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Das jüdische Echo · 1918-01-11 · 2 (11.1.1918) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 Das Jüdische Echo Nr. 2 Das Gespräch mit dem Großwesir, der mich in seinem Arbeitszimmer in der Hohen Pforte in Gegenwart des Scheich ul Islam auf das liebenswürdigste empfing, verlief im einzelnen folgendermaßen: „Eure Hoheit waren so liebenswürdig, mir auf Empfehlung des Grafen Bernstorff diese Unterredung zu gewähren und sind wahrscheinlich auch über den Zweck meines Besuches unterrichtet. Ich hatte die Absicht, mich auf Grund der freundlichen Einladung der ottomanischen Regierung nach Palästina zu begeben, um mich an Ort und Stelle über die Lage der Dinge zu unterrichten. Meine Reise ist nun leider durch die militärischen Ereignisse unmöglich geworden, und ich wäre sehr dankbar, wenn Eure Hoheit mir Ihre Ansicht darüber mitteilen wollen, welche Haltung die Kaiserliche Regierung in Zukunft gegenüber den jüdischen Bestrebungen in Palästina einnehmen wird.“ „Wir waren stets von den besten Gefühlen für unsere jüdischen Mitbürger beseelt, und die Juden unseres Reiches waren uns immer ebenso lieb wie unsere anderen Bürger. Die Türkei ist ja das einzige Land, das nie eine antisemitische Bewegung gekannt hat, wie Sie sie in allen anderen Ländern finden. Bei uns hat es nie judenfeindliche Regungen gegeben, die auf die Politik unseres Landes hätten Einfluß gewinnen können.“ „Das ist mir wohlbekannt, und es wäre eben gerade in der gegenwärtigen politischen Situation interessant, wenn die türkische Regierung erklären würde, daß sie die kolonisatorische Bewegung der Juden in Palästina wohlwollend betrachtet.“ „Diese Bewegung besitzt das Wohlwollen der Regierung bereits, denn sonst wäre ja die Entstehung und das Gedeihen der heute blühenden jüdischen Kolonien in Palästina bisher schon unmöglich gewesen. Freilich stehen wir auf dem Standpunkt, daß wir den Juden keine Vorrechte vor unseren anderen Bürgern einräumen können.“ „Euere Hoheit haben zweifellos den Brief Mister Balfours an Lord Rothschild gelesen, in dem der englische Minister im Namen seiner Regierung eine nationale Heimstätte in Palästina verspricht.“ Hier unterbrach mich der Großwesir und warf ein: „Mais c’est une blague!“ „Wohl möglich, Hoheit, aber dieser Brief hat dennoch einen großen Eindruck auf die öffentliche Meinung der ganzen Welt hervorgerufen.“ Königl. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Südd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier, Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 11. (237 ) Lotterie mit Ziehung I. Klassß am 8. u. 9. Januar 1918, 2. Klasse am 12. u. 13. Februar 1913, 3. Klasse am 12. u. 13. März 1918, 4. Klasse am 9. u 10. April 19i8, 5. Kiasse (Haupt- und Schlußziehungl beginnt am 7. Mai und endet am 3. Juni 1918. Lose in groDer ÄuswaM stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse: für V« lU lk Vi 5 1Ö 20 40 M. Bei den folgenden Klassen sind die Vorklassen stets nachzubezahlen. „Ich bin fest" überzeugt, daß hinter diesen Versprechungen nicht einmal ernste Absichten stecken. England schreibt an Lord Rothschild, wie es an den Scheriff Hussein geschrieben hat, und am Ende wird es nichts geben, weder Hussein, noch den Juden. Sein einziger Zweck ist, Sympathien zu gewinnen und die Juden der ganzen Welt für die Ziele der Entente einzufangen.“ „Darf ich Eure Hoheit darauf aufmerksam machen, daß in dem Brief Balfours kein Wort gegen die türkische Regierung enthalten ist? Ich habe Grund, anzunehmen, daß dieser auffällige Umstand auf den Einfluß der englischen Zionisten zurückzuführen ist, die also, obwohl gute Engländer, sich doch als Zionisten durchaus loyal gegenüber der ottomanischen Regierung verhalten.“ „Gewiß, das habe ich bemerkt, und ich habe es auch der Loyalität der Zionisten zugeschrieben. Übrigens ist es nur klug von den Zionisten, wenn sie sich nicht von der Entente ins Schlepptau nehmen lassen.“ „Wäre es nun nicht möglich, daß die Türkei den jüdischen Kolonisationsbestrebungen in Palästina in weiterem Umfange als bisher entgegenkäme? Bis jetzt haben doch gewisse administrative Beschränkungen bestanden, die sich vielfach der Ausbreitung der Kolonisation hinderlich erwiesen. Könnten diese nicht in Zukunft in Wegfall kommen?“ „Wenn die ottomanische Regierung bisher zu gewissen Einschränkungen gezwungen war, so hatte das seinen Grund darin, daß die Juden, die nach Palästina einwanderten und zum größten Teil aus Rußland kamen, infolge des Widerstandes ihrer Regierung notgedrungen ihre russische Staatsangehörigkeit beibehielten. Daraus ergab sich der ganze anormale und für uns natürlich sehr unerwünschte Zustand, daß ein großer Teil der Bevölkerung nicht ottomanische Staatsangehörige waren. Besonders lästig wurde dieser Zustand aber dadurch, daß unter der Herrschaft der Kapitulation und der Konsulatgerichtsbarkeit die fremden Untertanen der Rechtsprechung der türkischen Gerichte entzogen waren und sich bei jeder Gelegenheit hinter ihren Konsul verschanzten. Die Konsuln ihrerseits suchten diese Situation auszubeuten, um ihre Stellung zu stärken, und die Folge waren immer neue Konflikte zwischen ihrer Regierung und den türkischen Behörden. Es ist klar, daß solche Verhältnisse uns nicht befriedigen konnten, und daraus erklärt sich manche Maßnahme zur Beschränkung der jüdischen Kolonisation. Nachdem jetzt glücklicherweise die Türkei von dem Alp der Kapitulationen und damit auch der Konsulargerichtsbarkeit befreit ist, und wir also die Wiederholung dieser unangenehmen Vorkommnisse nicht mehr zu befürchten haben, wird es möglich sein, von diesen Beschränkungen abzusehen. Natürlich ist die Voraussetzung dafür immer, daß die Juden, die sich im Lande dauernd niederlassen wollen, ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben, um ottomanische Bürger zu werden und alle Pflichten zu erfüllen, die mit dieser Staatsangehörigkeit verknüpft sind.“ „Würden Eure Hoheit nun noch vielleicht die Liebenswürdigkeit haben, sich zu den wichtigsten Punkten, die die Zionisten für ihre Arbeit in Paläs ti na erstreben, im einzelnen zu äußern, vor allem zu der Frage der freien Einwanderung und der ungestörten wirtschaftlichen Entwicklung?“

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