Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 5 (1.2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 ' Das Jüdische Echo Nr. 5 len. Sein Tod hat das reiche Maß von Sympathien gezeigt, der sich der junge Flieger, der zu Kriegsausbruch nur unter den größten Schwierigkeiten von England nach Deutschland zurückkehren konnte, erfreute. Bei einer Feldflieger - Abteilung stand der Leutnant Adolf M a r x. Im bayerischen Flugwesen sind noch verschiedene andere jüdische Flieger, von denen wir die Leutnants Kurt Lämmle und Aronheim hier anführen möchten, ferner den Neffen des Kommerzienrats Freundlich in München, Leutnant Paul Mayer (vorher Fußartillerist) und Leutnant Alex. Wetzlar (vorher Infanterist). Ritter des Eisernen Kreuzes 1. Klasse ist ferner der Sohn des Smichower Rabbiners Dr. S. Back — jetzt in Prag — der Fliegerleutnant Hermann Back, Prokurist der Zigarettenfabrik Osodi-Back, Konstantinopel. Da von antisemitischer Seite die Vergehen und das Vorgehen aller getauften Juden den Juden noch weiter zur Last gelegt werden, mag es gestattet sein, eines Fliegers zu gedenken, der bis zum Jahre 1914 unserer Gemeinschaft angehörte, der aus ihr hervorgegangen, in seinen körperlichen und psychischen Einflüssen wohl stark vom jüdischen Erbgute zehrte. Dieser Flieger war Wilhelm Frankl, der eine Zeit lang der erfolgreichste Kampfflieger der deutschen Armee war, der vom Kaiser außer der Reihe befördert und mit dem Orden pour le merite ausgezeichnet wurde. Er fiel im Luftkampf. Ein recht erfolgreicher Flieger ist der Leutnant Willy Rosen stein aus Gotha, früher Fluglehrer in Gotha und Johannisthal, jetzt bei einer Feldflieger-Abteilung, der u. a. mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde. Dieselbe Auszeichnung erhielten — abgesehen von manchen der Vorgenannten, z. B. Vizefeldwebel Regensburger, Fürth — der Flugzeugführer Edgar Rosenbaum, Sohn des Herrn Alex. Rosenbaum in Frankfurt a. M.; ferner der Vizefeldwebel Martin Jacobowitz aus Breslau, der es sich für einen heißen, erbitterten Luftkampf in Mazedonien verdiente. Im Frieden ist der kriegerische Jacobowitz ein Beamter der Dresdner Bank. Nähere Einzelheiten fehlen mir von den Fliegern: Flugzeugführer Karl Fromme (Alter Herr der Viadrina-Darmstadt); Hugo Kaplan, Berlin, Brunnenstraße 181; Leutnant der Reserve Dr. Papfpenheimer; Bruno Mattlatzki aus Berlin; Ernst Schaffer, Kaufmann aus Breslau, früher bei der Flieger-Ersatz-Abteilung Graudenz; Paul L e wy , Sohn des Dir. H. Lewy, Berlin; Fritz Kappel, Hans Rothschild aus Göttingen; Kampfflieger Warschaur, Sohn des Archivrates W. in Danzig; Paul Goldmann, ehemals Schüler der israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem u. a. Ein Kamerad des letzteren, der frühere Zögling der gleichen Lehranstalt, Edgar Hirsch, Elektro-Monteur aus Walsrode in der Heide, war als Flugzeugführer eingezogen und erhielt schon am 28. August 1914 über Arras einen Schuß, der ihn kriegsuntauglich machte. So ist es nicht nur die „Intelligenz“, die den Juden in der Fliegertruppe vertritt. Es gibt auch einfache schlichte Jungens, die technisch und physisch ihren Platz ausfüllen. Eine prächtige Erscheinung ist als solcher der Flugobermaat Rund Sohn des Herrn Jakob Rund in Gleiwitz. Vor dem Krieg nach Amerika gereist, schlägt er sich mühselig als „Amerikaner“ nach Deutschland durch und wird Marineflieger. Im K.