Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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^■&.3&'XM***ir*--*** 'am**f**. p-L ,»*;**«* -V*W*»-— 22 Das Jüdische Echo Nr. 3 gebieten ruht die Verwaltung in der Hand der Armee und muß nach strategischen Gesichtspunkten geführt werden. Wir haben jedoch den unerschütterlichen Glauben, daß ganz Palästina, auch die heute durch die Engländer besetzten Teile, indes unserer Oberhoheit verbleiben werden. Von der Notwendigkeit, die tiikrische Oberhoheit auf diesem Gebiet zu erhalten, wird man sich während der Friedensunterhandlungen überzeugen. Selbst der Papst würde eines Tages zur Einsicht kommen, daß auch vom Standpunkt der christlichen Interessen die Souveränität einer neutralen, andersgläubigen Macht das wünschenswerteste ist. Die Reibungen unter den christlichen Sekten würden sonst zu den größten UnzuträgWchkeiten führen. Sobald aber Jerusalem wieder uns gehören wird, dann werden wir auch die Frage der jüdischen Bevölkerung im ganzen türkischen Reiche in einer Weise regeln, die sicherlich allen ihren Wünschen entsprechen wird.“ Die „Vaterlandspartei“. Über eine Versammlung der „Vaterlandspartei“ in Berlin schreibt das „Berliner Tageblatt“: Der Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten in Berlin sendet uns „unter Bezugnahme auf die vielfachen unrichtigen Darstellungen, die über den Verlauf der Berliner Versammlung der Deutschen Vaterlandspartei in der Presse umlaufen“, mit der Bitte um Aufnahme folgende Erklärung: „Durch den Generalsekretär der Deutschen Vaterlandspartei, Herrn Axel Ripke, waren Mitglieder des parteipolitisch neutralen Bundes der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer zu der am Montag stattgehabten Versammlung der Vaterlandspartei im Lehrervereinshauisi eingeladen worden, und zwar unter ausdrücklicher Zusicherung der Redefreiheit. Den Erschienenen dagegen ist das Wort unter Berufung auf polizeiliche Bestimmungen verweigert worden. Die Unruhe auf der Versammlung entstand, als der erste Referent der Vaterlandspartei, Abgeordneter Fuhrmann, die anwesenden Kriegsbeschädigten als Deserteure verdächtigte, „die Hindenburgs und Ludendorffs Fahnen verlassen hätten, um ihren kämpfenden Kameraden an der, Front in den Rücken zu fallen.“ Als ein Vertreter unseres Bundes gegen diese ungeheuerliche Herabsetzung protestierte, wurde er unter körperlichen Mißhandlungen aus dem Saal entfernt. Weitere Ünruhen setzten ein, als Kriegsbeschädigte, die durchaus parlamentarische Zwischenrufe taten, in roher Weise und ohne Rücksicht auf ihre im Dienst des Vaterlandes erlittenen Verletzungen mit Stöcken geschlagen und gestoßen wurden. Diese Mißachtung der verwundeten ehemaligen Krieger führte dazu, daß nicht nur die Mitglieder unseres Bundes, sondern auch zahlreiche andere, unserem Bunde nicht angehörige Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte den Saal verließen. Uns haben selbst der Vaterlandspartei angehörige Kriegsbeschädigte ihre Empörung über die Mißhandlung ihrer zu Gaste geladenen Kriegs- und Leidenskameraden ausgesprochen. Wir protestiren vor der Öffentlichkeit gegen die rohe Mißhandlung Kriegsbeschädigter durch Anhänger einer Partei, die sich „Vaterlandspartei“ nennt. Hochachtungsvoll Bund der Kriegsbeschädigten und ehemaligen Kriegsteilnehmer. I. A.: Kuttner.“ Von einem Teilnehmer der Versammlung wird uns noch geschrieben: „Das Verhalten der Vaterlandspartei hatte auch einen ausgesprochen antisemitischen Anstrich. Nicht nur wurde ein derartiges Zirkular mit einer aufdringlichen Reklame für ein alldeutsches Organ verteilt, sondern auch der stellvertretende Vorsitzende des Abends, der Generalsekretär Kiinzel, erging sich in antisemitischen Ausfällen wie: „Auch die Juden sollen sich hier anständig verhalten usw.“ Er war es, der den Polizeioffizier aufforderte, die Kriegsbeschädigten aus dem Saale hinauisizuweisen.“ Opferwilligkeit der russischen Juden für das Palästinawerk. Die jüdische Gemeinde in Odessa bat den Beschluß gefaßt, eine Million Rubel zu sammeln für die Gründung einer jüdischen Kolonie in Palästina auf genossenschaftlicher Grundlage. Marquis Landsdown, der seinerzeit, als die britische Regierung das Gebiet von Uganda der Zionistischen Organisation zur Errichtung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens ar.bot. britischer Außenminister war, hat an Israel Zangwill ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, daß seine Sympathie mit der jüdischen Sache nicht geringer geworden sei, und daß er mit der freundschaftlichen Haltung der britischen Regierung gegenüber den jüdischen Forderungen übereinstimme. In ähnlichem Sinne äußerte sich auch der frühere Außenminister Viscount Edward Grey. Jüdische Bergarbeiter in Polen. Die jüdische Presse von Warschau berichtet, daß im Kohlenrevier von Dombrowa etwa 100 Juden als Bergarbeiter eingestellt worden sind. Das dürften wohl die ersten Juden sein, die als Bergarbeiter in Polen beschäftigt werden. Die Juden im polnischen Staatsrat. Über die Zahl der künftigen jüdischen Staatsratsmitglieder ist es, wie der „Glos“ meldet, zwischen den Aktivisten zu einer Verständigung gekommen, wonach, sofern der zukünftige Staatsirat 100 Mitglieder zählen werde, fünf Stellen im Staatsrat mit Juden, darunter einem aus dem Lager der Nichtassimilatoren, besetzt werden sollen. Wer die Haltung der Assimilatoren kennt, kann aus dieser Nachricht ersehen, daß die jüdischen Interessen im künftigen Staatsrat durch ein einziges Mitglied vertreten werden sollen. Borochow gestorben. Man schreibt uns: Aus Rußland trifft die Nachricht ein, daß Berl Borochow, der junge, kraftvolle, poalezionistische Führer, im Alter von 36 Jahren plötzlich gestorben ist. Noch steht seine starke Persönlichkeit vor aller Augen, seine Reise nach Rußland, seine warme Aufnahme seitens der jüdischen Arbeiter und der tiefe Eindruck, den sein Auftreten auf dem Kongreß der Nationalitäten in Kiew hinterlassen hat. Seine reiche Wirksamkeit auf dem Gebiet der theoretischen Begründung des jüdischen Sozialismus, sowie auf dem Gebiet der jüdischen Philologie hat noch Großes zu geben versprochen. Borochow war der Gründer und der Theoretiker des jüdischen Sozialismus, ein Führer der jüdischen sozialistischen Partei „Poale Zion“, der Verfasser von „Nascha Platforma“ (Unsere Plattform). Seine ganze Tätigkeit in den letzten Jahren war ein Kampf für die jüdischen Interessen. Aus einer kleinen Gruppe von Idealisten, die in Ekaterinoslaw zusammentraten, schuf er durch mühevolle und hingebende Arbeit den großen aliwelthchen sozialistischen Verband Pbale-Zion.