Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 492 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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492 Das Jüdische Echo Nr. 46 r~. Berichte von den Ortsgruppen haben bestätigt, daß die Vereine überall außer der politischen Tätigkeit auch auf kulturellem, wirtschaftlichem und professionellem Gebiet eine lebhafte Tätigkeit entfalten. Die Konferenz konstatierte, daß ungeachtet aller finanziellen und politischen Schwierigkeiten, trotz des Mangels an intellektuellen Kräften sowie trotz des stark fühlbaren Fehlens eines speziellen Parteiprogramms, die Poale-Zionistische Bewegung in Polen sich sehr gut entwickelt. Im Jahre 1915 noch eine kleine, aus 500 Mitgliedern und vier Vereinen (Warschau, Lodz, Czenstochau und Bendzin) bestehende Gruppe, umfaßt die Organisation gegenwärtig 46 Ortsgruppen mit einer Gesamtzahl von mehr als 8000 organisierten Parteigenossen. Es wurde ferner konstatiert, daß bei der jüdischen Arbeitermasse in Polen ein dankbarer Boden für den zionistischen Gedanken vorhanden ist. Eine Reihe von Resolutionen wurden angenommen, die sich auf das jüdische Gemeindeleben, auf die Tätigkeit der Ratsmänner in den polnischen Stadtverwaltungen beziehen. Besonderes Interesse widmete die Konferenz den Organisationsangelegenheiten. Das neue Organisations- Statut, welches eine Einteilung in Organisationsibezirke vorsieht, ist gebilligt worden. Das österreichische Okkupationsgebiet ist mit Rücksicht auf die dort herrschenden speziellen politischen Verhältnisse in einen besonderen Parteibezirk eingeteilt worden mit einer Vertretung im Verbandskomitee von Polen. Zuletzt schickte die Konferenz Begrüßungen an das Verbandsbureau des skandinavisch-holländischen sozialistischen Komitees, an die Parteigenossen in Palästina und Rußland, an den Poalezionistischen Führer Borochow anläßlich seiner Ankunft in Rußland und an die Parteigenossen in den Gefangenenlagern. Juden und Polen. Die Berichte über die Übergehung der Juden in dem Schulerlaß für Polen haben auf die holländische Öffentlichkeit tiefen Eindruck gemacht. Die einflußreiche Haager Zeitung „Nieuwe Courant“ richtet an die polnische Adresse die folgenden warnenden Worte: „Wir wollen hoffen, daß man für die Juden und Ruthenen Garantien schafft, die sie vor Vergewaltigung bewahren, deren ganze Bitterkeit die Polen selbst wohl kennen gelernt haben, während man nichts davon merkt, daß sie gegenüber den Minderheiten in ihrer eigenen Mitte milder gestimmt wären. Die Juden in England und der Zionismus. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag erfährt noch folgende Einzelheiten über die Bewegung in England für ein jüdisches Palästina: Die Bewegung hat mit besonderer Macht auch den orthodoxen Teil der englischen Judenheit erfaßt. In London fand eine Konferenz der Synagogengemeinden statt, welche folgende Resolutionen annahm: 1. Die Konferenz der Repräsentanten der Synagogen, am 14. Oktober in London abgehalten, erklärt sich für den Wiederaufbau Palästinas als einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die englische Regierung sich bemühen wird, die Erreichung dieses Zieles zu ermöglichen. 2. Die Konferenz verpflichtet sich, die zionistischen Führer in ihren Bemühungen für die Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. Die zionistische Aktion der jüdischen Arbeiterschaft Englands. Dem Jüdischen Korrespondenzbureau im Haag wird aus London geschrieben, daß die Berücksichtigung der jüdischen Forderungen durch die Labourpartei in den jüdischen Arbeiterkreisen lebhafte Empfindungen der Dankbarkeit und Genugtuung geweckt haben. Der Jüdisch - Sozialistische Arbeiterverband „Poalei- Zion“ hat eine Konfernz der jüdischen Arbeiterorganisationen einberufen, der folgende Resolution zur Annahme empfohlen wurde: Die Konferenz der Vertreter der jüdischen Arbeiterorganisation drückt ihre größte Genugtuung mit dem Beschluß der Labourpartei aus, in die Friedens^ bedingungen der englischen Arbeiterklasse die Forderung aufzunehmen, den Juden in allen Ländern alle elementaren Rechte der Toleranz, Freiheit der Einwanderung und im Handel, und gleiche Bürgerrechte einzuräumen, damit es als freier Staat eingerichtet werde, damit die jüdischen Massen. die es wünschen; dorthin zurückkehren und ihre eigene Befreiung dort durchführen, ungehindert von jedem ihrer Rasse oder Religion fremden Einfluß. Die Konferenz erklärt ihre volle Zustimmung zu diesen Forderungen und drückt ihre Hoffnung aus, daß die Friedenskonferenz diese Forderungen annehmen wird, die Völker sie veröffentlichen werden, indem sie dem jüdischen Volk seine Selbständigkeit und Freiheit wiedergeben, die ihm vor zwei Jahrtausenden geraubt wurde. Die Ito. Die Mitglieder der territorialistischen Organisation (Ito) in London haben in letzter Zeit eine Reihe von Beratungen abgehalten, in denen die Frage der Neuregelung der Beziehungen zum Zionismus behandelt wurde. Die Verhandlungen wurden zuweilen in leidenschaftlicher Form geführt. Dr. Jocheimann hat in warmen Worten auseinandergesetzt, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen es notwendig sei, daß die Ito ihr Verhalten zum Zionismus ändere und, wenn eine Möglichkeit vorliegt, den Zionismus mit ihrer Mitarbeit unterstütze. Mr. Zwangwill sprach sich nicht dagegen aus. Dagegen ist Mr. Lucien Wolf, der dem Ito-Rat angehört, stark gegen diesen Vorschlag aufgetreten. Schließlich ist eine Resolution zur Annahme gelangt, derzufolge die Leitung der Ito beauftragt wird, mit den Zionisten in Unterhandlungen zu treten, um festzustellen, welche Chancen der Zionismus im gegenwärtigen Moment hat. Die Resultate sollen dem Ito-Rate zwecks weiterer Verhandlung vorgelegt werden. Jüdischer Turnu. Sport-Verein München. Auf dem Felde der Ehre erlitt den Heldentod durch eine Fliegerbombe unser lieber Turnbruder LEO KÖNIGSBERGER im Blütenalter von 20 Jahren. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. DER TURNRAT.