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Das jüdische Echo · 1917-11-16 · 46 (16.11.1917) · p. Seite 489

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
46 (16.11.1917)
Date
1917-11-16
Page
Seite 489 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 489 Ute Mjfintiitt liiöifrtir itanluiiliau» i» grturalem v ßrgantfatton rein europäifcf) 3fotteri)äufer für5lnfted?enbe ©efdjäftsleitung: Frankfurt a. 3K. ^dc^fte 5tner&ennung aller 55el|örbett ^3oftf^e(hfeonto 9lr. 7785 3*rfcft. a. 2R. Slufttaljme unterfdjtebslos für 511 le $ält fid) für gerotffenljafte ttebernafptte non Stiftungen empfohlen! betten — 3immer — 3af}raeit — ©ebenfetafel — Stiftungen, ajlon forbere bie 53ebingungen ein. Briefe 51t rieten nach 9töberbergmeg 63. Am 31. Oktober 1887 hatte er das Glück, umgeben von zahlreichen Schülern und Freunden seinen 70. Geburtstag zu feiern; aus allen Weltgegenden liefen Huldigungen ein, und eine Unmenge von Adressen, Glückwünschen und Ehrengaben bewies, wie allgemein seine Würdigung und Verehrung in der gebildeten Judenschaft der Welt Platz gegriffen hatte. Mit besonderer Freude und stolzer Genugtuung erfüllte es ihn, als die spanische Akademie zu Madrid ihn, den Juden, der in seinem Werk mit der spanischen Nation sicher nicht glimpflich ins Gericht gegangen war, im Oktober 1888 zu ihrem Ehrenmitglied in der historischen Abteilung ernannte. Ich möchte nun mit einigen Worten die Stellung von Grätz zum nationalen Judentum berühren. Zwar war Grätz auf die Orthodoxen derer um Hirsch nicht gut zu sprechen, aber die ganze Schale seines Zorns goß er über die Reform aus. Der ganze 11. Band seiner Geschichte bildet einen Protest gegen die Reformer; gegen David Friedländer, den „Affen Mendelsohns“, gegen Homberg, den er den Religionsbuchverfertiger im Aufträge der österreichischen Polizei nannte, gegen die Jakobson, Herz, Holdheim usw., kurz gegen alle jene, die Heine maliziös die „Hühneraugenoperateure des Judentums“ nannte, die nicht mehr die Kraft haben zu fasten, zu hassen, einen Bart zu tragen und zu dulden. Sein jüdisches Empfinden lag. wie er sich in einer Schrift im Jahre 1883 ausdrückte, jenseits der konventionellen Parteisch'ablbne, oder wie er sich ausdrückte, „der Buntscheckigkeit der jüdischen Konfessionen“. Er war erfüllt von dem jüdischen Ideal jener Ethik, die es verhinderte, daß die Kultur der Totengräber der Judentums wurde und es befähigte, in 3000jähriger zäher Existenz die Kraft der Rasse rein zu erhalten. Die Lücke, die in der Welt entstünde, wenn die Judenheit und das Judentum von der Bildfläche verschwänden, zu vermeiden, müsse jeder Jude und jede Jüdin als heilige Aufgabe betrachten; damit, wie er sagte, der Faden, der sie mit der mehrtausendjährigen Ahnenreihe verknüpft, nicht abreiße, nicht etwa aus gewissem Trotz oder falschem Ehrgefühl oder Adelstolz, sondern aus dem überwältigenden Pflichtgefühl, damit das Wjunder dies Fortbestandes unseres Volksstammes sich fortsetze und sichtbar sei. Grätz faßte das Judentum durchaus als eine nationale Einheit auf (wie Josef Meist in seiner Schrift bemerkt), als eine Einheit, die, um nicht mit modernen Begriffen völlig identifiziert zu werden, nähere Erläuterungen bedarf. In einem Aufsätze im Jahre 1846 bemerkte er: „Das Judentum ist im strengen Sinne gar nicht Religion, wenn man darunter das Verhältnis des Erdensohnes zu seinem Schöpfer und seine Hoffnungen für seine hieniedige Lebensrichtung versteht — sondern es ist in diesem Sinne ein Staatsgesetz. — Die Thora, die israelitische Nation und das heilige Land stehen in einem, ich möchte sagen, magischen Rapport, sie sind durch ein unsichtbares Band unzertrennlich verknüpft. Das Judentum ohne den festen Boden des Staatslebens gleicht einem innerlich ausgehöhlten, halbentwurzelten Baume, der nur noch in seiner Krone Laub treibt, aber nicht mehr imstande ist, Äste und Zweige schießen zu lassen. — Ihr könnt das Judentum einem Sublimierungsprozeß unterwerfen, aus der Fülle seines Inhaltes moderne Gedanken extrahieren, und diesen Extrakt mit bedeutendem Wortgeklingel, mit brillanten Stichwörtern als den eigentlichen Keim des Judentums! ausposaunen, ihr mögt für dieses sublimierte, idealisierte Judentum in euch eine Kirche erbauen und ein Glaubensbekenntnis votieren, so habt ihr doch nur einen Schatten umarmt, und die trockene Hülse für die saftige Frucht genommen. Ihr besitzt weder das Judentum, wie es die Schrift in unzweideutigen Buchstaben lehrt, noch das Judentum, wie es die dreitausendjährige Geschichte, noch das Judentum, wie es in der Überzeugung der Majorität seiner Bekenner unerschüttert lebt.“ In der Einleitung zum 5. Band seiner Geschichte vindiziert er dem Judentum nicht nur für die biblische Zeit, sondern auch für das Exil den nationalen Charakter. Seine Geschichte, bemerkt er, „ist keineswegs eine bloße Religionsgeschichte, weil sie nicht bloß den Entwicklungsverlauf eines Lehrinhalts, sondern auch einen eigenen Volksstamm zum Gegenstand hat, der zwar ohne Boden. Vaterland, geographische Grenze und ohne staatlichen Organismus lebte, diese realen Bedingungen aber durch geistige Potenzen ersetzte. Über die kultivierten Erdteile zerstreut und sich an den gastlichen Boden fest anklammernd, hörten die Glieder des jüdischen Stammes nicht auf, sich in Religion, Geschichte, Sitte und Hoffnung als einheitliches Wesen zu fühlen... * Der jüdische Stamm fühlte, dachte, sprach und sang in allen Zungen der Völker, welche ihm herzlich oder engherzig Gastfreiheit boten, aber er verlernte seine eigene Sprache nicht, sondern liebte und veredelte sie nach Maßgabe der Kulturstufe, die er mit der Gesamtmenschheit erklommen hat . . Deutlicher kann ein moderner Zionist das nationale Wesen des Judentums nicht betonen. Und doch trennt Grätz von den heutigen Zionisten eine weite Kluft. Aus seinen Schriften tönt wohl

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