Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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32 Du Jüdische Echo Nr. 4 tiven Sprache aus“; doch fand dieser Grundsatz noch keine konsequente Anwendung. Erst nach der 1889 erfolgten Neuordnung der Internationale als einer Zusammenfassung von nationalen Sektionen machte sich ein Übergang vom Staatenprinzip zum Nationalitätenprinzip geltend. Von denjenigen Völkern, die nach diesem Prinzip zu behandeln waren, wurden zuerst die Polen als eine besondere Nation anerkannt: dann folgten Tschechen, Finnländer und Armenier, wobei man allerdings durch Begriffsformulierungen wie „früherer Staat“, „historische Provinz“, „Kronland“ usw. bewies, daß man den Begriff der Nationalität noch immer von territorialen Bedingungen abhängig machte. Den Ukrainern, Kroaten, Litauern und Juden wurde das Recht auf eine besondere nationale Sektion nicht eingeräumt, obgleich dies im Widerspruch zu der sich ständig befestigenden Anerkennung des Nationalitätenprinzips im Gegensatz zum Staatenprinzip stand, die in einem 1906 gefaßten Beschluß klar und deutlich ausgesprochen war. („Als Nation wird jede Gruppe von Individuen anerkannt, die einer Regierung untertan sind, doch kann das Büro in Ausnahmefällen auch solche Gruppen von Indiduen als Nation anerkennen, bei denen das Streben nach Autonomie und nach moralischer Einheit als Resultat einer langen historischen Tradition noch fortlebt, ungeachtet ihrer Abhängigkeit von einer oder mehreren Regierungen“). Auf die Juden hätte dieser Grundsatz unbedingt Anwendung finden müssen, was sich in der Zulassung einer besonderen jüdischen Sektion zur Internationale ausgesprochen hätte, wenn nicht der internationale Standpunkt gerade von jüdischen Sozialdemokraten scharf bekämpft worden wäre. Schon 1891 hatten Vertreter der jüdischen Arbeiterorganisationen Amerikas eine Erörterung der Judenfrage beantragt doch war damals das Verständnis für die Tatsache, daß eine Nation ganz unabhängig von territorialen Grenzen existieren könne, noch so unausgebildet, daß die Erörterung abgelehnt wurde. Auf dem Amsterdamer Kongreß im Jahre 1909 wurden zwar wieder jüdische Angelegenheiten erörtert, doch handelte es sich hier nicht um eine Aufrollung des allweltlichen jüdischen Nationalproblems, sondern um eine Sonderangelegenheit der russischen Sektion. Der „Jüdische Arbeiterbund“ forderte nämlich, um nicht in der Internationale gänzlich unvertreten zu bleiben, Sitz und Stimme in der russischen Sektion, was ihm als alter revolutionär - sozialistischer Organisation Rußlands auch gewährt wurde — eine Entscheidung, mit welcher der „Bund“ zwar einverstanden war, die aber eigentlich die nationale Selbständigkeit der Juden verneinte. jg®X9QX9ex9QX9<äX9SS<2X9ex9B<2X9eX9 <2X90X9$ 1 IKgl ‘Bayer. ‘Porzellan* 1 ‘IRanufakiur ‘Rympßenbarg 9faup1nieder[age QRjinchen: Odeonspfaij 1 x i'Kunst° u. ßuxusgegenstände, Tafe(°, bessert*, H i'Kaffee* u. Teegeschirre, Figuren, Gruppen eic. 0 nacfi affen Qlympfienburger Original- ‘Ulodeffen. Außerdem neue Formen und FRodeffe nach Gnt* würfen erster FRünebner RCünstfer. fif Zu einer erneuten Aufrollung der ludisch-nationalen Gesamtfrage kam es erst 1907, als die inzwischen entstandenen territorialistiscben Organisationen, besonders die Partei der Poale Zion, eine besondere Vertretung in der Internationale und auf dem Stuttgarter Kongreß verlangte. Es ist von typischer Bedeutung, daß diese Forderung damals vom sozialistischen Kongreßbüro als berechtigt anerkannt wurde, später aber auf Betreiben des jüdischen „Bund“, der den Anspruch erhob, als einziger Vertreter des jüdischen Proletariats anerkannt zu werden und m dem von den Poale Zion erstrebten jüdischen Gemeinwesen in Palästina eine Stärkung des Imperialismus sah, sowie auf Betreiben deutsch-jüdischer und österrichisch-jüdischer Parteiführer, die das Heil des Judentums in der Assimilation sehen wollten, als nur für die Stuttgarter Tagung gültig ausgelegt wurde. In dieser Schwebe zwischen Anerkennung und Nichtanerkennung seiner nationalen Besonderheit durch die Internationale hat sich das Judentum Inzwischen hat der Krieg das allgemeine Verständnis für Nationalitätenprobleme gewaltig gestärkt und besonders in der Sozialdemokratie das Bewußtsein ihrer Verpflichtung gegenüber den kleinen und ungeschützten Nationen gefestigt. Nachdem die Revolution den unterdrückten Völkerschaften Rußlands, darunter auch den Juden, die Anerkennung ihrer besondleren Nationalität gebracht und ihre Ansprüche auf kulturelle Autonomie gewürdigt hat, nachdem gewisse unhaltbare Zustände in der Nationalitätenfrage Österreichs zutage getreten sind und die Ereignisse gelehrt haben, daß auch Nationen, die ihres eigenen Territoriums beraubt sind, nicht aufhören, als Nationen weiterzuexisitieren (Belgier, Serben. Montenegriner), wird die sozialdemokratische Internationale dasStaatenprinzip endgültig verlassen und zum Nationalitätenprinzip übergehen müssen. Sie wird nicht nur den Ukrainern, Kroaten und Litauern, sondern auch den Juden die Anerkennung als besondere nationale Partei nicht länger versagen können. Im Falle der Juden könnte sie einen abschlägigen Bescheid umsoweniger verantworten, als während' des Krieges von der eigenen jüdischen Sprache, eigenen Literatur und Presse, von den eigentümlichen sozialen Bedingungen der Juden (z. B. das Kleinhandwerk in Polen, das Schwitzbudensystem in Amerika) in weite Kreise gedrungen ist und sie von dem Vorhandensein eines besonderen jüdischen Nationalcharakters völlig überzeugt haben muß. Tatsächlich lehrt das Programm des holländischskandinavischen Komitees, daß die sozialdemokratischen Parteien bereit sind, mit der Anwendung des Nationalitätenprinzips Ernst zu machen und dieses auch auf die Juden zu erstrecken. Dieses Programm geht sogar weit über das hinaus, was die Anhänger eines Schutzes der kleinen Nationalitäten vor dem Kriege von der Internationale erwarten konnten. Während diese bei emer normalen Entwicklung der Ereignisse heute vielleicht so weit wäre, sich des Proletariats unterdrückter Nationen anzunehmen und dessen nationale Selbständigkeit durch Aufnahme in die Internationale anzuerkennen, haben die in Stockholm Versammelten nicht nur proletarische, sondern auch völkerrechtliche Fragen in den Bereich ihrer Aufgaben gezogen. Im Einklang damit steht E.ntscWuß, sich nicht nur der jüdischen Arbeiteruiteressen, sondern der gesamten Juden-