Betrage von 100 Mark zuzuerkennen. Bei Eröffnung der Umschläge ergaben sich die nachstehenden Verfassernamen: „Der Lichtsieder und sein Gast“ C. Z. Klötzel, „Jerusalem“ Helene Hanna Cohn, „Elisar und Jonadab“ Dr. H. Glanz-Schar. Empfang der Aiko beim Großwesir. Mitglieder der Aiko erzielten gelegentlich der Anwesenheit Talaat Paschas in Berlin einen Empfang bei ihm. Der Großwesir empfing die Herren Prof. Dr. James Israel, Bankier A. F. Marcus, Dr. Alfred Nossig, Kommerzienrat G. Simon und Prof. Dr. Ludwig Stern und gab ihnen Auskunft auf mehrere Fragen bezüglich der Lage der Juden im türkischen Reiche nach Friedensschluß. Seine Ausführungen wurden mit Befriedigung entgegengenommen. Die Arbeit in Palästina. Nach der „Westminster Gazette“ fand kürzlich in Leeds eine stark besuchte Konferenz der Zionisten aus Leeds und Bradford statt. Ein gemeinsamer Dankesbeschluß an die englische Regierung wurde angenommen. Sieff aus Manchester sagte: Es ist die Absicht der englischen Regierung, in einigen Wochen eine jüdische Kommission nach Palästina zu senden, die die Vorarbeiten für die Unterbringung der jüdischen Nation in Palästina beginnen soll. Dieser Kommission soll ein Stab von technischen Fachleuten, Ingenieuren, Architekten, Städteerbauern, Landwirten folgen. Die zionistische Kommission hat nicht die Absicht, eine internationale Finanzgruppe in Palästina zur Ausbeutung des Landes und des arabischen Proletariats zu schaffen, sondern durch Ankauf von Land das jüdische Proletariat anzusiedeln, das, wie man hofft, einträchtig mit den Arabern Zusammenarbeiten wird. Palästinensische Flüchtlinge in Wien. Seit etwa drei Monaten tritt in Wien eine neue Kriegserscheinung zutage: palästinensische Flüchtlinge. Sie kommen zum größten Teil aus Saffed, zum kleineren aus Tiberias. In kurzen Abständen sind