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Das jüdische Echo · 1917-11-16 · 46 (16.11.1917) · p. Seite 490

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
46 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
Seite 490 (sequence 6)
Language
German
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490 Das Jüdische Echo Nr 46 manchmal eine leise Ahnung des Gemeinschaftsgefühls heraus, aber er konnte doch nicht auf die verschiedentlichen Judentümer verzichten und fühlte sich den russischen und polnischen Juden gegenüber ganz fremd. Er schätzte wohl ihren Geist und Witz, betrachtete sie aber stets doch mit den Augen des deutschen Juden, der die Kultur in Pacht zu haben glaubt. Trotz seines jüdischen Empfindens fühlte er sich als Nationaldeutscher, der wie heute schon damals sagte: in jüdischen Dingen jüdisch, in deutschen deutsch — aber stets nationäl! in jedem Volk dabei. Nachdem Grätz Palästina 1872 besucht hatte, erzählte er von den tiefen Eindrücken, welche er dort empfangen hatte; er war entsetzt von der Not und dem Elend dort und forderte in einer Denkschrift Bekämpfung der Frühehen, Errichtung von Schulen, Waisen-, Krankenhäusern und ähnlichen Instituten. Auch mit Leo Pinsker, der ihn nach der Kattowitzer Konferenz 1884 besuchte, trat er in Verbindung. Dieser Chowewe- Zion-Bewegung trat er zwar Anfangs bei, zog sich aber wegen der für ihn zu nationalistischen Propaganda alsbald zurück. Die hebräische Sprache hat er sehr geliebt, sein Interesse für die Wiederbelebung der hebräischen Dichtungen Jehuda Hälevis und anderer war sehr groß und gab er zu diesem Zwecke eine „Blumenlese neuhebräischer Dichtungen“ Lekeh Schoschanim heraus. Diese Liebe für alles Jüdische, die jede Seite seines großen Geschichtswerkes durchzieht, sichert ihm ewiges Gedenken beim jüdischen Volke als eines echten Nationaljuden. Ich komme nun zum Schlüsse. Rüstig und frisch, wie er sich fühlte, gönnte er sich auch im Alter wenig Schonung; bis in seine letzten Lebensjahre beschäftigte er sich mit bibelkritischen Studien. Bei einem Besuch bei seinem Sohne, Universitäts- Professor Grätz in München, ereilte ihn in der Nacht des 7. September 1891 im 74. Lebensjahre der Tod, ein Herzschlag hatte seinem erfolg- und arbeitsreichen Leben ein Ende bereitet. Die Leiche wurde nach Breslau überführt und dort unter größter Teilnahme zur letzten Ruhe gebettet. Wie wenige vor ihm hat er den Ruhm Zions verkündet und —- wie einer seiner Biographen hervorhebt — aus dem Quellengrund für die Bekenner des einzig-einigen Gottes Trost und Labung, Hoffnung und Erhebung in reicher Fülle hervorströmen lassen. Welt-Echo Antisemitische Methoden. Es muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der antisemitische Feldzug mit den gemeinsten Waffen geführt wird, die sich ausdenken lassen. Nachdem es judenfeindlichen Blättern mißglückt ist, Gustav Meyrink zu einem Juden und seine Verspottung der deutschen Pastorenfrau zum Werk eines jüdischen Christenfeindes zu stempeln, scheut sich neuerdings eine antisemitische Zeitung nicht, ihn zum Herold des —Ritualmordes zu machen. Mit welcher Schamlosigkeit einerseits und welcher Gerissenheit andrerseits das Blatt vorgeht, beweisen die ihm entnommenen nachstehenden Sätze: „Eine schamlose Verhöhnung aller moralischen Begriffe, ein frevelhaftes Spiel mit einem furchtbaren Verbrechen, ein satanischer Haß gegen unser deutsches Volkstum: das sind die drei Dinge, die in dieser Probe zu finden sind und die sich überall finden, wo der Geist des Abgrunds am Werke ist. Man kann von Herrn Meyrink höchstens sagen, daß er seinen wilden Deutschenhaß offener ausspricht, als sonst bei seinen Vettern üblich ist, und das ehrt ihn am Ende mehr, als daß es ihn schändet. Wir bitten den Leser zu beachten, mit welcher Glut sein Haß zischt, wenn er vom pinselblonden „Deutsehen Biest“ spricht und unser Blut als „wendisch-kaschubisches Obotritenblut“ verhöhnt. Seine Stimme nimmt aber sofort einen ernsten Klang und eine respektvolle Färbung an, wenn er von „Moses uraltem Gesetz“ spricht und man fühlt, daß es trotz allem Dinge gibt, die ihm heilig sind, nur daß sie zu unserem Malheur nicht im Deutschtum, sondern im alten Testament liegen. Wir möchten die Pöbelei, die hier gegen die deutschen Pastorenfrauen begangen ist, nicht unterschätzen und würden es berechtigt und in mancher Hinsicht heilsam finden, wenn die deutschen Geistlichen den Fall zu einer gründlichen Behandlung in ihrer Presse aufnehmen würden. Nichtsdestoweniger fällt uns noch stärker die schwüle Mordlust auf die Seele, die aus diesen Zeilen strömt. Man fühlt sich in eine dunkle Zeit zurückversetzt, in der aus religiösen Motiven und zu rfeligiösen Zwecken gemordet wurde. Man nimmt mit einem Schauder wahr, wie hier der mystische Aberglaube nicht nur einen Mord plant, sondern auch von der christlichen Pastorenfrau, die das Opfer des Messers werden soll, mit einem Zynismus spricht, den wir anderen nicht einmal einem Tier gegenüber zu Wege brächten. Vielleicht war es die Aufgabe dieser Novelle, diese Mischung von finsterer Mystik und Mordlust darzustellen. Vielleicht wollte Herr Meyrink uns überzeugen, daß tatsächlich mit dem Mord an christlichem Blut ein dunkler, religiös verbrämter Kult getrieben werden kann.“ Es muß ein geringes Reinlichkeitsgefühl dazu gehören, Schulter an Schulter mit Herrschaften, die derartiges schreiben, in politische Kämpfe einzutreten. Eine stimmungsvolle Trauerfeier für den entschlafenen Justizrat Dr. Maximilian H o r w i t z fand Sonntag Mittag im dichtgefüllten Kaisersaal des Rheingold in Berlin statt. Die Feier wurde durch Gesang (Weinbauerscher Chor) eingeleitet. Geheimer Justizrat Abgeordneter Cassel sprach im Namen des Verbandes der Deutschen Juden, zu dessen Begründern Horwitz gehört hat und an dessen Leitung er bis zu seinem Tode hervorragend beteiligt war. Durch die unbeugsame Kraft seines Willens, die feste zielsichere Hand, die glänzenden Gaben seines Herzens und Geistes, 1 9(gf. ‘Bayer. && ‘Porzetfan* 1 1 \TTlanufakiur ‘Kympßenburg I {Hauptniederlage QJlüncßen: Odeonsplag / % ff ® {Kunst* u. ßuxusgegenstände, F’afelbessert*, M iKaffeeu. Feegescßirre, ‘Figuren, Gruppen etc. K Bnacfc affen Tympfienburger Original. ‘IKodeiien. Q {Außerdem neue Formen und QTlodelle naeß Gnt• würfen erster Ftlüncßner ‘Künstler.

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