Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 51 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- Seite 548 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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548 Das Jödlscbe Echo Nr. 51 3m Möflimilf lü&ifdif iirtiiknilmiHi mifalm "gJ1* iiukn ©efdjäftslettung: S'rait&futtö. 5öt. SßoftfdjeätÄonto SKr. 7785 S'rhft. o. 501. Organifatton rein europäifcf) Sfotterfjäufer für ^Infteckeitbe $jöctyfte Anerkennung aller 93el)örben Aufnahme unierfcfjtebslos für Alle $ält fid) für gemiffen^öfte Heöernalpne oon Stiftungen empfohlen! betten — 3imnter — Soweit — ©ebenhtafel — Stiftungen. 50tan forbere bie ^ebingungen ein. Briefe m richten nad) Aöberbergmeg 63 freier und gesünder entwickeln und dadurch eher einen Zustand innrer Vervollkommnung erreichen kann, der es der Erfüllung religiöser Vorstellungen wert'macht. Daß man nicht danach streben darf, diesen Zustand zu erwerben, — an welcher Stelle der heiligen Schriften steht das? Gefährlicher als die jüdischen Gegner aus religiösen Gründen sind diejenigen aus nationalen Gründen — gefährlich sind sie nicht nur für den Zionismus, sondern für das gesamte Judentum. Es sind dieselben Leute, die von jeher fürchteten, man könne aus ihrem Bekenntnis zum jüdischen Volke einen Vorwurf gegen ihre deutsche Staatstreue herauslesen, dieselben Leute, die schon vor dem Kriege die zionistische Organisation wegen eines angeblichen Mangels an deutschem Patriotismus zu denunzieren wagten. Jetzt jagt ihnen die Tatsache, daß zuerst die Ententeregierungen dem Zionismus ihre Unterstützung zugesagt haben, Schrecken und Furcht ein, und anstatt nun gemeinsam mit den Zionisten dafür zu arbeiten, daß die Mittelmächte die gleiche wohlwollende Haltung einnehmen, wagen es einige jüdische Zeitungen und Persönlichkeiten, d;e Loyalität der zionistischen Organisationsleitung gegen die Türkei und ihre Verbündeten zu verdächtigen. Sie glauben wohl, daß sie selbst dadurch ihren eigenen deutschen Patriotismus in ein umso helleres Licht setzen und sich der deutschen Regierung in demselben Maße beliebt machen können, wie sie die Zionisten ihr unbeliebt machen wollen. Die jüdische Geschichte sollte sie anders belehren: das schwerste Unheil ist stets dadurch über die Juden heraufbeschworen worden, daß in Augenblicken, in denen es auf gemeinsames Handeln ankam, sich stets Denunzianten fanden, die aus bleicher Furcht für ihre Sicherheit die jüdische Sache verrieten, um dann schließlich gemeinsam mit den Denunzierten von dem durch sie heraufbeschworenen Schicksal ereilt zu werden. Heute ist es den maßgebenden deutschen Kreisen noch bewußt, daß der Schöpfer des Zionismus, Theodor H e r z 1, alle seine politisthen Pläne auf der treuesten Loyalität gegenüber der Türkei aufbaute, daß der erste Herrscher, den er im heiligen Lande selbst für seinen Plan zu interessieren strebte, Kaiser Wilhelm II. war, und daß die Führer der Bewegung seinen Weg gegangen sind. Wollen die jüdischen Denunzianten das Andenken an diese unverrückbare Tatsache verwischen? Die englische Erklärung ist nun einmal erfolgt und nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Alle Zionisten haben sie deshalb freudig begrüßt, weil sie den ersten Schritt zum letzten Ziel des Zionismus bedeutet: die Gründung der jüdischen Heimstätte in Palästina unter Zustimmung aller Mächte. Wollen die Denunzianten erreichen, daß die Mittelmächte durch einen Teil ihrer eigenen Juden beeinflußt werden, von dieser Zustimmung abzusehen? Glauben sie wirklich, daß wenn es ihnen gelingt, die Zionisten zu verdächtigen — die nichtzionistischen Juden dann umso höher im Kurs stehen werden? Die jüdischen Kultusgemeinden in Bayern. In Nr. 50 unseres Blattes brachten wir einen Aufsatz „Die Bankerotterklärung der jüdischen Kultusgemeinden in Bayern“, der als ein Beweis für die dringende Notwendigkeit einer Revision des Judenedikts von 1813 gelten kann. Wir bringen im Nachstehenden einen Auszug aus dem Referat, das Graf Hertling im Oktober 1911 zu diesem Thema hielt. In den seither verflossenen sechs Jahren, besonders während des Krieges, haben sich alle Unzuträglichkeiten, die aus dem Fortbestehen des Gesetzes erwachsen sind, so sehr verschärft, daß seine Revision zu einer unabweisbaren Notwendigkeit geworden ist. Auszug aus dem Referat Sr. Exzellenz des Herren Grafen v. Hertling zur bayer. Kirchen-Gemeinde- Ordnung vom Oktober 1911. „Nicht einbezogen im Entwurf sind ferner die Verhältnisse der jüdischen Kultusgemeinden, die sich wegen ihrer völligen Wesenverschiedenheit zur Berücksichtigung in einem für die drei großen christlichen Konfessionen berechneten Gesetze nicht eigneten. Es ist aber leicht begreiflich, daß in dem Augenblick, in dem den Katholiken und Protestanten die Erfüllung de® lange gehegten Wunsches nach einer zeitgemäßen Regelung des örtlichen Kirchenfinanzwesens zuteil werden soll, auch in den Kreisen der jüdischen Glaubensgesellschaft das Bedürfnis nach einer Revision der längst veralteten und nücht mehr zulänglichen Bestimmungen des Judenedikts von 1813 mit besonderer Lebhaftigkeit laut wird. Daß in der jetzt allein möglichen einheitlichen jüdischen Kultusgemeinde die zwei in der israelitischen Glaubensgesellschaft das Bedürfnis nach einer Revision der Richtungen notgedrungen vereinigt sind, kann nur zu leicht zu einer Vergewaltigung der innerhalb der Kultusgemeinde in der Minderheit befindlichen