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Das jüdische Echo · 1917-12-14 · 50 (14.12.1917) · p. Seite 536

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 536 (sequence 4)
Language
German
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536 Das Jüdische Echo *r. 50 Und dennoch ist gerade hei uns österreichischen Juden und gerade unter den gegebenen Umständen: angesichts der ökonomischen Zersetzung, sozialen Zerklüftung und politischen Richtungslosigkeit der jüdischen Bevölkerung, das Nationale dasjenige, was aus dem Chaos von einander widerstrebenden Elementen als das einzig Einigende herausgeholt werden kann. Wer dieses Nationale auch unter dem Drucke der ebenso sebamerregenden als erhabenen Lehren des Weltenbrandes aus seinem tiefsten Ich nicht hervorzuzaubern vermag, der hat selbst das Recht verwirkt, bei einer Konsolidierung der Judenheit aktiv mitzutun. Diese nationale Stellungnahme erscheint umso begründeter, als die Österreich bewohnenden Volksstämme vor einem völligen Umbau des Staatsgefüges sich befinden und die Bahnbrecher der neuen Ära die Losungen nationaler Autonomie auf ihren Schild geschrieben haben. Es wäre nun von nicht genug einzuschätzender Wichtigkeit, obigen Losungen auch in bezug auf das Interesse des jüdischen Bürgertums im Reiche vor allem Inhalt und dann auch Geltung zu verschaffen. Es wäre Aufgabe eines österreichischjüdischen Kongresses, durch positive Entwürfe klarzulegen, welche rechtliche Stellung der jüdischen Minderheit unter den neuzuschaffenden Verhältnissen zukommen soll. Es wäre eine Erbsünde gegenüber den weiten Schichten, aber auch gegenüber künftigen Generationen unseres Volkes, wenn wir am Vorabend der Umgestaltung der Staatsverfassung wort- und tatlos dastehen, ebenso aber, wenn wir durch Veranstaltung eines Kongresses Ansatz zur Tat nehmen, in diesem Punkte jedoch uns ausschweigen würden. Aus diesen Erwägungen heraus sind die Beschlüsse aufzufassen, die den Ansporn zur Veranstaltung eines Kongresses und Einsetzung eines Kongreßbüros in Wien, das die Durchführung beschleunigen soll, gegeben haben. Der Kongreß soll — allerdings reif und gründlich vorbereitet — immerhin jedoch zeitlich genug stattfinden, um den Forderungen der österreichischen Judenheit Wirksamkeit zu verschaffen. Jedenfalls also, bevor der Hohe Rat der Staatenlenker über das Schicksal „kleiner Nationen“ das entscheidende Wort zu sprechen sich anschicken, oder — durch das engere Prisma der österreichischen Verhältnisse betrachtet (was jedoch logischerweise mit dem Vorigen zusammenhängt) — bevor Österreich die einschneidenden Fragen seiner Nationalitätenpolitik einer Regelung zuführen wird. Did unermeßlichen Verwüstungen der Weltüberschwemmung und die endlose Verzweiflung Verunglückter, die Verwahrlosung der Jugend und die Frage deren Erziehung, die Verelendung einer unübersehbaren Schar von Waisenkindern, sowie die Wiederherstellung verschütteter Existenzen, das sind die Problme, denen der Kongreß seine Aufmerksamkeit zuzuwenden die Aufgabe hätte. Aber neben dem Weh der Gegenwart soll auch der Hoffnung der Zukunft das erlösende Wort verliehen werden. Als treue Bürger unseres Staates werden wir uns dabei verdient machen, indem wir das Dickicht der Leiden einer PÄ-Millionen-Bevölkerung von einem Strahl — wenn auch nur momentaner Hilfe— durchleuchten; aber als treue Söhne unseres Volkes werden wir gleichzeitig in dieser Schicksalsstunde vor aller Welt bekunden, daß wir uns als nichts anderes fühlen und erachten, denn „ein Teil des Ganzen“, ein Glied der Gesamtheit: der jüdischen Nation. Zionismus und Politik. Von Moritz Hei mann. (Aus dem Dezemberheft der „Neuen Rundschau“.) Daß der Krieg, unter anderm, auch eine Angelegenheit — und demnach vielleicht eine Gelegenheit — des Zionismus werden könnte, das haben politisch gerichtete Zionisten von Anfang an gespürt. Die ersten Aufstellungen sind inzwischen durch die so schnell nicht erwartete Erschaffung eines neuen Polens und darnach durch die russische Revolution sehr stark verschoben worden, am meisten aber durch das verdächtige Interesse der Entente. Es ist begreiflich, daß dem einen oder dem andern bange davor wird; daß besonders diejenigen, denen ein inneres Zion mehr am Herzen liegt als die Reiche dieser Welt, es mit Sorge und Kummer sehen, wie nun auch ihr zukünftiges Palästina, ihr neues Jerusalem in den „Wirbel der Länderverteilungen und Eroberungen“ hineingerissen wird. Von Max Brod haben wir diese Klage im Septemberheft der Neuen Rundschau gelesen, Buber hat ihr in seiner Zeitschrift „Der Jude“ Ausdruck gegeben, und beide haben damit nichts anders ausgesprochen, als was offenbar vielen Unruhe und Beschwernis macht. Indessen werden doch auch diese nicht die Augen davor verschließen können, ' daß der Zionismus mindestens zu einem Teile ein politisches Problem ist. Mögen seine Gründe, Wurzeln und Motive noch so religiös, seine Ziele noch so ideologisch sein und seine Methode sich dementsprechend bemühen, rein zu bleiben, immer handelt es sich darum, daß in einem bestimmten Lande Menschen zu einer bestimmten Art von gemeinschaftlichem Leben sich ansiedeln wollen, also einen Grad von staatlicher Unabhängigkeit, ob er nun hoch oder niedrig sei, anzustreben haben und auf diese Weise mit andern, schon vorhandenen, schon zu Formen hingebildeten, im Besitze, im Rechte befindlichen Gruppen und Staaten in Beziehung treten müssen. Rechtsgrenzen werf Die „WIRKLICHKEIT”!» Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Karl Graf v. Bothmer, München. Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochennehmen wie sie sind, den Sinn für das geachichtlch Ge- Herausgeber: Karl Graf v. Bothmer, München, nehmen wie sie sind, den Sinn für das geachichtlch Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probeheft beim Verlag, München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstslt (Zeitungsverzeichnie München 1216a), der Buchhandel und der Verlag Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich s*gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu

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