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Das jüdische Echo · 1917-12-14 · 50 (14.12.1917) · p. Seite 539

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 539 (sequence 7)
Language
German
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Diese Sicherung der westlichen Juden durch bürgerliche Ähnlichkeit und geringe Zahl war ja gewissermaßen eine ästhetische; sie schien fallen zu müssen, wenn ihre Bedingungen fielen; das heißt für die deutschen Juden, wenn Millionen anders gearteter und anders bebarteter Menschen, Menschen zudem der tiefsten Armut, von einer hierzu immer bereiten öffentlichen Meinung mit ihnen auf gleich und gleich gestellt würden. Gelüste der Distanz, wenn auch verkleidet, regten sich; — denn es ist längst nicht mehr so unzweifelhaft entschieden, was Schopenhauer als ein jüdisches moralisches Dilemma auf stellt und löst: „Ein englischer Jude“, so nimmt er mit einem Redner des englischen Parlaments an, „kommt nach Lissabon, woselbst er zwei Männer in äußerster Not und Bedrängnis antrifft, jedoch so, daß es in seine Macht gegeben ist, einen von ihnen zu retten. Persönlich sind ihm beide fremd. Jedoch ist der eine ein Engländer, aber ein Christ; der andere ein Portugiese, aber ein Jude. Wen wird er retten? — Ich glaube, daß kein einsichtiger Christ und kein aufrichtiger Jude über die Antwort im Zweifel sein wird.“ Ich glaube, daß heutzutage die Antwort in mehr als einem Falle anders lauten wird, als Schoppenhauer erwartet. (Aber ist das etwa, auch von einem einsichtigen Christen, zu rühmen? Man konstruiere den Fall, und bleibe sich des Bedenklichen solcher hypothetischen Versuchungen bewußt, mit einem Bayern und einem Preußen! Wenn Schopenhauer hinzufügt, daß die Antwort auf seine Frage „den Maßstab für die den Juden einzuräumenden Rechte“ abgebe, so hat er eine Goldwage aufgestellt, und wägt Säcke voll Kartoffeln darauf.) Die Furcht vor einer schärferen Anspannung des Antisemitismus war es, die solche treulosen, snobistischen Gefühlsregungen hat aufkommen lassen. Sie hat auch anderen Unruhe gemacht, und darunter manchem, der, aus deutscher Empfindung heraus, die Schädlichkeit des Antisemitismus für das deutsche Volk einsieht. Der Antisemitismus, und wir können das heute am deutlichsten beobachten, lenkt die moralischen Regungen von ihrem natürlichen Ziel, welches immer die eigene Brust ist, geflissentlich ab und auf einen Prügelknaben, einen Sündenbock hin; er verhindert ein ganzes Volk, zu beten wie der Zöllner, und verführt es, sich zu rühmen wie der Pharisäer. Darum ist er auch das ungeeignetste Mittel, den Juden, selbst durch den berechtigen Tadel, zu nützen. Nicht weil sie verstockt sind! Sondern weil das Wort: „das ist jüdisch“ jedes moralische Zuendedenken für beide Teile unmöglich macht. Mit einer so vorschnell gezogenen falschen Summe ist für beide Teile der Ernst, die Verpflichtung und die Unverbrüchlichkeit des moralischen Gesetzes sogleich aufgehoben. Und daß die summarischen Urteile immer die Individuen treffen, für die sie nicht gelten (weil sie ohnehin ein allzu waches Gewissen haben); und an denen vorbeigleiten, auf die sie passen (weil sie ein dickes Fell haben); das haben die Juden besonders leibhaftig erfahren. In Wahrheit aber würde die Einbeziehung der polnischen Juden in den westlichen Kreis den Antisemitismus nicht bloß stärker gemacht haben; sondern auch, für die deutschen Juden, förderlicher und kräftigender. Nicht die Feindschaft wäre gewichen, wohl aber das Verkleinernde. Besudelnde, Erniedrigende der Feindschaft; das Problem wäre größer geworden; die leichte Verletzlichkeit, die jedes Urteil fälscht, würde aufhören. Und zudem: haben wir nicht den gewaltigsten Haß an der Arbeit gesehen und genug daraus gelernt, um ihn als einen tüchtigen Sporn zu nehmen? Hat nicht der consensus omnium, dieses bewährte Streitwort gegen die Juden, ganz Deutschland getroffen und also seine Beweiskraft eingebüßt? Die tasächliche, auch die durch plumpeste Zufälle herbeigeführte Feindschaft erzeugt, bei der heuchlerischen Natur des menschlichen Intellekts, sehr leicht die ideelle. Durch die Erschaffung eines Königreichs Polen scheint das Problem der polnischen Juden für die deutschen wieder in eine nebelhafte, ungefährliche Ferne gerückt. Aber es scheint nur so; das Problem rückt auf einem anderen Wege wieder nah, in der Frage, wie es mit der Einwanderung zu halten sei, ob man sie verbieten oder erlauben oder unter Bedingungen erlauben solle. Auf diese Frage gibt es eine ganz klare Antwort nur vom Prinzipe der Staatsbürgerlichkeit und ihrer Freiheit her. Alles, was von dem staatsbürgerlichen Prinzip abweicht, mag es sich auch mit sehr einleuchtenden oder tiefsinnigen Gründen einführen, steht — auf diesem Gebiete wie auf andern — "RauThallmaier /ioftteferanjt München ThßatinevfarAQ. pam&^iiaser OhvzoücmQ.

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