Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 491 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 491 seine lebensquellende Persönlichkeit und die sittliche Reinheit, war ein geborener Führer. Er habe den Blick der deutschen Juden nach vorwärts gerichtet, nicht als Bittender und Flehender, sondern als aufrechter freier Mann hat er die Gleichberechtigung der deutschen Juden mit hinreißender Beredsamkeit gefördert und vertreten. „Was vergangen, kehrt nicht wieder, Aber ging es leuchtend nieder, Leuchtet’s lange noch zurück.“ Geheimer Justizrat Dr. Eugen Fuchs hielt im Namen der Hunderttausende, die sich um das Banner des von Horwitz geführten Centralvereins deutscher Staatsbürger geschart haben, die eigentliche Gedenkrede, in der er als jahrzehntelanger Freund und Mitstreiter den Lebenslauf und das Wirken des Entschlafenen schilderte. Seine Eigenschaften waren Schlagfertigkeit und Witz, schnelles Erfassen und Zufassen, Großzügigkeit ohne Pedanterie, Kritik, die auch vor dem lieben Ich nicht Halt machte. Ein scharfer Verstand und eine Rede, die Ehrloses schonungslos geißelte, anderes liebenswürdig abfertigte. Hinter der Ironie schlug ein warmes und stets hilfsbereites Herz. Er trat, nachdem er frühzeitig sich ein glückliches Heim geschaffen. 1893 zum ersten Male in das öffentliche Leben, als die antisemitische Bewegung den Rechtsfrieden der deutschen Juden bedrohte und die Regierung terrorisierte. Er trat dem damals gegründeten Centralverein bei und wurde bereits ein Jahr darauf Vorsitzender des Vereins, den er durch alle Stürme und Angriffe fest und sicher geführt hat,. Er erkannte auch die Bedeutung einer zusammenfassenden Organisation und trat deshalb für die Gründung des Verbandes der Deutschen Juden ein, dessen Vorsitzender er gleichfalls später wurde. Der Reichtum seines Wirkens war unübersehbar. In ihm vereinigten sich Judentum und Deutschtum zum wahren Menschentum. Justizrat Kuznitzky widmete dem Entschlafenen Worte des Dankes für die Förderung der Interessen, die er der Großloge für Deutschland U.O.B.B. habe angeihen lassen. Wenn Horwitz auch aus Mangel an Zeit in der Großloge nicht körperlich als Führer tätig war, so war er doch einer ihrer geistigen Führer; außerdem ein vorbildlicher Erzieher und Lehrer des deutschen Judentums, ein unermüdlicher Streiter für Glaube und Heimat. Feldrabbiner Dr. Italiener Rankte Horwitz im Namen der Feldrabbiner und der Rabbiner des Deutschen Reiches dafür, daß er die Erneuerung und Entsendung von Feldrabbinern bewirkt hat. Was 1870 nicht gelungen sei, sei diesesmal erreicht worden. Die Feldrabbiner bilden draußen das Band zwischen dem jüdischen Soldaten und der Heimat. Diese kämpfenden jüdischen Soldaten sind die Früchte der Saat, die Horwitz ausgestreut hat. Auch sein eigener Sohn ist für das Vaterland gefallen und hat mit seinem Tode das Gelöbnis besiegelt, ein treuer Jude und treuer Deutscher zu sein. Gerade die Feldrabbiner überzeugen sich täglich davon, wie treu, zuverlässig und diszipliniert der jüdische Soldat angesichts des Todes seine Pflicht tut. Dies sei zum nicht geringen Teil dem Wirken des Entschlafenen zu danken. Mit einem Schlußgesang fand die erhebende Feier ihr Ende. Bannfluch gegen die Kriegswucherer! Die Rabbiner der Wieluner Kreises ersuchten, wie die „Selbstwehr“ berichtet, um die Erlaubnis, den Bannfluch gegen jene schleudern zu dürfen, die Lebensmittel aus den Städten dieses Kreises ausführen und zu wucherischen Preisen verkaufen. Nachdem sie diese Erlaubnis erhalten haben, wurden in den Tempeln dieses Kreises, das ist in Wielun, Wiernozaw, Lukow, Preszcze und Boleslawice, Gottesdienste abgehalten. Die Rabbiner hielten Reden und sprachen bei Hörnerklang den Bann aus. Der Bannfluch trifft nicht nur die Kaufleute, sondern auch die Käufer, denen nicht erlaubt ist, höhere Preise als Normalpreise zu zahlen. Personal Veränderungen in Polen. Die „Warschauer Zeitung“ berichtet, daß auf Vorschlag des Professors Dickstein, der jüdische Historiker Hypolyt Grünwasser zum Referenten der jüdischen Gemeinde und Religionsangelegenheiten beim polnischen Departement für Religion und Bildung ernannt wurde. Ferner berichtet das genannte Blatt: Mit der Wahrnehmung der Seelsorge für jüdische Heeresangehörige im Generalgouvernement Warschau ist Seminardirektor Dr. Carlebach vom Kriegsministerium betraut worden. Der V. Delegierten-Tag der „Poale-Zion“ in Polen. In Warschau hat kürzlich die fünfte Konferenz der jüdisch-sozialistischen Arbeiterpartei, „Poale-Zion“, stattgefunden. An der Konferenz nahmen außer den Vertretern des Zentralkomitees 44 Delegierte, Vertreter von 26 Städten, teil. Aus verschiedenen Ursachen —. namentlich wegen Reiseschwierigkeiten — hatten eine Reihe von Gruppen keine Möglichkeit gehabt, ihre Vertreter zu schicken. Die Konferenz hat unter anderem Begrüßungen vom Poale - Zionistischen Verbandsbureau in Stockholm und von Berliner Genossen bekommen. Die Konferenz dauerte vier Tage und erledigte folgende Punkte der Tagesordnung: Berichte, Stellungnahme zum Krieg und zur Internationale, die nationalen Forderungen der jüdischen Arbeiter, Gemeindewahlen, Schulfragen, Beziehungen zu anderen Parteien, Professional© Tätigkeit, Verlag, Presse, Organisation und Wahlen. Die f Die „WIRKLICHKEIT ”* r* *7 m L ia!fi ihm iim^I D /vnLI' Herausgeber: —^ Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. Die „Wirklichkeit“ ist die einzige politis he Wochenschrift, welche von sich s*gen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu Herausgeber: Karl Graf v. Bothmer, Mönchen, nehmen wie sie sind, den Sinn für das geschichtlich Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit“ hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrilch geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. Man verlange kostenlos Probehefte beim Verla , München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216 a), der Buchhandel und der Verlag.