Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 5 (1.2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Das J&dlsctae Echo 47 Ina AllMtine IMische fitflnltrnliaits .LchMk-Mek" i« Ictiifalrttt Organisation rein europäisch Isolierhäuser für Ansteckende Geschäftsleitung: Frankfurt a. M. Höchste Anerkennung aller Behörden Postscheckkonto Nr. 7783 Frkft. a. M. Aufnahme unterschiedslos für Alle Hält sich für gewissenhafte Uebernahme von Stiftungen empfohlen! Betten — Zimmer — Fahrzeit — Gedenktafel -- Stiftungen. Man fordere die Bedingungen ein. Briefe zu richten nach Röderbergweg 63 zustatten, daß er bald nach Kriegsschluß planvoll große Landerwerbungen in Angriff nehmen kann. Es genügt aber nicht, Ländereien zu erwerben; ihr Besitz muß durch Arbeit gesichert werden. Man muß sie für die künftigen Kolonisten vorbereiten, ebenso wie die Menschen vorbereitet werden müssen, die das Land bearbeiten sollen. Für die große Aufgabe der Vorbereitung, für die schöne Pionierarbeit der Erschließung von Neuland, der Eröffnung neuer Gebiete für die jüdische Kolonisation, der Ausbreitung der Grenzen der Kultur und Palästinas sind Arbeiter-Genossenschaften erforderlich. Die Genossenschaftsbewegung in Palästina entstand einerseits aus der Praxis der Kolonisation und andererseits aus dem unverwüstlichen Idealismus jüdischer Pioniere, die seit 1905 nach Palästina mit dem heißen Verlangen gingen, sowohl für die Auflegung des jüdischen Volkes zu arbeiten wie ihren sozialen Schaffensdrang zu befriedigen. Die Arbeitergenossenschaften in Palästina sind der schönste Ausdruck für den Gedanken, daß das neue Palästina nicht nur jüdisch sein, sondern den Kern der sozialen Erneuerung in sich tragen wird. Von besonderer Wichtigkeit in der Kolonisationsperiode, in der wir jetzt stehen, sind die sogenannten „Kwuzoth Kibusch“, Okkupations- oder Aptierungs-Genossenschaften. Sie haben die eigentliche Aufgabe von Pionieren, für die jüdische Kolonisation Neuland zu gewinnen. Freie Arbeitergruppen unter der Führung tüchtiger Vorarbeiter übernehmen die Bewirtschaftung neu erworbenen Landes, die Sicherung der Grenzen, die Durchführung der nötigen Ameliorationen, die Hebung der Produktivität des Bodens auf eine gewisse Stufe. All die Vorbereitungsarbeit wird als Okkupation, als die eigentliche Besitznahme des Landes angesehen. Daher der Name der Gruppen „Okkupations-Genossenschaften“. Wir wollen sie nach ihrer Hauptaufgabe „Pionier-Genossenschaften“ benennen. Sie sind spontan in Palästina entstanden, wo bei jedem neu erworbenen Land die Bearbeitung für die ersten Jahre in Akkord übergeben wurde. Alle neuen Kolonien sind durch solche Kwuzoth vorbereitet worden. Sie haben in Palästina1 nicht nur ein großes Arbeitsfeld, sondern auch eine große Zukunft, geradeso wie in anderen Ländern, wo sich solche Arbeitsgenossenschaften organisert haben. In erster Reihe gibt uns Italien das Beispiel eines Landes, wo über 55 000 Landarbeiter sich zu genossenschaftlicher Arbeit zusammengeschlossen und große Ameliorationen und Bauarbeiten um Hunderte von Millionen Franken für Staat, Provinzen, Gemeinden und auch private Gutsbesitzer durchgeführt haben. Zu ihrem Gelingen ist der Geist der freien Unterordnung der Mitglieder der Pionier-Genossenschaften unter die frei erwählten Führer erforderlich. Es bedarf der Solidarität und des Idealismus, der Anstrengung aller Kräfte zur Höchstleistung, wahrer Treue zur Losung: „Alle für Einen, Einer für Alle!“ und fast übermenschlicher Hartnäckigkeit, um die Hindernisse und Gefahren der ersten Zeit zu überwinden. Man wohnt in Behausungen, die jeder Hygiene spotten, man trinkt Wasser aus alten Brunnen, die Herde von Malaria und Typhus sind; der Arzt ist weit, die Zentren der Kolonisation sind nicht leicht zu erreichen; oft ist man von gefährlichen Nachbarn umringt. Spätere Generationen werden die Leistung, die seelische Revolution von städtischen Proletariern zu'würdigen wissen, die die Pioniere der Kolonisten und deren Opfer geworden sind. Sobald eine Arbeitergenossenschaft ihre Okkupationsarbeit auf einem Terrain beendet hat, kann sie weiterziehen, und dieselbe Pionierarbeit auf einem anderen Boden übernehmen. Sie kann sich aber auch auf NF-Boden in der Nachbarschaft der neuen Kolonie ansiedeln und die Bewirtschaftung der Felder und Gärten der neu angekommenen Bodenbesitzer oder Kolonisten besorgen, falls diese ihr Land nicht selber bearbeiten. Man nennt solche Gruppen, die die Bearbeitung derartiger Wirtschaften übernehmen, Pachtgenossenschaften. Die Pioniergenossenschaft kann auch den nötigen Kredit erhalten, um sich selbst auf NF-Boden anzusiedeln, den sie für die Kultur reif gemacht hat. Dann haben wir vor uns eine genossenschaftliche Kolonie, oder Siedlungsgenossenschaft. Die Förderung von Arbeitergenossenschaften aller Art mit Kredit und Inventar hat sich der Genossenschaftsfonds' mit den Mitteln des neu begründeten Pionierbeitrages zur Aufgabe gemacht. Seine Sache wird es vor allem sein, die Pioniergenossenschaften mit den nötigen Mitteln und Arbeitsgeräten zu versehen. Die Gruppen der Arbeiter-Pioniere werden dem JNF die Möglichkeit geben, die großen Landankäufe mit den Mitteln auszuführen, die die „Nachlah“-Aktion ergeben wird. Der JNF wird seine Tätigkeit als Landfonds entwickeln können, befreit von der Sorge, ob er die passenden Elemente für die Besiedlung eines Bodens finden wird. Die Pioniergenossenschaften werden das Land vorbereiten und zugleich ungelernten Einwanderern die Möglichkeit geben, das ABC der Landarbeit und auch mehr als dieses sich anzueignen. So wird der JNF schrittweise dazu beitragen, die zwei großen