Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 49 (7.12.1917)
- Date
- 1917-12-07
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das Jüdische Echo 529 3m Änitfittf liiöifdjf irßiilu'iiljönö m Imtfalm “V1 Örgcmtfatton rein europätfdj 3folierl)äuferfürSlnftecftenbe ©efd)äftsleitung: ^ranhfurta m #öd)fte ‘Slnerftemtung oßer ^e^örben ^Joftfc^echhonto 9tr. 7785 S'rhft. o. 3K* Stufnafjme unterfdjiebslo© für %lie ftd) für geroiff entsafte Uebernaf>me non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer — Soweit — ©ebenhtafet — Stiftungen. 2ttan forbere bie Q3ebingungen ein. Briefe p rieten ttoef) SRöberbergtoeg 63 literarisches Echo Lazarus Friedmann: Die Emanzipation der Ostjuden und ihrEinfluß auf die Westjuden. Ein Wort zur rechten Zeit. Frankfurt a. M. 1917. Komm.-Verl. J. Kauffmann. M. 1.20. Die Umwälzungen in der politischen Lage der rußländischen Juden haben naturgemäß zu vielen Äußerungen Anlaß gegeben, die zum großen Teile von den Vertretern bestimmter politischer Programme herrührten. Es mangelten bisher Stimmen aus dem Teile der Judenschaft, die bisher alle jüdischen Fragen als außerhalb ihres Interessenkreises liegend ansahen. Der in Mainz lebende greise Verfasser führt von manchen Gesichtspunkten aus die Notwendigkeit eines engeren brüderlichen Zusammenschlusses von West- und Ostjuden vor Augen. Seine gute Kenntnis der hauptsächlich in Berührung mit den Westjuden kommenden Teile des osteuropäischen Zweiges des jüdischen Volkes, seine richtige Beurteilung des Verhaltens der Westjuden zu diesen Stammesgenossen, geben dem Autor das begründete Recht, Hauptquellen bisheriger Mängel aufzuweisen und Wege zu ihrer Beseitigung zu zeigen. Erfreulich ist besonders die Entschiedenheit, mit der die hochmütige Ablehnung, die vielfach unsere Generalgrößen und Repräsentanten den Flüchtlingen aus dem Abgrund politischer und wirtschaftlicher Drangsale entgegenbrachten, zurückgewiesen wird. Der Wert des Menschen im Westjuden, besonders aber seine Bedeutung für die geistige Erhaltung des Judentums wird trefflich aufgezeigt. So gewinnt Friedmann mit der Mahnung, daß die Westjuden nicht allein der gebende Teil sein, sondern auf dem Gebiete jüdischer Verlebendigung das Vorbild des Ostjuden in sich aufnehmen sollen, einen allseitigen, das ganze Problem erfassenden Standpunkt. Auf Grund der Forderung brüderlichen Einander-Kennen-lernens der Juden gibt der Verfasser die Anregung zu einer Ersetzung der Im Gebiete der Mittelmächte wirkungslos gewordenen „Alliance israelite universelle“, die sich durch ihr Verhalten in den letzten Jahren das Vertrauen der Judenheit verscherzt hat, durch eine umfassende Organisation unter deutscher Führung, die er vorläufig „Achawo“ (Brüderlichkeit) dejnnt. Dieses Hilfswerk will er wegen der bisherigen Führerschaft durch deutsche Vertreter der „Wissenschaft des Judentums“ am besten in Deutschland begründet wissen. Im Hinblick auf die weitere Notwendigkeit geistiger und materieller Fürsorge für die Juden des nahen Orients möchte er eine solche Organisation ehestens entstehen sehen. Schließlich tritt et mit Hinweis auf die weltpolitische Förderung der Einwanderung nach Palästina, die er mit Bestimmtheit voraussieht, aufs wärmste für die Errichtung einer hebräischen Hochschule in Palästina ein und beleuchtet die mannigfaltigen ideellen und materiellen Vorzüge einer solchen Gründung. Ohne überall den Optimismus des Verfassers teilen zu können, glaube ich jedoch, daß der Dank für seine Bemühungen nicht ausbleiben und seine Mahnung zu besserem gegenseitigen Verständnis zwischen West und Ostjuden auf fruchtbaren Boden fallen wird. Doch ist hiezu die Gründung einer neuen Organisation nicht vonnöten. Vielmehr lassen sich innerhalb des Rahmens schon bestehender Organisationen, zu denen in erster Linie die Weltvereinigungen der „Zionistischen Organisation“ und d|er „Agudath Jsrael“, aber auch die „Wiener Alliance“ und unter gewissen Bedingungen der „Hilfsverein deutscher Juden“ zu zählen sind, die Ziele des Verfassers ebenso gut verfolgen. Wenn die Anregungen Friedmanns, wie zu wünschen, auf offene Öhren und willige Herzen stoßen, so dürften seine Wünsche, in welcher Form auch immer, verwirklicht werden. Im Felde. Theo Harburger. Feuilleton Ein Chanukkatraum. Von L. J. Perez. Deutsch von Alexander Eliasberg. Und ich irrte wieder — im Traume... Wenn der Mensch im Wachen irrt, so ist es nicht gefährlich! Auch die Engel irren. Oft sehen wir, wie ein Stern am Himmel von seiner Bahn abirrt und in die Tiefe stürzt... Lange irren kann man nicht... Man blickt durch die hohle Faust um sich und erkennt einen bekannten Stern oder das Dach eines bekannten Schlosses oder einer Kirche und weiß sofort, wo man sich befindet! Und nützt das nicht, so wirft man sich nieder, drückt das Ohr an die Erde, hört irgendwo eine Stimme oder einen Laut und geht hin. Schlimmsten Falles hört man in einem Dorfe einen Hund bellen und läßt sich vom Hundegebell leiten... Und auch wenn das alles nicht hilft, so kann man noch immer nicht von Lebensgefahr sprechen: es gibt ein Auge, das alles sieht, ein Ohr, das alles hört, und alle Schafe sind gezählt! Eine Hand