-T.-Befehl desM.-K. Ia Nr. 31/16 dankte ihm Exzellenz von Schröder für einen kühnen Angriffsflug. Durch einen Unfall geriet schließlich Rund in Gefangenschaft der Engländer. Ein Gedicht des Marinekorps, dessen ich leider nicht habhaft werden konnte, soll diese Begebenheit darstellen. Wer ein Freund mathematischer Berechnungen ist, mag den täglichen Todesopfermut an den Eisernen Kreuzen I. Klasse und an den Opfern, die nunmehr der kühle Rasen deckt, ausrechnen. Nirgends wird das blanke Kreuz nur durch die eigene Schneid und durch bedeutsame Lösung der gestellten Aufgabe — von tausend Gefahren umlauert — verdient wie bei der Fliegerei. Mancher hohe Offizier bei Stäben, mancher Adjutant eines umsichtigen Kommandeurs findet seinen Ruhm im Schatten des Vorgesetzten, manches Kreuz ist am Schreibtisch in der Etappe verdient worden. Die Auszeichnung des Fliegers ist keine bloße für Pflichterfüllung, für strategisches Können, sie ist die Belohnung für den persönlichen Mut. Ihm gilt jetzt in den Zeiten, wo der Heeresbericht „geringe Gefechtstätigkeit“ meldet, das Dichterwort: „Und setzet ihr nicht das Leben ein ...“ Auch die Feldluftschifferei ist ein Tummelplatz der jungen Juden geworden. Zeppelin wurde von ihnen befehligt oder geleitet und in Sturm und Beschuß standen sie in Ballons, gewärtig den Fallschirm jeden Augenblick gebrauchen zu müssen. Träger des Eisernen Kreuzes sind u. a. der hannoversche Ingenieur u. Leutnant der Reserve Max Elias, Führer vom Luftschiff Zeppelin IX., ferner bei der Feldluftschifferabteilung 18 die Leutnants Dr. Rudolf Cohn (Referendar aus Berlin), Berthold Jessel (Kaufmann aus Weilburg), Hermann Jonas (Kaufmann aus Aplerbeck), letzterer ist auch als Flieger ausgebildet, Führer einer Luftschiffertruppe und Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse — wie diese und folgende — ist der Leutnant Otto Erich Bloch, Sohn des Herrn Max Bloch, Zigarrenfabrikanten in Emmendingen i. B. Bei der Feldluftschifferabteilung 21 steht der Leutnant Erich E 1 i e 1, Sohn des Stadtverordneten Louis Eliel in Köln. Bei einer Feldluftschifferabteilung finden wir den Oberleutnant Dr. Benno Ö 11 i n g e r , Patentanwalt aus Berlin und bei einer Feldluftschifferabteilung den Leutnant M,ax Strauß, ein Frankfurter Kaufmann. Neben vielen anderen, die ihren Dienst beim Luftschiffwesen tun, von denen wir aber nicht wissen, welche Aufgabe sie erfüllen, neben anderen, deren Zugehörigkeit zum Judentum in Frage gestellt wird (Offizier-Stellvertreter Moll, Ritter des Eisernen Kreuzes I. Klasse, der Kriegsfreiwillige der Dresden-Kaditzer Luftschiffer, Dr. Alexander Lippmann, im Frieden Geschäftsführer eines Observatoriums in Oberhof, der gefallen ist, Dr. Hermann Elias aus Berlin und viele andere) wollen wir zuletzt noch an einen Veteranen der deutschen Luftschiffer erinnern, an den bekannten Aeronauten Paul Spiegel aus Chemnitz, der sich mit seinen 62 Jahren als Kriegsfreiwilliger dem kgl. bayer. Luftschifferbataillon in München zur Verfügung stellte. Man kann zum Kriege jedwede Stellung einnehmen: die Tatsache, daß junge Juden als moderne Dädalüs und Ikarus ihre eigenen Kreise ziehen wollen, daß sie in sich den Trieb zu Höbrem und Weiterem verspüren — das läßt unser Herz lebhafter schlagen.