Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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'*4 2 Das Jüdische Echo Nr. 1 Ansehen der bayerischen Judenheit in keiner Weise dienen, wenn 99 Prozent der bayerischen Steuerzahler sich bei Entrichtung ihrer kirchlichen Umlagen durch Angliederung an die Staatssteuer den in unseren modernen Steuergesetzen nach finanziellen, sozialen und bevölkerungspolitischen Gesichtspunkten festgelegten Maßstäben und Normen unterwerfen, während das restliche eine Prozent, das die jüdischen Steuerzahler umfaßt, noch nach chaotischen, jeder Progression und jedweder Differenzierung zwischen fundierten und gesicherten Einkommen entbehrenden veralteten Grundsätzen seine Kultusumlagen erhebt. Es ist schlechterdings unmöglich, einen gerechteren Besteuerungsmaßstab ausfindig zu machen, als die Verteilung der Lasten gemäß der Staatssteuer und die parteipolitisch meistens liberal orientierten Führer unserer Großgemeinden können sich im Zeichen 'der gewaltigen und einschneidenden Steuerreformen, mit welchen derzeit die Gesetzgebung in unserem weiteren und engeren Vaterlande befaßt ist, keinen Tag länger der Pflicht entziehen, in ihren eigenen Gemeinden Wandel zu schaffen und die Abbürdungen der kirchlichen Lasten in Angleichung an die auf moderner Sozial- . und Steuerpolitik aufgebaute einschlägige Staatssteuerreform in Zukunft vorzunehmen. Die Revision muß bald kommen, wenn sie nicht zu spätkommen soll, wenn unsere notleidenden Landgemeinden vom Untergange gerettet, wenn eine moderne Kirchenumlageerhebung unseren Kultusgemeinden Bewegungs- und Entwicklungsfreiheit auf sozialem und philanthropischem Gebiete sichern und wenn neuen schweren Kämpfen religiös - dogmatischen Charakters, wie sie andernfalls nach Beendigung des Burgfriedens in den Großgemeinden zweifelsohne wieder entbrennen werden, vorgebeugt werden soll. Im Hinblick auf die früheren Erklärungen des Leiters des bayerischen Kultusministeriums darf daher der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, daß bei der bevorstehenden Beratung des Kultusetats im Landtag die Zusage erneuert werde, den im Herbst 1919 zusammentretenden Kammern den Entwurf einer neuen israelitischen K.-G.-O. bestimmt vorzulegen. Ein deutscher Rabbiner. Rabbiner Dr. Pinchas Kohn aus Ansbach, der angeblich im Aufträge der jüdischen Orthdoxie Deutschlands die Juden Polens über Religion und Politik belehrt, machte kürzlich einen politischen Ausflug nach Skandinavien. Für die Zwecke der Aufklärung der großen -Öffentlichkeit über die jüdische Frage in Polen verfaßte er ein Elaborat, das uns das Jüdische Preßbureau in Stockholm zusendet. Wir betrachten das Schriftwerk als für die Persönlichkeit des Herrn Rabbiner Dr. Kohn und für seine Politik so bezeichnend, daß wir die unverkürzte Veröffentlichung dieses Schriftstücks für notwendig halten. Wir haben wiederholt auf das bedenkliche Treiben der zur Rettung der polnischen Juden nach dem besetzten Gebiet verschriebenen deutschen Rabbiner hingewiesen. Die neuen Auslassungen des Dr. Kohn beweisen deutlicher als alle früheren, daß er bei seiner Tätigkeit keineswegs nur oder in erster Linie die jüdischen Interessen vertritt — obwohl man dies von einem Rabbiner erwarten sollte. Am allermerkwürdigsten muß es erscheinen, daß Dr. Kohn sich offenbar den polnischen Antisemitismus, der selbst vornehmen Polen als eine Schande erscheint, zu eigen gemacht hat; nennt er doch z. B., mit echt polnischer Terminologie, die litauischen Juden ein „zersetzendes Element“. Nur aus dieser antijüdischen und propolnischen Stimmung heraus ist es wohl zu verstehen, daß Dr. Kohn die jetzige wirtschaftliche Depression in Polen aus der Evakuierung so vieler Juden durch die Russen erklärt — was offenbar ein Versuch ist, die wirklichen Ursachen dieser Depression zu verschleiern. Sind doch von der Evakulation nicht mehr als etwa 50 000 Juden betroffen worden, während — dank dem wirtschaftlichen Boykott der Polen — etwa P/s Million Juden am Verhungern und zum Teil bereits verhungert sind. Bemerkenswert ist das Geständnis über die geringe Bedeutung der Assimilatoren. Daß die konservative Masse durch Dr. Kohn politisiert worden ist, ist natürlich eine lächerliche Übertreibung. Nur ganz kleine Kreise in Warschau und einigen in der Nähe gelegenen Städten sind überhaupt von Dr. Kohn erreicht worden. Wahrscheinlich stützt sich Dr. Kohn in diesem Urteil auf seine Zeitung „Das jüdische Wort“. Diese Zeitung hat die Juden wohl untereinander verhetzt und die jüdischfen Differenzen vergrößert, jede Nummer ergibt aber, daß die Zeitung keinen politisierenden Einfluß auf die Masse ausgeübt haben kann. Daß übrigens der Herausgeber des „Jiid. Wortes“, das sich erst kürzlich nicht entblödete, die Führer der nationalistischen Parteien mit ehrenrührigen Verleumdungen zu bedenken, anderen jüdischen Zeitungen einen Revolverton vorwirft, entbehrt nicht der Komik. Wertvoll ist das Geständnis, daß Dr. Kohn die polnischen Juden „im propolnischen Sinne“ politisieren wollte. Andrerseits war es. wie man deutlich sieht, nicht Kohns besondere Liebe für die Polen, die ihn veranlaßte, die orthodoxe Masse zum Verzicht auf ihre nationalen Rechte und Interessen zu verleiten. Wie wenig Mühe sich Dr. Kohn gegeben hat, die Verhältnisse in Polen wirklich kennen zu lernen, beweist schon die Tatsache, daß er die Dumawahlen von 1912 und den darauf folgenden Boykott in das Jahr 1905 verlegt. Warum die Nationaljuden die Gemeindeverfassung bekämpfen, ist in diesem Blatte mehrfach dargelegt worden. Die Verordnung bedeutet den Verzicht auf die Anerkennung der jüdischen Nationalidee, was im Gegensatz zu dem deutschen Billiger, künstlerischer Wandschmuck sind die Kunstdrucke der Münchner „Jugend". Aus dem Gebiete des Vierfarbendruckes Hat die „Jugend" bahnbrechend gewirkt und dje von ihr herausgegebenen Kunstdrucke sind in Millionen von Exemplaren auf der ganzen Welt verbreitet. Die Sammlung umfaßt einige taufend Blätter, unter denen jeder Geschmack Passendes zum Preise von 80 Pfennige bis I Mark, je nach Größe findet. Ein großer illustrierter Katalog mit tausend verkleinerten Abbildungen (Preis U 4 Mark) erleichtert die Wahl. Die Iugend-Kunst- X drucke sind durch jede Buch- und Kunsthandlung - oder durch den Unterzeichneten zu beziehen Verlag der „Ingen d" München, Lessing st raße 1 & L" KV:-' :rr, rer*'; fe'.: .c: ■V..‘ f •: .. fei’. k :V. S:' b' t