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Das jüdische Echo · 1917-12-21 · 51 (21.12.1917) · p. Seite 547

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
51 (21.12.1917)
Date
1917-12-21
Page
Seite 547 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 51 Das Jüdische Echo 547 wäre es Aufgabe der Gemeinde, die Führung zu übernehmen. Eine gemeindliche Kommission für soziale Arbeit müßte gebildet werden, zu der außer einigen Mitgliedern des Verwaltungsausschusses und dem Rabbiner eine Anzahl Männer und Frauen der Gemeinde, die soziales Verständnis besitzen und auf dem sozialen Gebiet arbeiten wollen, zuzuziehen wären. Diese Kommission sollte den Mittelpunkt für die jüdisch-soziale Arbeit in München bilden, an den sich die einzelnen Vereine zu gruppieren haben. Es wird natürlich alles darauf ankommen, in welchem Geiste diese Kommission geleitet wird. Wir haben gerade auf dem Gebiete des Zedokoh-Wesens viel gut-jüdische Tradition, die man fortzusetzen hätte; aber auch eine umfassende Kenntnis der sozialen Fragen der Gegenwart ist notwendig. Vor allem darf in dem Hilfsbedürftigen nicht der ..Schnorrer“ gesehen werden, den man mit einigen Mark „abfertigt“. Es muß versucht werden, dem Einzelnen wirklich zu raten und zu helfen, und zwar ohne daß man nach dem Geburtsort oder der Staatsangehörigkeit des Armen fragt. Wo die Satzungen der Stiftungen oder Vereine noch Beschränkungen in dieser Hinsicht enthalten, sollte man auf deren Beseitigung hinwirken, jedenfalls alle ängstliche und kleinliche Auslegung vermeiden. Es ist für jeden sozial denkenden Menschen beschämend, wenn er sieht, daß große, mit reichen Mitteln versehene jüdische Stiftungen jährlich ihre Zinsen zum Kapital schlagen, während bittere Notfälle ohne Hilfe bleiben, weil der zu Unterstützende kein Bayer ist oder noch nicht lange genug in München wohnt. Ein Ausbau der Organisation der sozialen Arbeit wird es unschwer ermöglichen, die Mittel, die für diese Arbeit zur Verfügung stehen, zu vervielfachen. Anderorts wird die leistungsfähige jüdische Bevölkerung zu solchen Zwecken viel stärker herangezogen als in München. Durch die Ausgestaltung der sozialen Arbeit der jüdischen Gemeinde würden aber auch solche Kreise neu und stärker sich der Gemeinde zugehörig fühlen, die — selbst nicht positiv religiös empfindend und an dem Kultus daher persönlich nicht beteiligt — glaubten, dieserhalb der Gemeinde den Rücken kehren zu müssen. Sie werden dann in der Gemeinde die Organisation der jüdisch-sozialen und jüdisch-nationalen Gemeinschaft erblicken lernen, der auch der religiös indifferente Jude, sei es bewußt, sei es unbewußt, verbunden bleibt. Um diese Wirkung zu erzielen, um überhaupt in weiteren Kreisen der Gemeindemitglieder Interesse an dem Leben und der Arbeit der Gemeinde zu wecken, muß die Gemeindeverwaltung und das was sie leistet, viel mehr der jüdischen Öffentlichkeit bekannt werden. Durch den seit einiger Zeit jährlich einmal erscheinenden, knapp gehaltenen Verwaltungsbericht wird dem nicht Genüge geleistet. Die „Öffentlichkeit“ der Ausschußsitzungen steht nur auf dem Papier. Es ist unbedingt erwünscht, daß in der jüdischen Presse, insbesondere in dem hier erscheinenden Organ, regelmäßige Berichte über die Auschußsitzungen, wie über alle wichtigen Gemeindeangelegenheiten gegeben werden. Auf diese Weise würde am Einfachsten ein lebendiger Zusammenhang zwischen Gemeindeverwaltung und Gemeindemitgliedern geschaffen, der für eine wirklich gedeihliche Entwicklung der Gemeinde nicht zu entbehren ist. Est. Denunzianten. Es war vorauszusehen, daß die Erklärung des Lord Balfour bezüglich des Zionismus ein gewaltiges Echo in der Welt finden würde. Überall ist das Verständnis für die ungeheuere Tragweite dieser Erklärung erwacht. In den Ententeländern hat sie — mit verschwindenden Ausnahmen — eine dankbare und freudige Aufnahme sowohl bei Juden wie bei Christen gefunden. Erklärlich ist es, daß man ihr in Deutschland und Österreich vorläufig noch mit einiger Zurückhaltung gegenübersteht. Man versteht auch hier, welche Sympathien sich die englische Regierung durch diese Botschaft allerorten erwerben mußte und bedauert es sicherlich, daß dieser Posten allgemeiner Anerkennung, der nun der Entente zufällt, nicht lieber zugunsten der Mittelmächte gebucht werden konnte. Aber es wäre falsch zu glauben, daß jetzt für die Türkei und ihre Verbündeten die Gelegenheit für immer verpaßt sei. Noch ist die letzte Entscheidung über den Besitz Palästinas nicht gefallen, und niemand wird die Mittelmächte hindern wollen, vor jenem Forum, vor dem die Frage nach dem Schicksal des heiligen Landes endgültig beantwortet werden wird, gleichfalls für die Rechte des jüdischen Volkes einzutreten. Oder sollte es doch Leute geben, die das versuchen wollen? Ein Blick auf die Presseäußerungen der allerjüngsten Zeit zur Palästinafrage ergibt ein merkwürdiges Ergebnis; Soweit die allgemeine deutsche Presse überhaupt ihre Ansicht über Palästina äußert, kann man feststellen, daß fast alle Zeitungen den Zionismus an sich als etwas durchaus berechtigtes und wünschenswertes betrachten und nur bedauern würden, wenn die Entente allein den Ruhm beanspruchen würde, der Beschützer des zionistischen Gedankens geworden zu sein. Dagegen melden sich in der jüdischen Presse Deutschlands und Österreichs Stimmen, welche die Idee an sich verurteilen und teilweise sogar ihre Träger herabzusetzen suchen. Es lassen sich da zwei Hauptgruppen von Gegnern unterscheiden: die aus religiösen und die aus nationalen Gründen. Es scheint, daß ein Teil der jüdischen Orthodoxie gegen die Ausführung zionistischer Pläne mobil macht, weil er noch immer in ihnen einen Widerspruch zu den Verheißungen der Rel'gion sieht. Ihnen sei wiederum und eindringlicher als je zuvor gesagt: der Zionismus hat sich niemals angemaßt zu behaupten, daß ein jüdisches Palästina, wie er es anstrebt, die Erfüllung messianischer Hoffnungen sein werde. Aber da er den unaufhaltsamen Verfall des jüdischen Volkes und Glaubens in den Ländern fremder Nationen sieht, will er ihm eine Heimstätte geben, in dem es sich LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL- DAMEN - SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Majcimiliansplatz 21 SPEZIRLITflT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ. FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u. ganz angepaßt

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