Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 495 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 495 der Herzog ihn schimpflich behandeln, abweisen, immer stellte er sich ohne falsche Empfindlichkeit mit lächelnder Miene ein. Er trieb den erfolgreichsten gerissensten Juwelenhandel, heimste auf allen Fluren seine Schätze ein. Bald nach seiner Verhaftung gelang es ihm, aus seinem Haus zu entfliehen; er wurde eingefangen, zurückgebracht, dort, wo heute das Hotel Marquardt steht, riß ihn das Volk aus der Kutsche, wollte ihn steinigen. Dann kam er auf Festungen, am längsten, bis kurz vor seinem Tode, saß er auf dem Hohen-Asperg; ein langwieriger Prozeß begann, dauerte fast ein Jahr. Im Grunde war es ein überflüssiges Verfahren, die Menge schrie: Der Jude muß gehängt werden. Richter und Beisitzer hatten sich dies vom ersten Tag an vorgenommen. So sehr man sich bemühte, das Ergebnis der langen Verhandlungen war gering, belanglose Unregelmäßigkeiten ließen sich hier und da nachweisen, keine eigentliche Schuld stellte sich heraus und trotz des Hasses wurde allgemein bemerkt, wie lange er dem Zusetzen standhielt, sich ritterlich weigerte, die Namen seiner oft angesehenen Häusern entstammenden Geliebten anzugeben. Endlich versagten seine Nerven, und in den Akten befinden sich bedenkliche Listen! Seine offenkundige Sinnlichkeit brach ihm den Hals; nach einem alten, seit langem nicht mehr ausgeü'bten, aber doch nicht aufgehobenen Gesetze stand Todesstrafe auf geschlechtliche Beziehungen zwischen Juden und Christen. Zwar wurde dieser Buchstabe nur auf ihn, nicht auf die Mitschuldigen, wie das hätte geschehen müssen, angewandt; auch was die Helfershelfer, die Schöffen Hallwachs und Remchingen anbetrifft, sollte er allein das Sündenopfer büßen. Mit geringfügigen Strafen sind sie alle davongekommen, dem Süß dagegen wurde im Rathaus das Todesurteil gesprochen. Er war wie rasend, verfluchte seine Richter. Allmählich faßte er sich, die Bekehrungsversuche abweisend, erbat er sich den Trost und Beistand seiner Glaubensgenossen, berauschte sich am Gedanken, als Religionsmärtyrer zu sterben „zur Heiligung des 'göttlichen Namens“. Er stiftete eine Summe, auf daß Rabbiner für seine Seele beten sollten; bedachte seine Verwandten, bestimmte, daß man überall in den Synagogen seinen Tod bekanntgeben solle, und „warnte“, dies ist vielleicht der sympathischste Zug in dem farbigfesselnden, aber unschönen Leben, „vor der großen Hoffart“. Indessen hatten die Stuttgarter Schlosser einen Käfig geschmiedet, denn mit der grausen Phantastik jener Zeiten sollte, auf seinen Größenwahn anspielend, ein Ausnahmetod ihm werden. Jeder Meister hatte seinen Schlag an dem Käfig verrichten müssen, und tat ihn mit Genugtuung: und Freude. Am 4. Februar 1738 bestieg Süß in einem goldverbrämten hoten Staatsrock, weißseidenen Strümpfen, Schnallenschuhen, Castorhut und Perücke auf dem Marktplatz den Karren. Ein alter Holzschnitt zeigt die Abfahrt, den Karren, die Truppen, die Menge. Das Herrenhaus in dem er zuletzt saß, in dem das Malefizglöckle erklang, auch das Rathaus, in dem der Stab gebrochen und ihm zu Füßen geworfen wurde, sind niedergerissen, aber noch umstehen reihenweise den Marktplatz jene alten Giebelhäuser, die diesen Aufzug mitangesehen. So groß war die allgemeine beglückte Erwartung, daß ein Erlaß anbefahl, in jedem Haushalt müsse ein Mensch Zurückbleiben, auf daß die Stadt nicht vereinsame. Dentist Strobel früher über 7 Jahre bei Herrn Hof-Zahnarzt Dr. med. Brubaeher tätig Luitpoldstraße 8 Ecke Prielmayerstr. gegenüber Warenhaus Tietz. Konservierung kranker Zähne und Wurzeln. Spezialität: Plattenloser Zahnersatz. Ganze Gebisse. Erstklassige Ausführung. ■■■■■■■■■■■■ Zahnoperationen mit den neuesten schmerzlosen Mitteln. Telephonische Nr. 53611. Anmeldung erwünscht. Sprechzeit nur Werktags von 9—5 Uhr. SCHREIB ♦ BÜRO*' Ahscbriltefl ■-4^ 1 Dlliliile SIEGFRIED lochen, Schälzenslr, la/il (Kontorh. Imperial) Tel. Ueine Xrren ItäixAe u9//ot&nman ^München, Sfflaximiliajiab: tl \ Elektrolyt Georg Hirtbj Energiesteigered | ■ In jeder Apotheke erhältlich in: Pulverform S (zu 0.50, 2.25 und 6 Mk.); » Tablettenform (zu 0.50, 1.50! und 3.20 Mk.). — Literatur S kostenfrei. — Hauptvertrieb und Fabrikation: 5 Ludwigs-Apotheke München j Neuhau8er8tr. 8. ■ Albert Diederich München, Türkenstr. 60 (früher Adalbertftr.) Fernsprecher 22261 Uebernahme von Wohnungseinrichtungen, Anfertigung sämtlicher Polstermöbel und aller einschlägiger Arbeiten