Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Das Jüdische Echo Nr. 2 „W;ie soll man die Bibel lesen?“, „Einrichtung von hebräischen Kursen und Selbstunterricht“, „Einrichtung von Palästinakursen“, „Die Jahresarbeit von Jugend- oder Mädchenvereinen“, „Wie veranstaltet man musikalische oder Dichterabende?“, „Wie verfertige ich jüdische Spiele?“ usw. Den vielen, die den Willen zum Judentum ohne das Wissen vom Judentum besitzen, wird mit diesen Merkblättern sicherlich gedient sein. Geplant sind ferner: eine iiidisch-wissenschaftliche P u b 1 i k a t i o n s - G e s e Ilse h a f t, sowie die Herausgabe einer Jugendschrift, die vom April ab erscheinen wird. Sehr interessant sind die Vorbereitungen zur Schaffung einer jüdischen Fakultät an den größeren Universitäten. Besondere Sorgfalt hat der Kulturausschuß auf die Versorgung von Gefangenenlagern in Deutschland und Frankreich mit jüdischer Literatur gelegt. Seine Leistungen auf diesem Gebiet wurden von der Berner Vermittlungtstelle dankbar anerkannt. In Aussicht genommen ist ferner die Schaffung eines jüdischen Schulvereins und die eines jüdischen Kulturarchivs. Alle diese Arbeiten sollen im Laufe des Jahres begonnen bezw. fortgesetzt werden. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland wird sich außerdem in Zukunft mit besonderer Sorgfalt der Jugendvereine annehmen, über deren Ausgestaltung und Arbeit eingehende Diskussionen stattfinden. Das Kulturprogramm dieser zionistischen Tagung dürfte mit besonderer Deutlichkeit zeigen wie sehr sich die ganze jungjüdische Bewegung vertieft hat. Der Jüdische Nationalfonds. Vom Jüdischen Nationalfonds kann mit vollem Recht gesagt werden, daß er die populärste Institution im jüdischen Volke ist. Die warme Anteilnahme der breiten jüdischen Massen an diesem Volksschatz seit dessen Entstehung beweist, daß er einen tiefen und gesunden Gedanken verkörpert, der Millionen von Juden teuer ist. Es ist dies der Gedanke des Erwerbes von Land in Palästina als unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes. Das jüdische Volk ist landhungrig. Die Idee der Rückkehr nach Zion in das Land der Väter, damit cs die Heimat künftiger Geschlechter werde, hat ihren Ursprung in der Sehnsucht nach dem Erdgeruch, nach der sicheren Verwurzelung im festen Grunde. Ohne Land gibt es kein Vaterland. Der JNF hat die Herzen der jüdischen Massen im Sturm gewonnen, weil er der Grundstein eines jüdischen Palästinas ist. In gleichem Maße entspricht der zweite Grundgedanke des JNF — Grund und Boden als ewiges Volkseigentum — einem tiefen Wunsche unseres Volkes. Nicht jedes Stück Land, das Juden gehört, ist als jüdisches Land anzusprechen. Es existieren viele jüdische Grundbesitzer und nicht gerade kleine, in den verschiedenen Ländern, auch in sehr zurückgebliebenen Gebieten des Galuth, wie Galizien oder Rumänien. Ein zehnter Teil des galizischen Bodens ist Privateigentum von Juden. Das jüdische Volk als solches besitzt aber dennoch keinen Zoll Erde als sein Eigen. Der Landreichtum einzelner Juden hebt die Landarmut, die Landlosigkeit des jüdischen Volkes nicht auf. Der JNF will nun das jüdische Volk zum Eigentümer von Erez-Israel machen. Er stellt zumindest den Teil von Palästina, der sein Eigentum wird, unter den souveränen Willen der Nation. Nicht das Interesse Einzelner, sondern die Lebensbedürfnisse der Gesamtheit sollen für die Landespolitik des JNF bestimmend sein. Im JNF-Prinzip begegnen sich erhabene Träume und Ideen von einst mit modernen Gedanken der Landnationalisierung. Das Grundprinzip des JNF. seinen Boden nicht zu verkaufen, sondern ihn zur Bearbeitung in der Form der Dauer- oder Erbpacht zu vergeben, bildet für einen Teil des jüdischen Volkes die Erfüllung der Gebote der Bibel: „Ihr sollt das Land nicht verkaufen ewiglich, denn mein ist das Land, Ihr seid nur Landsassen und Ansiedler bei mir“. Der eigentliche Begründer des JNF, Theodor Herzl, erblickte im nationalen Bodeneigentum das sicherste Mittel, damit die jüdische Neubesiedlung Palästinas zur Einrichtung nicht nur einer neuen, sondern auch einer gerechteren Gesellschaft führe. Es ist hier nicht der Ort, die geschichtlichen und sozialen Triebkräfte der Bewegung für Volkseigentum an Grund und Boden darzulegen; es sei nur daran erinnert, daß dieser Gedanke der Grundpfeiler der russischen Revolution ist und vor Kriegsausbruch auch das wichtigste Problem der englischen Politik gebildet hat. Lloyd George stand an der Spitze der Bewegung für eine radikale Landreform.1) Der JNF erfüllt eine Aufgabe, die in Ländern planmäßiger Kolonisation vom Staate durchgeführt wird. Dort überlassen die Regierungen den Immigranten Boden zumeist ohne Entgelt. Auch in Palästina müssen wir den eingewanderten Massen, die keine oder nur ungenügende Mittel besitzen, den Zugang zum Boden ermöglichen. Der JNF kommt jenen Schichten zu Hilfe, die kein Ka- 0 Mit dieser Frage beschäftigt sich im einzelnen eine neue, vom Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds, Den Haag, in mehreren Sprachen herausgegebene Broschüre, enthaltend eine Abhandlung von Prof. Dr. Oppenheimer „Gemeineigentum an Grund und Boden“ und eine Abhandlung „Die praktischen Vorteile der Erbpacht“ von Ing. Agr. J. Oettinger. Deut*che Zeitschrift für Ordnung und Recht. Kar, c^Ä^ono,,,, ICHKEIT”! Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich s«gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu nehmen wie sie sind, den Sinn für das geachichtlch Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. ■ ,'e Iw i,r^! ^at sic^ in der politisch interessierten Welt beute schon einen sicheren Markt geschaffen “n.d's f“r Jede,n Staatsbürger, der die Kenntnis des politigeworde b0n* 3 8 unerlässlioh begriffen hat, unentbehrlich Das Einzelheft kostet 50 Pf,, der Bezugspreis des Vierteliahrp« hprröp, m e Man verlange kostenlos Probeheft beim Verla,, München, FHedrichitr 2 estellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnie München 1216a), der Buchhandel und der Verlag.