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Das jüdische Echo · 1917-11-30 · 48 (30.11.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halb}. M. 2.—, Ganzj. Ift. 4.—, Einzelnummer 10 PL—Verlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 - Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, ft n z e i g e n : Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— ftnzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 48 München / 4. Jahrgang 30. November 1917 Die Palästinafrage. Die Erklärung, die Lord B-Vfour im Aufträge der englischen Regierung und mit Zustimmung der alliierten Staaten an Lord Rothschild riehtete, hat in allen Ländern der Welt ein gewaltiges Echo geweckt. Noch vor wenigen Wochen glaubten zahlreiche Juden und Christen, den Zionismus als die Utopie einiger Schwärmer abtun zu können. Heute sehen sie, daß er von den Großmächten als ein Faktor von weltpolitischer Bedeutung gewürdigt wird, daß die Machthaber der Welt sich bereit zeigen, für die Rechte des nach einer Heimstätte verlangenden Judenvolkes einzutreten. Es kann unmöglich auch nur einen einzigen Juden geben, der so gefühllos und stumpfherzig ist, daß ihn diese Ankündigung einer neuen Epoche in der jüdischen Geschichte gleichgültig läßt. Vor allem natürlich hat das Ereignis und die Fülle von Hoffnungen, die es erweckt, jene aufs tiefste bewegt, die in sich selbst den Zwiespalt ihrer jüdischen Art mit der Art ihrer Umwelt erlebt haben, die selbst die Erinnerung an das Heimatland des Judenvolkes und die Liebe zu diesem Lande im Blute haben, die ahnen, daß ihre eignen Kräfte und die Kräfte ihrer Volksgenossen sich auf dem Boden des eigenen Landes; im Gemeinschaftsleben mit den Stammesgenossen zu ungeahnter Blüte entfalten werden. Und aufs tiefste hat er auch die bewegt, die angesichts einer europäischen Kultur, die sich selbst zermalmt, den tiefen Glauben in sich tragen, daß aus dem Orient dem Abendlande eine neue Erlösung kommen muß, und daß dasselbe Volk, das schon einmal der Menschheit ihr Losungswort zugerufen hat, nach seiner Rückkehr in die alte Heimat aufs neue seine religionsschöpferische Kraft erweisen wird. Aber auch die, denen der Gedanke eines Lebens in Palästina fernliegt, können bei der neuen Botschaft nicht kalt bleiben. Wer auch nur einen Funken von Treue für den Stamm, dem er entsprossen, einen Funken von Mitgefühl für die Glaubens- und Stammesgenossen hegt, den kann die Aussicht nicht kalt lassen, daß Tausende von Juden, die bisher in innerer und äußerer Not verkommen, zu geknechteten Bettlern mit hungrigen Seelen herabsinken mußten, jetzt die Gelegenheit zu einer Existenz erhalten, in der sie an Leib und Seele gesunden können. Und andere, die sich unter Kämpfen vom Judentum schon entfernten, weil sie es unter den heutigen Verhältnissen dem Untergang verfallen glaubten, werden nun aufhorchen bei der Kunde, daß die, welche den Zusammenhang mit dem Judentum noch nicht verloren haben, die in unversiegbarer Hoffnung lebten und nur des Kommandowortes harrten, nun bereit sind, dem Ruf, der an sie ergeht, zu folgen und dem jüdischen Gedanken in der Welt eine neue Kraftquelle zu erschließen. Bei den Juden der Entente und der neutralen Länder herrscht unbeschreibliche Begeisterung; stündlich laufen bei den Leitern der zionistischen Organisation Glückwünsche und Begrüßungen ein. Sicherlich macht man sich in jenen Ländern klar, daß durch Lord Balfours Erklärung noch keineswegs alle Schwierigkeiten gehoben, alle Probleme gelöst sind, die im Zionismus liegen. Aber alle Bedenken treten vorläufig zurück hinter der Freude, von der die Mehrzahl der Juden in jenen Ländern erfüllt ist. Ein viel schwächeres Echo hat die englische Erklärung in Deutschland gefunden. Die Tagespresse mit wenigen Ausnahmen hat sie zwar in ihrer ganzen Bedeutung erkannt, christliche Politiker und Staatsmänner haben ihr die gebührende Würdigung zuteil werden lassen, aber die deutschen Juden haben sie nur mit lauem Herzen, vielfach sogar ablehnend aufgenommen. Der Grund dieser frostigen Aufnahme ist zweifellos der, daß diesem Akt fälschlich eine ungünstige Wirkung auf Deutschlands Interesse zugeschrieben wird. In den deutschen Juden erweckte die englische Erklärung die Sorge, daß die Erfüllung des zionistischen Traumes durch England das Ansehen des britischen Reiches auf Kosten des deutschen Reiches heben werde. Denen, die solche Bedenken hegen, sei eingeschärft, daß ja nicht England allein für die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina eintritt, sondern daß die Regierungen sämtlicher alliierten Großmächte der Erklärung zugestimmt haben, welche die englische Regierung, die nun einmal den Wortführer; dler Ententel'änder g'e-, worden ist, abgegeben hat. Sie seien ferner nochmals daran erinnert, daß die ganze Palästinafrage zur endgültigen Entscheidung erst einem künftigen Friedenskongreß wird vorgelegt werden müssen, und daß dann an den Zentralmächten die Reihe sein wird, dem zionistischen Werk ihre Unterstützung zu leihen und sich in dieser großmütigen Handlung nicht durch die Ententeregierungen den Rang ablaufen zu lassen. Daß wenige Tage nach dem Bekanntwerden der Botschaft der österreichische Ministerpräsident Graf Czemin das Mitglied des Engeren Aktionskomitees Dr. Hantke empfangen hat, ist der deutliche Beweis dafür, daß auch die Regierungen der Mittelmächte den zionistischen Wünschen mit freundlichem Interesse gegenüberstehen. — eine Tat-

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