Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2 Das Jüdische Echo 11 „Was die Frage der freien Einwanderung anlangt, so sind meine eben abgegebenen Erklärungen ja schon die Antwort darauf. Es versteht sich von selbst, daß jede Einwanderung sich in den natürlichen Grenzen der derzeitigen Aufnahmefähigkeit des Landes halten muß, und es wäre unmöglich, wenn etwa mit einem Male Hunderttausende nach Palästina einwandern wollten. Diese könnte das Land ja heute gar nicht ernähren. In ihrer wirtschaftlichen Entwicklungsfreiheit haben wir die Juden in Palästina niemals beschränkt. Im Gegenteil wir wissen das, was in Palästina von den Juden auf wirtschaftlichem Gebiete geleistet worden ist, sehr wohl zu schätzen.“ „Es käme weiter in Betracht die Frage der freien Betätigung der Juden auf geistigem und kulturellem Gebiete.“ „In dieser Beziehung haben sich die Juden schon bisher nie über uns zu beklagen gehabt. Sie haben in den Städten sowohl wie in den Kolonien ihre eigenen Kindergärten und Schulen gehabt, und sogar in der Begründung eigener höherer Schulen haben wir ihnen niemals Schwierigkeiten gemacht. Ich glaube, daß die Juden in keinem anderen Lande sich auf diesem Gebiete so frei bewegen konnten wie bei uns. Sie haben in allen ihren Schulen völlige Freiheit genossen, in ihrer hebräischen Sprache zu unterrichten und sich dieser Sprache auch sonst zu bedienen, wo sie nur wollten. Ebenso ist ihnen niemals in der Verbreitung ihrer Zeitungen und ihrer Literatur ein Hindernis in den Weg gelegt worden. Und was die freie Ausübung ihrer Religion anbelangt, so werden die Juden, wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft, niemals belästigt werden, was übrigens bei unserer bekannten Toleranz gegenüber allen nicht muselmanischen Bekenntnissen selbstverständlich ist.“ „Glauben Eure Hoheit schließlich, daß es möglich sein wird, den Juden in Palästina eine gewisse Selbständigkeit in der örtlichen Verwaltung zu geben?“ „Da muß ich zunächst wiederholen, was ich schon vorher sagte; nämlich, daß es unmöglich ist, den Juden irgendwelche Vorrechte zu geben. Sie können nur dieselben Rechte genießen wie alle unsere anderen Statsbiirger. Aber wir haben ja bereits in unserer jetzigen Gesetzgebung ein ziemlich weitgehendes Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, und in einem neuen Gesetzentwurf, den wir eben jetzt im Parlament vorlegen, beabsichtigen wir, hierin noch weiter zu gehen. Die örtlichen Gemeinden und Vilaiets (Provinzen) sollen noch mehr Selbständigkeit erhalten als sie bisher schon haben. In diesem Rahmen werden meines Erachtens auch alle berechtigten Wünsche der Juden in Palästina ihre Erfüllung finden können.“ „Würde die türkische Regierung bereit sein, die Selbstverwaltungsrechte der Juden in Palästina durch eine entpsrechende Einteilung der Verwaltungsbezirke zu fördern?“ „Nach dem neuen Gesetz werden alle Gemeinden von 5000 Einwohnern und darüber das Recht der Selbstverwaltung haben, und auch die kleineren jüdischen Gemeinden können stets auf das Wohlwollen der ottomanischen Regierung rechnen. Im allgemeinen kann ich Ihnen die Versicherung geben, daß unsere Regierung den Juden wohlgeneigt ist, und daß sie bereit ist, alle sie betreffenden Fragen mit ihrem stets bewährten Wohlwollen zu behandeln. Ich ermächtige Sie gern, wenn Sie glauben, daß meine Erklärungen zur Beruhigung der öffentlichen Meinung beitragen können, sie in Ihrer Zeitung zu veröffentlichen.“ Der Großwesir fügte noch einige freundliche persönliche Worte bei und ich verabschiedete mich, indem ich meinen Dank aussprach und die Hoffnung, daß die Erklärungen, die ich erhalten hatte, ihren Zweck erfüllen würden. (Entnommen a. d. „Jüd. Rundschau“.) Zionistische Kulturarbeit. Weiterer Bericht über die Sitzung des zionistischen Zentralkomitees am 23. und 24. Dezember in Berlin. Wie aus unserem Bericht in Nr. 1 hervorgeht, war der erste Sitzungstag fast ausschließlich der Erörterung der zionistischen Politik gewidmet. Es ist von höchster Bedeutung, für die Entwicklung, die der Zionismus besonders in den letzten Jahren genommen hat, daß man auch in einem Augenblick, in dem die politische Arbeit im Brennpunkt des Interesses steht, den kulturellen und erzieherischen jüdischen Aufgaben eine solche Wichtigkeit beimaß, daß beinahe der gesamte zweite Verhandlungstag der Beratung dieser Arbeiten galt. Eines der wichtigsten Ergebnisse des vorjährigen Delegiertentages war die Schaffung eines Ausschusses zur Vorbereitung und Erfüllung jüdisch-kultureller Aufgaben. Über die Tätigkeit dieses Ausschuses hielt Herr Schocken diesesmal ein ausführliches Referat. In erster Linie hat sich der Ausschuß um die Verbreitung hebräischer Sprachkenntn i s s e bemüht. Er hat zwölf Lehrbriefe vorbereitet, die aus vorbildlichen Stücken der hebräischen Literatur bestehen und sowohl durch ihre Auswahl wie durch eine Besonderheit des Druckes (der Stamm unterscheidet sich im Druck von den Präfixen und Suffixen) geeignet zum Selbstunterricht sind. Eine Bibelausgabe in der gleichen Anordnung ist geplant. Um dem empfindlichen Mangel an guter jüdischer Jugendliteratur abzuhelfen, wurden Autoren zum Schreiben von Jugenderzählungen veranlaßt. Bis zum Herbst hofft der Ausschuß fünf Jugendbücher herausgeben zu können. Zu einem Werke von großer Bedeutung dürfte der in Vorbereitung befindliche literarische Ratgeber werden, der eine systematische Einführung in die jüdische Literatur ermöglichen wird. Als ein sehr dankbares Unternehmen erscheinen ferner die Merkblätter, die der Kulturausschuß im Laufe des Jahres herausgeben wird. Sie befassen sich mit Stoffen wie den folgenden: 1 tKgf. ‘Bayer. Porzellan* 1 ‘Manufaktur ‘Kympkenburg {Hauptniederlage HTlünchen: ödeonsplai) 1 oj {Kunst u. ßuxusgegensiände, cCafef-, ‘Dessert’, 3 {Kaffee* u. ‘Ceegescßirre, ‘Figuren, Gruppen etc. Bnacfi aßen cRympßenburger Original* ‘TKodeüen. fö {Außerdem neue ‘Formen und FRcdetle nach Snt* jo A würfen erster ‘ITlüncßner {Künstler. &. SX3 <5^3 SXB SS SS Gtt* gxcs 6y& >3