Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 49 (7.12.1917)
- Date
- 1917-12-07
- Page
- Seite 530 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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530 Das Jüdische Echo Nr, 49 streckt sich aus, packt den Irrenden am Kragen und stößt ihn in die Mitte der Schafherde, wo es so sicher und so warm ist... Und alles geht wieder seinen alten Gang: Kopf an Schwanz, Kopf an Schwanz!... Wiie ist es aber, wenn man im Traume irrt? Da gibt es kein Auge, kein Ohr und keine Hand ... Keinen Himmel über dem Kopfe, keinen Boden unter den Füßen... In einem einzigen Augenblick kann man in dem grauen Nichts Ewigkeiten und Unendlichkeiten durchwandern! Das Schlimmste aber ist, daß man naqh einem solchen Traum nicht sofort erwacht... Man hat zwar offene Augen und geht mit den andern in der sicheren Mitte der Schafherde, die Seele ist aber noch nicht ganz wach: sie träumt und irrt weiter. Man packt den Schwanz eines schmutzigen Schafes in der Meinung, daß es Gott weiß was wäre, und führt ihn an den Mund... Es ist zum Verrücktwerden! Ich irrte also im Traume! Es ist noch ein Glück, daß ich nicht allein war ... Der Traum war grau und wüst, aber ich sah doch das Aufleuchten von Blitzen, Lichtern, Fackeln und Lampen ... Ich will es euch der Reihe nach erzählen: Sobald ich in das graue Nichts versank, wurde ich auf mich selbst böse! Und wenn ich auf mich selbst böse bin, pflege ich mich laut, mit erhobener Stimme zu schimpfen; vor mir selbst habe ich doch keine Angst! „Pechvogel!“ schimpfe ich: „Wie kann der Mensch sich verirren?“ „Der Mensch,“ sage ich weiter, „hat zwei sichere Anhaltspunkte: jeder Mensch weiß: woher er kommt und wohin er zu gehen hat... Und wenn man diese beiden Punkte kennt, so ist es nicht schwer, den rechten W'eg, den kürzesten Weg zwischen den beiden Punkten zu finden! Wenn ein Hund zu einem Menschen läuft, wählt er auch den kürzesten Weg!“ Und wie ich mich so mit Vorwürfen überschütte, spüre ich plötzlich den Geruch von alten Zwiebeln. Jemand legt mir seine Hand auf die Schulter, und eine helle Stimme fragt: „Was schreist du?“ Im grauen Nichts erscheinen vor mir zwei leuchtende Augen. Ich erschrecke ein wenig und beantworte die Frage mit einer Gegenfrage: „Wer bist du?“ „Ich habe Heringe zu verkaufen!“ antwortet mir die Stimme. „Und hast dich verirrt?“ „Nein, ich gehe eben, Heringe einkaufen ...“ „Warum gerade Heringe?“ „Heute sind es Heringe, morgen Eier, übermorgen Hasenfelle... Wie es gerade trifft.“ „Und wo wohnst du?“ „Nirgends!“ antwortet er. „Aber ich bin auch nirgends ganz fremd ...“ „Und wo gehst du hin?“ „Wohin man mich gehen läßt...“ Plötzlich sehe ich vor mir einen weißen Bart schimmern. „Was seid Ihr,“ frage ich erschrocken: „alt oder jung?“ „Älter als alle und jünger als alle,“ antwortet er. „Ich werde immer wieder neu geboren ...“ Ich bin darüber gar nicht erstaunt. Plötzlich überkommt mich das glühende Verlangen, einen, der immer neu geboren wird, zu begleiten. „Nehmt mich doch mit!“ bitte ich ihn. „Gut, von mir aus!“ sagt er. Und wir gehen... Ich folge dem Glanz seiner Augen, dem Schimmer seines weißen Bartes... Und sehe ich den Schimmer nicht, so höre ich seine helle Stimme... Und wenn ich die Stimme nicht höre, so spüre ich den Geruch der alten Zwiebel... Jedenfalls bin ich nicht mehr allein! „Die Beine brechen unter mir zusammen!“ klage ich nach einer Weile. „Man darf nicht stehen bleiben,“ antwortet er etwas streng. „Sonst erstarrt und erfriert man ..“ „Es ist alles so grau, ohne Himmel, ohne Sterne, ohne einen einzigen Lichtstrahl... „Es wird ein Licht geben,“ antwortet er, wie mir scheint, etwas ironisch. „Es wird ein Licht geben... Doch nicht aus der Höhe... Es wird von der Seite kommen ... Je finsterer die Nacht Bekanntmachung. 1. Die Zwischenscheine für die 4V2% Schatzanweisungen der VI. Kriegsanleihe können vom 10. Dezember d. J. ab in die endgültigen Stücke mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Der Umtausch findet bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W 8, Behrenstraße 22. statt. Außerdem übernehmen sämtliche Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung bis zum 15. Juli 1918 die kostenfreie Vermittlung ^les Umtausches. Nach diesem Zeitpunkt können die Zwischenscheine nur noch unmittelbar bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“ in Berlin umgetauscht werden. Die Zwischenscheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach den Beträgen und innerhalb dieser nach der Nummernfolge geordnet einzutragen sind, während der Vormittagsdienststunden bei den genannten Stellen einzureichen; Formulare zu den Verzeichnissen sind bei allen Reichsbankanstalten erhältlich. Firmen und Kassen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine rechts oberhalb der Stücknummer mit ihrem Firmenstempel zu versehen. 2. Der Umtausch der Zwischenscheine für die 5% Schuldverschreibungen der VI. Kriegsanleihe findet gemäß unserer Mitte v. Mts. veröffentlichten Bekanntmachung bereits seit dem 26, November d. J. bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“. Berlin W 8, Behrenstraße 22, sowie bei sämtlichen Reichsbanken mit Kasseneinrichtung statt. Von den Zwischenscheinen für die I., III.. IV. und V. Kriegsanleihe ist eine größere Anzahl noch immer nicht in die endgültigen Stücke mit den bereits seit 1. April 1915, 1. Oktober 1916, 2. Januar. 1. Juli und 1. Oktober d. Js. fällig gewesenen Zinsscheinen umgetauscht worden. Die Inhaber werden aufgefordert, diese Zwischenscheine in ihrem eigenen Interesse möglichst bald bei der „Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W 8, Behrenstraße 22, zum Umtausch einzureichen. Berlin, im Dezember 1917. Reichsbank-Direktorium. Havenstein. v. Grimm.