Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 Das Jüdische Echo Nr. 1 Entfaltung versprechen sollte, müßte sie in Polen von den Polen autonom gelöst werden. Das rumänische Beispiel lehrte, daß die Aufoktroyierung durch einen Weltkongreß den gewünschten Erfolg nicht haben kann. Sobald der Staatsrat gegründet war, richteten die Teile der polnischen Judenheit, die am ehesten unsere Orientierung verstanden, die konservativen Kreise, eine Huldigungsadresse an den Staatsrat und erhielten die (vorher stipulierte) Antwort, welche den Juden volle Gleichberechtigung versprach und Erhaltung ihrer Eigenart quo ad religionem. Auch die Assimilatoren sandten eine Adresse und erhielten eine zwar nicht so warme, aber doch verheißungsvolle Antwort. Es war auch die Absicht der leitenden Kreise in Polen die antisemitischen Auswüchse in allmählicher Taktik zu bekämpfen. Allein als die nationalistischen und zionistischen Leader im Stadtrat eine aggressive Redepolitik zu treiben begannen, wurde das Schlagwort eines Judaeo-Polonia geprägt und auch dem ernstesten Willen polnischer Führer war und ist es schwer, gegenüber diesen Stimmen Ruhe zu bewahren. Die Polen betrachteten das Streben, aus Polen einen Nationalitätenstaat zu machen, als eine Störung ihres Nationaltraumes und würden es den Juden nie verzeihen, wenn tatsächlich ihnen von irgend einer Seite eine nationalistische Lösung aufgezwungm würde. Angesichts dieser Situation konnte die deutsche Regierung, wenn sie sich nicht dem Vorwurf der Perfidie aussetzen wollte, unmöglich Maßnahmen im jüdisch-nationalistischen oder zionistischen Sinne treffen. Sie mußte vielmehr sich darauf beschränken. für die Juden diejenige Behandlung zu erreichen, welche in Westeuropa üblich ist und mußte es einer späteren okkupationsfreien Zeit überlassen, ob sich Juden und Polen im nationairgelinderten Sinn auseinandersetzen. Die deutsche Verwaltung hielt es außerdem für unverantwortlich, diese wirtschaftlich deklassierte, moralisch noch nicht ertüchtigte jüdische Masse dem Haß, der wirtschaftlichen Vertilgung durch ihre Schuld auszusetzen. Wenn überhaupt je der nationalistische Streit ausgefochten wird, so muß es doch ceteris paribus geschehen, bei gleicher politischer Reife, bei möglichst ausgeglichenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die Zentralmächte haben außerdem den Wunsch, die polnische Frage soweit während der Okkupation zu lösen, daß sie nächstens als Ganzes, nicht aber in allen Einzelheiten Gegenstand des Weltfriedenskongresses ist. Das Streben der Nationalitäten, durch die Judenfrage die polnische Frage auf dem Friedenskongresse aufzurollen, war umsomehr Veranlassung, eine Lösung der Judenfrage jetzt schon in die Wiege zu leiten- Das konnte aber, wie bereits erwähnt, nur im Zusammenhang mit den Polen geschehen. Wir gaben deshalb den Juden in der Verordnung vom 1. November 1916 die Basis einer jüdischen Organisation, machten die Judenheit zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes, gaben ihr eine aus allgemeinen Wahlen hervorgehende oberste Verwaltung gegenüber dem Staate, begabten das Ganze und seine Glieder mit ausgedehntem Steuerrecht und wiesen der Organisation in all ihren Teilen soziale und kulturelle Aufgaben zu. Nachdem wir aber aus dem Munde der Polen die Zusicherung der vollen Gleichberechtigung des Individuums hatten, gaben wir dem Gesamtjudentum in der Verordnung alle Möglichkeit, sich auch kollektiv zu erhalten und durchzusetzen. Nichtsdestoweniger wurde auch diese Verordnung von den Nationalisten stark bekämpft, und zwar weil wir das Judentum als Religionsgesellschaft ansprachen. Leider waren die lautesten, unreifen Schreier in diesem Kampf... Deutsche, deutsche Zionisten. Ernste Kreise auch im zionistischen Lager erkannten übrigens den gewaltigen Wert der Verordnung an. Nichtsdestoweniger war im neutralen Ausland, insbesondere im jetzt feindlichen Amerika, die deutsche Verwaltung so hingestellt. als ob siie gar nichts für die Juden täte. Sie gab außerdem den Juden volle Versammlungs- und Vereinsfreiheit. Die Zensur ist sehr milde, viel milder als bei uns in Deutschland. Kurz, die deutsche Verwaltung leistete für die Juden alles, was im Rahmen einer Okkupationsbehörde möglich ist, die nicht nur den Augenblick betrachtet, sondern dem Lande, welches sie besiegt hat, auch für die Zeit nach der Okkupation eine gedeihliche Entwicklung gewährleistet. Sie darf außerdem nicht unberücksichtigt lassen, daß ein großer Teil der polnischen Juden die nationalen Aspirationen perhorresziert. Was die deutsche Verwaltung für die Juden leistet, geschieht ohne irgend einen Anspruch auf politische Gegenleistung. /o\ Er öf f nun gsr ede des Dr. Hrtur Hantke, Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, auf der Plenarsitzung des Zionistischen Zentralkomitees in Berlin am 23. Dezember 1917. In schicksalsreicher Zeit haben wir Sie zusammengerufen, um gemeinsam über die Lage des Zionismus in Deutschland zu beraten und unsere Haltung gegenüber der Gesamtorganisation und auch) gegenüber dem deutschen Judentum festzustellen. Palästina, drei Kriegsjahre hindurch von den Wirkungen des Krieges unmittelbar nicht betroffen, ist zum Kriegsgebiet geworden. Jerusalem, für die ganze Welt das Symbol des historischen Palästina, hat den Besitzer gewechselt. Beide Mächtegruppen erheben Anspruch auf den zukünftigen Besitz des Landes. In diesem historischen Moment, in dem seit Jahrhunderten wieder einmal die uralte Heimat des jüdischen Volkes Gegenstand völkerrechtlicher Traktate werden soll, ist es das gute Recht und die heilige Pflicht der zionistischen Organisation, als der Vertreterin der nationalen und palästinensischen Tendenzen im Judentum, frei vor aller Welt die unauflösliche Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Paläs!th%a, den unvbrj ährbaren Anspruch unseres Stammes auf freie und ungehinderte kulturelle und wirtschaftliche Betätigung in der Heimat der Ahnen und unseren unauslöschlichen Willen zu betonen, in Palästina von neuem einen Mittelpunkt jüdischen Liebens zu schaffen. Was wir wollen ist die Verwirklichung eines Gebotes der Humanität und der Gerechtigkeit. Ruhelos irrt das jüdische Volk seit Jahrhunderten über die Erde. Stets lebte es in Gedanken an seine Heimat, an das Land, in dem es seine Großtaten I* & m tr; a Cts!E kt Kit: K: ii r. ». Kc>