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Das jüdische Echo · 1917-11-30 · 48 (30.11.1917) · p. Seite 517

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 517 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 517 deren radikalste Vorkämpfer schon die heiligen Stätten bedroht sahen, der Bewegung seine Unterstützung zugesagt. In London, in Paris winkt man den Zionisten jedes Versprechen zu, um sie als Objekt der erstrebten syrischen Souveränität schon jetzt sich zu verbinden. In Washington soll noch in diesem Monat ein Kongreß die Frage zur Vorlegung auf den Friedenstisch reif machen, und Wilson trägt sich schon mit dem Plane, Palästina als Pufferstaat zwischen die englische und die erhoffte französische Interessensphäre einzuschieben. Das hat die deutsche Regierung erkannt, und sie tut alles, was sie als Bundesgenosse eines unabhängigen Reiches zum Schutz der Juden in Palästina unternehmen darf. Denn man weiß auch bei uns, daß dem Zionisten, der, je reiner, um so parteiloser in diesem Kriege fühlen muß, dennoch am Siege der Zentra Imächte aus politischer Erwägung gelegen sein muß. Seit Herzl, dem Österreicher, sind alle Führer dieser internationalen Vereinigung Deutsche gewesen, der Sitz des Komitees ist seit langem Berlin, Kongreßsprache, Presse, der Vertreter in Konstantinopel, der Leiter in Syrien sind deutsch, — der letztere, einer der stärksten Kenner Syriens, Dr. A. Ruppin, hat jetzt ein grundlegendes und vorbildliches Werk über „Syrien als Wirtschaftsgebiet“, fast ohne Literatur, geschrieben. Würde dennoch Palästina in irgendeiner Form englisch, so würden die deutschen leitenden Männer ihre Arbeit irritiert fühlen, und eine neue englisch orientierte Bewegung würde, bei der großen Fähigkeit englischer Kolonisatoren, bald aus den Söhnen der hier angesiedelten Juden citysüchtige junge Leute machen, die nach Europa ebenso rasch zurückwandern und ebenso rasch aus syrischen Bauernsöhnen westeuropäische Akademiker werden möchten, wie sich dies als Folge der ganz französischen Versuche der „Alliance Israelite“ mit erschreckender Schnelle ergab. Das zu vermeiden, strebt die Kulturpolitik des Zionismus durchaus nicht vorwiegend nach Bildung und keineswegs nach jener Überbildung, auf die der bewegliche Geist des Juden so schnell reagiert. Ist er auch von Natur kein Bauer mehr und bietet ihm auch Palästina nur sehr wenig Gelegenheit, sich ackerbauend zu betätigen, so ist er doch ein trefflicher Pflanzer und vermag, bei dieser Arbeit der Hände, seine Intelligenz besonders in der Organisation des Verkaufes zu nutzen. Schon lange haben die Kolonien Absatz-Genossenschaften gegründet, eigene Schiffe gechartert, ihre Früchte und ihren Wein nach Liverpool verfrachtet, schon heut sind sie selbständig, und nur für Schulen und einzelne Anstalten werden ihre großen Stiftungen in Anspruch genommen. Orte, die dem türkischen Reiche früher 3000 Piaster Steuern zahlten, entrichten jetzt 300 000, die allgemp,'"en Steuern sind im letzten Jahrzehnt um 100, der Zehnte ist um 700 v. H. gestiegen, im Sandschak von Jerusalem stehen 700 Araber im Lohne jüdischer Dörfer, und ein einziges zahlte voriges Jahr eine Million Franken Löhne an arabische Arbeiter. Mit modernen Maschinen werden neue Methoden der Arbeit unter den umwohnenden Arabern verbreitet, Malariaherde entgiftet, in Versuchsanstalten die besten Bedingungen der Pflanzungen studiert. Schwer und langsam vorzubereiten, dann aber mit glänzenden Resultaten zu bauen, ist das Los des Farmers in Palästina, und vergleicht man Bedingungen und Resultate dieser Küstenstriche mit jenen, die man als Sammelpunkte der Juden in Nord- und Ostafrika ins Auge faßte, so bleiben diese weit zurück hinter den Obstkulturen von Jaffa, hinter dessen schnellen Verbindungen mit Iden Häfen des nördlichen Mittelmeeres. Alles scheint, wirtschaftlich und ethnographisch, für diese Wahl des Sammelpunktes zu sprechen. Und doch ist es nicht dies allein. Mag immer der moderne Zionist sich seines rein wirtschaftspolitischen Gedankenganges mit jenem Stolze rühmen, mit dem der heimliche Romantiker in diesen Zeiten sein Herz zu panzern trachtet, es bleibt ein Rest von irrationalem Fühlen, das diese Führer den Auswanderer gerade an diese Stelle der Welt zu ziehen drängt. Auch mit der Ähnlichkeit der Sprachen, die sie mitbringen und die sie antreffen, mit diesem Hinweis auf die gemeinsamen Wurzeln des Arabischen und des Hebräischen wäre, selbst geistig, noch nicht viel erklärt. Ein uralter, halbverwitterter Rasseninstinkt ist es, der die reifsten und die reinsten Vertreter dieses Volkes mit mächtigen Impulsen immer aufs neue an die Küste treibt, von der vor zwei Jahrtausenden die Väter vertrieben wurden, und indem alle politischen und ökonomischen Programme dieser Vereinigung aus dem klaren Lichte der Zahlen und der Vorteile immer wieder in die Dämmerung solcher Urgefühle zurückführen, scheint die Bewegung vor einer Ernüchterung geschützt und immer neu durch jenes heimliche Pathos geadelt, das dem stürmischen und gläubigen Wesen ihres Gründers das Herz brach._ j fnsf- Mrnrn rtr j i Israel, ncmemeaslonat! | Frau ApotMer RomsßMld Ww. 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