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Das jüdische Echo · 1918-01-11 · 2 (11.1.1918) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
5 (1918)
Issue
2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertelj. M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 Pf. —Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, HfcüHll (inzeigen: Die viergcspaltcne f Nonpareille - Zeile oder deren Raum i 40 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— j rinzeigenannähme: Verlag des j „Jüdischen Echo“, München, Herzog I Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. J Postscheckkonto: München 3987.1 München / 5. Jahrgang 11. Januar 1918 Nummer 2 onuHnenea i Die deutsche Regierung und der Zionismus. Aus Berlin wird gemeldet: Der stellvertretende Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. von dem Bussche, hat die Herren Professor Dr. Warburg und Dr. Hantke vom „Zionistischen Aktionsausschuß“ sowie die Herren Professor Dr. Oppenheimer, Dr. Friedmann und Professor Dr. Sobernheim vom „Komitee für den Osten“ empfangen und ihnen folgendes erklärt: Wir würdigen die auf die Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen Minderheit in den Ländern, in denen sie ein stark entwickeltes Eigenleben haben, bringen ihnen volles Verständnis entgegen und sind zu einer wohlwollenden Unterstützung ihrer diesbezüglichen Bestrebungen bereit. Hinsichtlich der von der Judenheit, insbesondere von den Zionisten, verfolgten Bestrebungen in Palästina begrüßen wir daher die Erklärungen, die Großwesir Talaat Pascha kürzlich abgegeben hat, insbesondere die Absicht der kaiserlich ottomanischen Regierung, gemäß ihrer den Juden stets bewiesenen freundlichen Haltung die aufblühende jüdische Siedelung in Palästina durch die Gewährung freier Einwanderung und Niederlassung in den Grenzen der Aufnahmefähigkeit des Landes örtlicher Selbstverwaltung entsprechend den Landesgesetzen und freier Entwicklung ihrer kulturellen Eigenart zu fördern. Der türkische Außenminister über Palästina. Der türkische Minister des Äußeren, Ness i m i B e y, gewährte einem auswärtigen Pressevertreter eine Unterredung, in der er bemerkte: „Das letzte Wort über Jerusalem ist noch nicht gesprochen. Die militärischen Operationen der Zentralmächte an der mesopotamischen und Palästinafront entwickeln sich nunmehr günstig. Von türkischer Seite ist mit allen Mitteln versucht worden, eine Beschießung von Jerusalem zu vermeiden und Jerusalem außerhalb der Kriegszone zu halten. Die heiligen Orte halten die Türken in großer Verehrung. Nicht eine geheiligte Stätte ist während der türkischen Verwaltung berührt oder entweiht worden. Die in der welsch-schweizerischien Presse verbreiteten Gerüchte über eine Schändung des heiligen Grabes sind nichts als infame Lügen. Über die Judenfrage in Palästina erklärte der Minister: Die Türkei, für Jahrhunderte der Zufluchtsort der unterdrückten Juden, hat ihre traditionelle, freundschaftliche Haltung gegenüber den Juden nicht verändert. Die Juden in der Türkei haben sich immer als loyale und fleißige osmanische Untertanen bewährt, und wir begrüßen eine Einwanderung von Juden mit ähnlichen sympathischen Gefühlen gegenüber der Türkei. Wir sichern ihnen alle bürgerlichen Rechte zu.“ Die Türkei und der Zionismus. Erklärungen des Großwesirs Talaat Pascha. Dr. Julius Becker, der sich auf Einladung der türkischen Regierung nach der Türkei begeben hat, um als Mitglied einer jüdischen Kommission nach Palästina zu reisen, wurde von Seiner Hoheit dem Großwesir Talaat Pascha in besonderer Audienz empfangen und berichtet hierüber in der Abendausgabe der „Vossischen Zeitung“ vom 31. Dezember folgendes: Konstantinopel, im Dez. 1917. Bei der Neuordnung Europas, ja der ganzen Welt nach dem Kriege verlangt naturgemäß auch ein Problem seine Erledigung, bei dessen Erörterung man sich früher gern mit einigen Redensarten aus der Verlegenheit geholfen hat, das jüsche Problem. Auch in der deutschen Presse hat die Behandlung der zionistischen Bestrebungen in Palästina in letzter Zeit breiten Raum gewonnen, und es wurde besonders die Frage aufgeworfen, wie sich die türkische Regierung eigentlich zu diesen Bestrebungen verhalte. Ich hielt es deshalb für angezeigt, mich bei der kompetentesten Stelle, dem Leiter der türkischen Regierung selbst, über die Stellung der Kaiserlich ottomanischen Regierung zu dieser Frage zu erkundigen. Durch die liebenswürdige Vermittlung unseres hiesigen Botschafters, des Grafen Bernstorffs, der ja aus seiner langjährigen amerikanischen Tätigkeit her einen großen Teil des jüdischen Problems aus eigenster Anschauung kennt, wurde es mir möglich, Seine Hoheit den Großwesir Talaat Pascha über die für die jüdischen Palästinabestrebungen wichtigsten Punkte zu befragen. Den wesentlichen Teil dieser Unterredung gebe'ich hier wieder, und ich darf darauf hinweisen, daß die türkische Regierung während des Krieges hier zum ersten Male sich zu den gerade jetzt so aktuell gewordenen zionistischen Zielen äußert. Aus dliesem Grundel dürfen die Erklärungen Talaat Paschas jetzt nach dem Briefe Balfours und der zionistenfreundlichen Äußerung des Grafen Czernin, die er jüngst dem Berliner Zionistenführer Dr. Hantke gegenüber getan hat, besonderem Interesse begegnen.

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