Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 50 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138226--01801-9074625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
534 Das Jüdische Echo Nr. 50 bayerische Judenheit? Was tun die Gemeinden? Die Regensburger „Laubhütte“ hat längst auf diesen Notstand hingewiesen. Aber welche Mittel hat sie zu deren Bekämpfung bereit? Sie empfiehlt die Kultusbeamten der öffentlichen Wohltätigkeit! Die „Laubhütte“, die im Revisionskampf und selbst während der Zeit des Burgfriedens nicht aufgehört bat, offen und versteckt dies Revisionsbegehren zu unterdrücken, die auf diese Weise die Not der Kultusgemeinden und ihrer Beamten mitverlängern geholfen hat, sie klagt jetzt über die Not der Kultusgemeinden und ihrer Beamten, und appelliert an die „Ehrenpflicht der bayerischen Juden“, für einen Hilfsfond Almosen zu steuern. „Es werden sich gewiß 70 bayerische Juden finden, von denen jeder 1000 Mark für diesen Zweck — Hilfsfond — übrig hat“, schreibt die „Laubhütte“. Es scheint ihr nicht in den Sinn zu kommen, wie beschämend es ist, daß man bewährten Beamten statt der Erfüllung berechtigter Ansprüche Almosen gewähren will, scheint ihr gar nicht einzufallen, daß dieser Ruf nach Wohltätigkeit eine Bankerotterklärung der jüdischen Kultusgemeinden ist. Wir appellieren an die Ehre der bayerischen Gemeinden, an die Revisionsarbeiter. Rettet Euere Ehre und die Ehre Euerer Beamten! Wir bbten das bayerische Kultusministerium um endliche Bearbeitung der Revision des Judenedikts. Sorgen wir für eine gerechte, soziale Behandlung der jüdischen Beamten. Laßt sie nicht verhungern, laßt sie leben, laßt sie anständig leben. Die Revision muß kommen, die Revision muß bald kommen. Bei Mangel an Arbeitskräften werden die bayerischen Gemeinden gerne die angeforderten Hilfskräfte erstellen. Welche gewaltige Revisionsarbeiten werden heute trotz des Krieges im Reiche wie in den Einzelstaaten durchgeführt. Die Revision des Judenedikts darf da keine unüberwindliche Schwierigkeiten bieten. Also auf zur Revisionsarbeit! Bayerische Gemeinden, bayerische Juden — rettet Eure Ehre! Ein Judenkongreß in Österreich. Von Dr. Leon Reich. (Wir haben den um das jüdisch-politische Leben in Österreich verdienten Verfasser ersucht, uns als erster in unserer Zeitschrift seine Anschauung über den geplanten Kongreß darzulegen. Wir erwarten, weitere Stimmen zu dieser wichtigen Frage veröffentlichen zu können.) Unter den Verheerungen des Krieges, die insbesondere dem jüdischen Volke schier unheilbare Wunden geschlagen haben, wächst aus den Ruinen zerstörter Existenzen und vernichteter moralischer Güter eine unter dem Judentume bis dahin theoretisch zwar in allen Ehren gehaltene, tatsächlich jedoch wenig beachtete Blüte empor: die jüdische Nationalität. Von der Mutter Not und dem Vater Nationalbewußtsein geboren, reift das jüdische Solidaritätsgefühl, zu allererst in Amerika aufgekeimt, zum Gedanken eines allgemein - jüdischen Kongresses heran, dringt durch die Schranken jüdischer Zerstreuung und Drahthindernisse feindlicher Schützengräben nach den Ländern Europas; hält insbesondere die in Rußland zu politischem Leben aufgerüttelten jüdischen Massen im Banne und ebnet sich allmählich aber sicher Bahn in Österreich.. Seit einigen Monaten beschäftigt nun tatsächlich die Frage eines Judenkongresses das ganze öffentliche Leben in Österreich. Allerdings galt es hier vorerst unter den Verfechtern der Kongreßidee selbst einen prinzipiellen Kampf auszufechten, denn es galt die Frage zu lösen, ob der Kongreß als farblose Repräsentanz aller Parteien und Richtungen inmitten der jüdischen Bevölkerung, oder aber als einzig maßgebender Wortführer des gesamten Nationaljudentums Österreichs tagen soll. Glücklicherweise gewannen die Anhänger der letzterwähnten Anschauung die Oberhand und die vor nicht langer Zeit stattgefundene Vertrauensmännerkonferenz der österreichischen Zionisten beschloß die Einleitung der Vorarbeiten für einen Kongreß, bei dem alles vertreten sein soll, was jüdisch denkt und fühlt, oder — richtiger gesagt — was von der Gemeinsamkeit des jüdischen Stammes sich nicht losgelöst fühlt. Diese Schlußfolgerung, zu der man nach langen und gründlichen Auseinandersetzungen gelangt ist, fand ihre Quelle in der allein wahren Erkenntnis, daß ein jüdischer Kongreß, wie er geplant wird, seine Notwendigkeit nicht bloß und nicht einmal in erster Linie von der Tragik des jüdischen Seins, sondern vielmehr von der Kehrseite dieser Tragik: der jüdischen Hoffnung, ableitet. Allerdings — wenn der polnische Maler Grottger in seinem berühmten Bilderzyklus sein Vaterland als „Tal der Tränen“ bezeichnet, so würde dieser Name, ebenso wie die Düsterheit des Kolorites, vielleicht noch wahrheitsgetreuer dem Bilde entsprechen, das das österreichische, vorzugsweise aber das Ostjudentum, im gegenwärtigen Momente bietet. An Stelle von Hunderten gesicherter und solider Erwerbsgrundlagen — ein Haufen Trümmer. Tausende Kinder lungern verwaist und aufsichtslos in den Straßen herum, den Lockungen des unsittlichen und verbrecherischen Abenteuertums ausgesetzt. Abertausende Väter und Brüder verkommen als Geiseln seit der Zeit der zarischen Kriegsführung in Sibiren; denken in den Flüchtlingsbaracken und Konzentrationslagern mit Wehmut an ihr verlassenes Heim und die verschwundene Pracht ihrer einstigen Selbständigkeit, oder gar — was das Allerschlimmste sein mag — sehen — nach ihrem alten Wohnort „zurückbefördert“ — am Rande des wirtschaftlichen Abgrundes keinen andern Ausweg vor sich, als nach dem Bettelstab zu greifen. Harmonisch passen sich leider dieser Situation auch so manche von den ihrem Jammer und ihrer ungestillten Sehnsucht überlassenen Königl. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- SUdd. Klasien-Lotterie A. Ostermaler.. Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Beginn der 11. (237 ) Lotterie mit Ziehung I. Klasse am 8. u. 9 Januar 1918, 2. Klasse am 12. u. 13. Februar 1913, 3. Klasse am 12. u. 13. März 1918, *. Klasse am 9. u 10. April 1918, 5. Klasse (Hauptuna Schluflziehung) beginnt am 7. Mai und endet am 3. Juni 1918. Lose in grofler Auswahl stets vorrätig. Preis für die 1. Klasse; für V« V* V« lh 5 10 20 40 M. Bei den folgenden Klassen sind die Vorklasseii stets nachzubezahlen. 386