Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 51 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- Seite 550 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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550 Das Jüdische Echo Nr. 51 Herr Koretz entwarf im Anschluß an dieses Referat ein Bild von der Tätigkeit der Arbeitsgruppe der jüdischen Studentenschaft Österreichs für die Unterstützung der palästinensischen Juden. In hebräischer Sprache forderte Herr Klempner zum Anschluß an die Hechaluzbewegung auf. Herr Mendel Singer wies als Poale-Zionist auf die Notwendigkeit hin. im Qolus LebensmögLichkeiten für die jüdischen Massen zu schaffen. Auch Dr. Bernfeld betonte die Notwendigkeit der Gegenwartsarbeit. Dr. Präger wies in seiner Schlußrede auf den für das nächste Frühjahr geplanten österreichischen Judentag hin. Aus der jüdischen Presse. Der „Haint“ vom 30. November schreibt über die Erklärung Balfours wegen Palästina im Namen der englischen Regierung und der Koalitionsländer, daß es naiv wäre, anzunehmen, daß durch dieses Dokument die neutrale Stellung des jüdischen Volkes sich irgendwie ändern könne. Noch naiver wär es, zu glauben, daß durch das englische Dokument die alte traditionelle Sympapathie der Juden zur Türkei erschüttert werden könnte. Am Friedenstisch, wo die Frage entschieden werden kann, wird die Koalition nur eine Partei bilden, und die Friedensbedingungen werden nicht diktiert werden, sondern das Resultat einer Verständigung sein. Außerdem liegt es in den Interessen einer freien jüdischen Entwicklung, daß Palästina nicht unter den Einfluß einer einzelnen Großmacht gerät. Wenn selbst England imstande wäre, sein Versprechen einzulösen, so wären die Juden dadurch nicht so zufriedengestellt, als wenn die Frage mit allgemeiner Zustimmung gelöst würde. Mit der Türkei werden sich die Juden, welche staatliche Form auch ihre Ansiedlung annehmen wird, immer in enger Berührung und fester Verbindung befinden. Auf die Zustimmung der Türkei und ihrer Verbündeten zu der Realisierung der jüdischen Hoffnungen in Palästina hoffen wir in nächster Zukunft. Oberrichter Louis D. Brandeis. Wie die amerikanischen Zeitungen melden, ist der Führer der amerikanischen Zionisten, Herr Louis D. Brandeis, Mitglied des höchsten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, von Präsident Wilson aufs neue mit einer wichtigen Mission beauftragt worden. Justice Brandeis soll zusammen mit Oberst House Materialien sammeln, die nach Beendigung des Krieges Amerika zur Grundlage seiner Friedensverhandlungen dienen sollen. Die Arbeit ist so gedacht, daß Oberst House sich mit westeuropäischen Fragen beschäftigen, Justice Branders den Problemen des nahen Orients seine Aufmerksamkeit zuwenden wird. Nach Mitteilungen der Amerikanischen Presse schließt man in weiten Kreisen aus der Nominierung dieser beiden Männer, daß Präsident Wilson die Absicht hat, Amerika durch sie beim Friedenskongreß vertreten zu lassen. Polonisjerung jüdischer Namen. „Gazeta Polska“ (Dombrowa) meldet, daß viele Warschauer Juden an den Regentschaftsrat Gesuche um Polonisierung ihrer Familiennamen gerichtet haben. Die Gesuche werden damit begründet, daß die Juden als Bürger Polens sich durch den Klang ihrer Namen nicht von den polnischen Mitbürgern unterscheiden wollen. Es handelt sich wohl um dieselben Kreise, die als „Sachverständige“ für jüdische Angelegenheiten herangezogen werden! Leo Motzkin, Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, der vom Delegiertentag der russischen Zionisten in das Zentralkomitee für Rußland gewählt worden ist, befindet sich auf der Reise von Amerika zurzeit in Kopenhagen und nimmt lebhaften Anteil an den zionistischen und allgemein jüdischen Arbeiten. Der dänische Zionistenverband ehrte Herrn Motzkin durch Veranstaltung eines festlichen Begrüßungsabends und beschloß seine Eintragung in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. Mendel Beilis’ Sohn türkischer Offizier. Nach seiner Freisprechung im „Beilis-Prozeß“ hatte Mendel Beilis seine russische Heimat freiwillig verlassen und war nach Palästina übersiedelt. Wie man jetzt erfährt, befindet er sich zurzeit unter den Evakuierten aus Jaffa. Sein Sohn, Pinkas Beilis, ist nach Absolvierung des Jaffaer Gymnasiums in die türkische Armee eingetreten, wo er jetzt als Offizier dient. Vom Jüdischen Nationalfonds. Die Spendeneinkünfte des JNF im Monat November setzen sich aus folgenden Beiträgen zusammen: Rußland 60 138 R., Österreich 44 636 K (davon aus Polen 6542 K.), Nordamerika 6795 $, Deutschland 11 346 M. (davon aus Polen und Litauen 5172 M.), Argentinien 3347 Pesos, Holland 1477 Fl., England 78.8.2 £, Schweiz 1748 Fr., Südafrika 67.17.6 &, Ungarn 1324 K., Belgien 529 FL, Ägypten 4386 Piaster, Frankreich 752 Fr., Neu-Seeland 29.4.10 £, Griechenland 439 Fr., Spanien 300 Fr. und Schweden 70 K„ zusammen 146.941 Fr. In letzter Zeit sind dem JNF einige größere Zuwendungen gemacht worden, so eine 30 000 Kr.- Stiftung zugunsten des Arbeiterheimstättenfonds aus Österreich, ferner eine Stiftung von 7500 Gulden von Herrn H. Hedeman Jr. in Almelo (Holl.) gleichfalls für Arbeiterhäuser. Weiter wurden von Herrn Baruch Hazioni in Bern bei der Baseler Lebensversicherungs-Gesellschaft eine Versicherung für den Herzlwald in Höhe von 10 000 Fr. und in einer deutschen Provinzstadt zwei Versicherungen zugunsten des JNF im Betrage von 10 000 und 5000 M. abgeschlossen. Schließlich hat ein im Felde gefallener, junger italienischer Zionist, Herr Quinto Senigaglio dem JNF ein Vermächtnis von 2000 Lire hinterlassen. Je mehr die Aussicht auf eine großzügige jüdische Siedlungsarbeit in Erez-Israel wächst, umsomehr ist die Erwartung berechtigt, daß dem JNF, als dem vornehmsten Kolonisationsinstrument der zionistischen Bewegung, außer den regelmäßigen Spenden auch kleinere und größere Vermögen, in Form von Stiftungen, Versicherungen und Vermächtnissen, zugewendet werden. Über die bisher dem JNF übergebenen Stiftungen und hinterlassenen Vermächtnisse berichtet die Broschüre „Vermächtnisse und Versicherungen zugunsten des JNF“, die zugleich allgemeine und rechtliche Informationen für jedermann enthält, der dazu beitragen möchte, daß der Nationalfonds künftig in den Besitz beträchtlicher Kapitalien gelangt. Das Schaare Zedek-Hospital in Jerusalem. Der Frankfurter Vorstand des Hospitales Schaare Zcdek erhielt die Nachricht, daß nach der Einnahme von Jerusalem die Anstalt unter spanischen Schutz gestellt worden ist. Der nachstehende Auszug aus einem Brief des Herrn J. Marx, Jerusalem, vom 17./18. November gibt wichtige Einzelheiten über die jetzige Lage des Hospitales: