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Das jüdische Echo · 1917-11-30 · 48 (30.11.1917) · p. Seite 514

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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514 Das Jüdische Echo Nr. 48 Sache, die auch für die künftige Haltung der Türkei zu den größten Hoffnungen berechtigt. Was Deutschland, was die Türkei durch ein jüdisches Palästina gewinnen würden, das hat erst kürzlich Major E n d r e s in seinem Vortrag (von dem wir in unserer letzten Nummer einen Auszug brachten) so erschöpfend dargelegt, daß wir uns heute eine neue Schilderung dieser Vorteile versagen können. Aber das sei nochmals betont, daß die Juden dem Besitzer Palästinas niemals den Dank für seine Duldung und Unterstützung der jüdischen Ansiedler verweigert haben oder verweigern werdejn, daß die zionistische Organisation vom ersten Tage ihres Bestehens ab der Türkei gegenüber stets die loyalste Haltung eingenommen hat und daß die türkischen sowie die deutschen Juden auch während des Krieges der türkischen Regierung nicht nur als dem Bundesgenossen der Zentralmächte, sondern auch als dem Schutzherrn der palästinensischen Judenheit volle Loyalität bewiesen haben. Ein Abseitsstehen gewisser Kreise der deutschen Juden bei der endgültigen Regelung der Palästinafrage, ein Widerspruch vielleicht gar gegen das Bestreben, die jetzt von den Ententemächten gegebenen Versprechungen auf einem künftigen Friedenskongreß durch alle Mächte besiegeln zu lassen, wäre ein Bärendienst, für den wahrscheinlich die deutsche Regierung ihren Juden wenig Dank wissen würde. Wird es doch bei der endgültigen Lösung der Palästinafrage den Zentralmächten zweifellos darauf ankommen, bei der Befreiung eines in seiner Selbständigkeit gehemmten Volkes mitzuraten und mitzutaten, und es würde ihnen sicherlich höchst unwillkommen sein, wenn die ablehnende Haltung ihrer eigenen Juden sie in der kraftvollen Vertretung ihres Standpunktes beirren wollte. In Wahrheit sind es ja nur einzelne Gruppen im deutschen Judentum, in denen diese Erwägungen die Freude über das große Ereignis ersticken. Die Mehrzahl der deutschen Juden hat genügend politischen Scharfblick, um zu verstehen, daß die englische Erklärung nur den Beginn einer neuen Ordnung bedeutet, daß aber bei der endgültigen Festlegung der jüdischen Rechte in Palästina auch die Zentralmächte und die Türkei selbst um ihre Meinung gefragt werden müssen und dnß diese Stimmabgabe im eigenen Interesse dieser Staaten liegt. Die Überlegung, daß es durchaus im Interesse der Mittelmächte liegt, sich an der endgültigen Regelung der Zionsfrage zu beteiligen, sollte auch Koni gl. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Siidd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier, Mifnchen Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Haupt- und Schlußziehung 5. Klasse beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1917 Kauflose noch vorrätig Preis der Lose: ssV so'm. ioom. 200 m. die Haltung derer beeinflussen, die nicht im Zionismus die Rettung des Judentums sehen. Sie werden, gleichviel ob es ihnen lieb oder unlieb ist, in kurzer Zeit vor der Erfüllung des politischen Zionsideals als vor einer vollendeten Tatsache stehen, und dann wird es gerade ihnen darauf ankommen, daß die politische Stellung der nicht nach Palästina Auswandernden gesichert wird. Lord Balfour hat die Zusicherung gegeben, daß durch die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina die „Rechte und die politische Lage der Juden in irgend einem anderen Lande“ nicht gefährdet werden dürfen. Im Interesse der nicht zur Auswanderung Gesinnten wird es also liegen, daß den Mittelmächten Gelegenheit gegeben wird, sich in Übereinstimmung mit den übrigen Staaten auch ihrerseits für die Innehaltung dieses Versprechens zu verbürgen. Denn — dies sei an dieser Stelle eingeschaltet — der Zionismus wird niemanden zur Auswanderung zwingen, niemandem das Recht der nationalen Selbstbestimmung rauben, sondern nur denen eine Heimstätte geben, die für ihre eigene Person das Leben außerhalb Palästinas als „das Golus“ empfinden. Besonders stark rechinlbn die deutschen Zionisten in ihrem Werben um Unterstützung ihrer Wünsche durch die Türkei und die Zentralmächte auf die Beihilfe der gesetzestreuen jüdischen Kreise. In Deutschland wie im gesamten Europa ist die Orthodoxie in einem fortwährenden Prozeß des Absterbens begriffen, den nichts auf der Welt wird aufhalten können, außer vielleicht die Möglichkeit, die nun dem jüdischen Volke gegeben werden soll, sich in Palästina eigene Lebensformen zu schaffen, bei denen der heute bestehende starke Widerstand der Umwelt gegen die Einhaltung der jüdischen Traditionen fortfällt. Tut die Orthodoxie mit bei dem neuen jüdischen Werk des Aufbaues und der Erneuerung, so erhält sie eine unvergleichliche Gelegenheit zur Geltendmachung ihres Einflusses. Steht sie beiseite, so beraubt sie sich selbst einer Chance, wie die jüdische Geschichte sie wohl niemals wiederbringen wird .... Dr. Hantke bei Czernin. Der Minister des Äußeren, Graf Czernin, hat Samstag das Mitglied des Zionistischen Aktionskomitees, Dr. H a n t k e zur längeren Besprechung empfangen. In der Unterredung zeigte sich der Minister sehr befriedigt von den politischen Aufklärung Dr. Hantkes und sagte ihm die Unterstützung der österreichisch-ungarischen Regierung für die zionistischen Bestrebungen bei der Türkei zu. Das Echo der Erklärung Das „Kopenhagener Büro der zionistischen Organisation“ hat folgendes Telegramm an die Leiter der zionistischen Arbeit in England, die Herren N. S 0 k o 10 w und Dr. Ch. W!eizraann, gerichtet: „Die Erklärung der britischen Regierung ist ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung und wird im Herzen der gesamten Judenheit den stärksten Widerhall finden. Wir beglückwünschen Sie zu dem großen Erfolg und hoffen, daß es unserer Organisation gelingen wird, mit Zustimmung aller Völker und Regierungen zu verwirklichen, wonach das jüdische Volk sich seit zweitausend Jahren sehnt. Es wird niemals vergessen werden, welch

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