Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 488 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Das Jüdische Echo!Sr. 46 sehen öffentlichen Meinung ist Die Rede Jonescus befriedigt aber die Judenheit nicht. Die Juden aller Länder fordern die unmittelbare Emanzipation ihrer Brüder in Rumänien. Sie fordern die sofortige Einstellung der brutalen Judenverfolgung seitens der rumänischen Militär- und Zivilbehörden. Die Juden aller Länder sehen in der rumänischen Judenfrage eine Angelegenheit, die alle Völker angeht, und beharren, — da sie während 38 Jahren sich eine richtige Vorstellung vom rumänischen Ehrenwort machen konnten — auf ihrer Forderung internationaler Garantien für die gesetzliche und faktische Gleichstellung der rumänischen Judenheit. Heinrich Grätz. (Schluß.) Die steigende Anerkennung und Verehrung, deren sich Grätz erfreute, erreichte ihren Höhepunkt, als er im Jahre 1869 von der preußischen Regierung zum Honorarprofessor an der Universität Breslau ernannt wurde; eine Ehrung, die bei seinem Mangel an einem zunftmäßigen Stufengang der gelehrten Laufbahn doppelt in die Wagschale fällt. Das letzte Dezennium seines Lebens fällt in die Zeit des in Deutschland auflebenden Antisemitismus, und hiedurch sollte sein Lebensabend nicht ohne Trübung dahinziehen. Der bekannte Historiker Treitschke benützte Katheder und Presse, um über den Geist der Überheblichkeit herzuziehen, der neuerdings in jüdischen Kreisen erwacht sei und eine Gefahr für das Deutsche Reich bedeuten sollte. Er wies besonders auf Grätz hin, der in seiner Polemik gegen das Christentum angeblich kein Maß halte und in seiner jüdischen Geschichte sich sogar über die deutsche Nation ganz respektlos äußere. Grätz erwiderte, und Treitschke widmete ihm einen Artikel, in welchem er seine Behauptung unter Beweis zu stellen suchte, wobei er die angeführten Stellen meistenteils aus dem Zusammenhang löste und es an Sophismen nicht fehlen ließ. Die Führer der jüdischen Intelligenz in Berlin mochten die Tragweite dieser Bewegung unterschätzt haben, keinesfalls waren sie über die Mittel sich klar, um der immer höher anschwellenden Flut zu begegnen; die Ausfälle Treitschkes wollte man jedoch nicht unerwidert lassen, weil man in ihnen mehr als die Auslassungen eines Professors zu vermuten Grund hatte. Daraufhin ließ der als national-ökonomischer Schriftsteller bekannte, als lauterer und edler Charakter hochgeschätzte H. B. Oppenheim sich verleiten, auf die herausfordernden Inkriminationen Treitschkes, ohne weitere Prüfung, Grätz, dessen Schriften er eingestandenermaßen gar nicht recht gelesen hatte, über Bord zu werfen und ihn „als einen taktlosen und zelotisch einseitigen Mann, dessen große Gelehrsamkeit durch die Absurdität seiner Nutzanwendungen um ihren ganzen Segen gebracht wird“, abzutun. Diese eigentümliche Verteidigung&weise des Judentums hatte einen geradezu tragikomischen Eindruck gemacht und hatte zwar niemanden tief aufgeregt, aber sie erwies sich als symptomatisch für die Gesinnung und Denkweise der geistigen Notabilitäten der damaligen Be^linfer, Judenschaft resp. ihrer Vertreter. Eine weitere Kränkung sollte Grätz einige Jahre später nicht erspart bleiben. Wie Bloch in seinem Lebensbild von Grätz berichtet, trat eine Verkennung und Unterschätzung der Bedeutung, die Grätz als Historiker gewonnen hatte, in bedauerlicher Weise zu Tage, als bei der Bildung der vom deutsch-israelitischen Gemeindebunde ins Leben gerufenen historischen Kommission zur Herausgabe von Quellen der Geschichte der Juden in Deutschland, 1885, gerade Grätz übergangen und vcyiig ignoriert wurde. Wenn auch die Kommission aus hochangesehenen Gelehrten zusammengesetzt war, so gab es in ihr doch keinen, der die für diese Zwecke unentbehrliche Kenntnis des jüdischen Schrifttums in dem Maße und in dem Umfange wie Grätz besaß. Was in seiner Heimat gegen Grätz an Rücksichtslosigkeit gesündigt wurde, das wurde von London ausgeglichen, als er von dort im Jahre 1887 die ehrenvolle Einladung erhielt, die englisch-jüdische Ausstellung historischer Sehenswürdigkeiten mit einer Vorlesung zu eröffnen. Die Ehrungen dort, wie die Eindrücke, die er da empfing, gehörten zu seinen schönsten und glücklichsten Erlebnissen und ließen ihn die Hoffnung aussprechen, daß von England und Amerika dem Judentum neues Heil erblühen werde. "ßiuThallmaier /ixyfU&ferant München Theatinevttr.tö. O^cn^aHanß.