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Das jüdische Echo · 1918-01-18 · 3 (18.1.1918) · p. Seite 23

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 3 Das Jüdische Echo 23 alll'Ner"\,1r|l Ä;5: '■ s°nder»*a"11 «Abeni? h in ■ *i!"*" *är da« "de Odessa "?n toeu cShChen K* c^er Grand. i(- als die briända der Zio- P? eines auto- 1)01. britischer Zangwili ein dt, daß seine n|cbt geringer ireundschafterunsr menbereinstimme. h der frühere v. Die jüdische im Kohlenn als Berffdürften wohl arbeiter in die ieder Ak- \votgliet mit slicht- : Hal- Nach seiner Ankunft in Amerika im Jahre 1916 nahm er den Kampf auf für den jüdischen Kongreß, er hat in die Kongreßbewegung die Vertretung der jüdischen sozialistischen Arbeiterschaft hineingetragen, er war einer der Autoren des bekannten Aufrufes, der zum Verwerfen der Kompromisse in der Kongreßfrage aufforderte und schließlich siegte. Seine Wirksamkeit hat die poalezionistische Partei in Amerika zu einer Macht in der jüdischen Öffentlichkeit erhoben, mit der man heute rechnet. Neben seiner politischen Tätigkeit steht die wissenschaftliche Arbeit. Seine gründlichen und tiefen Forschungen auf dem Gebiet der jüdischen Sprache, das noch ganz neu und ohne Vorarbeiten war, schufen eine Grundlage für den Aufbau dieser Wissenschaft. Sein Hauptwerk, die Geschichte der jüdischen Literatur und Sprache, das er in Amerika zu schreiben begann, hat er nicht vollendet. Die vor kurzem in Kiew abgehaltene Konferenz der Poalle Zion zeigte die Liebe und die Popularität, deren sich Berl Borochow in den jüdischen Arbeiterkreisen erfreute. Dieses reiche Leben ist nun plötzlich abgebrochen. Feuilleton Die Familie Mendelssohn. Freskobilder aus einem Alt-Berliner Hause. Von Herbert E u 1 ei n b u r g. „Man kann nie wissen, was kommt!“ sagte der alte Abraham Mendelssohn, der Sohn des Moses und der Vater von Felix Mendelssohn, eines Morgens, wenige Wochen vor seinem Tode zu seiner Frau, als sie sich zum fünfhunderttausendsten Male darüber unterhielten, ob es auch richtig gewesen sei, ihre Kinder nicht im Glauben der Väter, sondern in der christlichen Religion aufzuerziehen. ErTiebte es besonders in seinen letzten Jahren, wenn er keine Stadtratssitzungen hatte, an den Vormittagen ein Stündchen Pause in seinen Bankgeschäften zu machen und der zweiten Toilette seiner Frau beizuwohnen und sich in dem reinen Spiegel ihrer Seele, wie er sich ausdrückte, zu betrachten. „Man kann nie wissen, was kommt!“ wiederholte er und nahm ihr galant die Haarwickel aus der Hand, mit der sie ihre leis ergrauten Locken aufgedreht hatte: „Wenn man mir gesagt hätte, daß mir dein graumeliertes Haar einst noch besser gefallen würde als die fast blauschwarzen Flechten, die du trugst, als du noch Fräulein Lea Salomon hießt und meine nachdenkliche, vorsichtige Schwester Henriette mich zu dir führte, ich hätt’ es auch nicht für möglich gehalten!“ Die Frau, deren Bild aus dem Spiegel ihm ein ganz klein wenig anzweifelnd, zulächelte, ließ sich seine Hilfeleistung bei ihrem Morgenputz wie seine Komplimente gern gefallen. Sie war zu seinem Wohlbehagen mit den Jahren wieder etwas in die Dicke geraten, die er schon an dem jungen Mädchen geliebt hatte, und war deshalb nicht ungehalten, wenn man sie ein wenig bediente. Dennoch konnte sie sich nicht enthalten, einen stillen Seufzer in die unwiderlegliche, gemeinplätzliclie Behauptung ihres geliebten Gatten zu mischen. „Ich weiß, was du sagen willst und verschweigst!“ erklärte er diesen Seufzer. „Unsere Eltern! Das war und ist der kitzliche Punkt in der ganzen Frage. Deiner seligen Mutter haben wir es nie recht zu sagen gewagt, daß wir die Kinder christlich erziehen ließen, trotzdem sie doch schon durch deinen Bruder Bartholdy, der bereits vor unserer Hochzeit zur protestantischen Kirche übergetreten war, sich an den Gedanken hätte gewöhnen können.“ „Freilich! Freilich!“ •—• er zog sein seidenes Schnupftuch hervor, das er in Paris gekauft hatte und das in einer Ecke mit einem Bildnis von Louis Philipp, dem neuesten König der Franzosen geschmückt war, und schneuzte laut und gereizt die von seinen Vätern überkommene gebogene Nase —: „Wenn man den einzig: wahren Glauben erst gefunden hätte wie meine unter den Genies mitlaufende Schwester Dorothea, die sich mit ihrem Sohn Veit und. ihrem Gatten Friedrich von Schlegel im Kölner Dom katholisch taufen ließ.“ „Sie hat es sich auch erst lang überlegen müssen, lieber Abraham!“ warf die kluge, nüchterne Frau leise spöttisch dazwischen: „Jahrelang ist sie Protestantin gewesen, bis auf einmal wie alles, was romantisch war, katholisch werden mußte. Weißt du, daß ich den Eifer der Neubekehrten nie recht habe leiden können. Sie glauben durch übermäßige Betonung ihres neuen Glaubens den Nachteil verwischen zu können, in dem sie nun einmal gegen diejenigen sind, die in diesem Glauben geboren und erzogen worden sind. Jede unterstrichene Frömmigkeit ist aber keine richtige reine Frömmigkeit mehr. Darum ist mir auch die Richtung dieser Malerschule der Nazarener, die mein verstorbener Bruder und dieser junge Veit so überschwenglich verehrten, und zu der auch unser Schwiegersohn Hensel in manchen seiner Ölgemälde hinüberschielf, nicht ans Herz gewachsen. Ich meine, darin bin ich allerdings meiner Mutter Tochter, man sollte mit seiner Religion nicht Parade machen. Und ein rechter gläubiger Christ braucht sich nicht mit seiner Überzeugung in den Laden zu legen, so wenig wie ich als Jüdin dies tue.“ „Du hast recht, Lea, mit allem, was du sagst, wie du immer recht hast,“ spendete der sie aufrichtig bewundernde Gatte ihr Beifall: „Wasser tut’s freilich nicht und das Blut ist viel dicker als Wiasser, wie mein tapferer Vater an Lavater schrieb, als der überfromme Schwärmer ihm öffentlich aufforderte, zum Christentum überzutreten. Wie häufig wurde mein Vater angedichtet wie in jenen Versen: An Gott den Vater glaubt ihr schon. So glaubt doch auch an seinen Sohn. Ihr pflegt doch sonst bei Vaters Leben Dem Sohne gern Kredit zu geben. Und wie schlagfertig war seine Antwort: Wie könnten wir Kredit ihm geben? Der Vater wird ja ewig leben. „We — wenn man jahrelang an dir herumtaufen würde,“ sprach er einst stotternd in seiner ironischen Art zu einem Freund, der zum Christentum übertreten wollte, „du — du — bliebst doch immer der Löb Baruck aus De — Dessau“. Fanny Minikes Leopold Bogopolsky VERLOBTE JANUAR 1918 SCHEBAT 5678 AÜNCHEN 30?

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