Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 46 (16.11.1917)
- Date
- 1917-11-16
- Page
- Seite 487 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138221--01760-9074584- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 46 Das Jüdische Echo 487 Zur Bildung eines nationalen Klubs: Um die Vereinigung aller national - jüdischen Parteien durchzuführen, beauftragt die Konferenz das neue Zentralkomitee, einen jüdischen nationalpolitischen Klub zu bilden. Politische Resolutionen: 1. Die dritte Konferenz der polnischen Zionisten proklamiert die nationale Forderung des jüdischen Volkes und verlangt, daß bei der bevorstehenden internationalen Regelung der völkerrechtlichen Beziehungen das Recht des jüdischen Volkes zur Schaffung eines jüdischen nationalen Zentrums in Palästina anerkannt werde. Ferner fordert die Konferenz das Recht der nationalen Selbstbestimmung und -Verwaltung für die Juden jener Länder, wo sie in großen Massen wohnen. 2. Die Konferenz fordert das Zentralkomitee auf, die Initiative zur Einberufung eines jüdischen Kongresses in Polen zu ergreifen, wo die vereinigten jüdischen nationalen Parteien zum Schutze der jüdischen nationalen Rechte gemeinsam vertreten sind. 3. Die Konferenz protestiert energisch dagegen, daß die polnischen Richter gegen die Juden veraltete, in Wahrheit nicht mehr existierende Gesetzesbeschränkungen anwenden, z. B. die Verbannung der Juden aus den Dörfern laut einer veralteten russischen Administrations-Verordnung, die in Rußland selbst längst abgeschafft worden ist. *■ 4. Die Konferenz protestiert gegen die Forderung spezieller Krankenhaussteuern von jüdischen Kranken in den allgemeinen Krankenhäusern, da die Juden außer der allgemeinen Steuer auch Spitalsteuer zahlen. 5. Nachdem jetzt eine zentralpolitische Macht in beiden Okkupationsgebieten geschaffen wurde, bevollmächtigt die Konferenz das neugewählte Zentralkomitee, an die Zentralmächte einen dringenden Antrag zur Abschaffung der obenerwähnten Beschränkungen einzureichen. 6. Die politische Kommission zusammen mit der zionistischen Ratsmänner-Delegation schlagen der Konferenz vor, das Zentralkomitee zur Ausarbei- * tung eines Projekts und Programms betreffs der Einberufung einer Konferenz zu veranlassen, an der alle jüdischen Ratsmänner, Magistratsräte und Sejm-Mitglieder Polens teilnehmen sollen. Das rumänische Ehrenwort. Das jüdische Korrespondenzbureau in Bern schreibt: Vor einigen Tagen berichteten die jüdischen Korrespondenzbureaus in Stockholm und Bern über grausame Judenverfolgungen in Rumänien. Als Antwort darauf erschien in den schwedischen Blättern ein Dementi der rumänischen Regierung. „Die rumänische Regierung“ — heißt es — „dementiert kategorisch die in gewissen ausländischen Zeitungen publizierten Behauptungen, daß die jüdische Bevölkerung in Rumänien schlecht behandelt werde.“ Wir sind an offizielle Dementis, die Bestätigungen sind, gewöhnt. Aber dieses Dementi der rumänischen Regierung ist gewiß ein Meisterstück schamloser Lüge. Entgegen diesem Dementi gab der Staatsminister Take Jonescu in der rumänischen Kammer während der Debatte über die Reformen der Konstitution folgende Erklärung ab: „Kein verantwortlicher Mensch hält es für möglich, daß wir unserm Vaterland Provinzen angliedern, in welchen Israeliten wohnen, die wir zu rumänischen Bürgern machen müssen, während unsere eigenen Israeliten die unter unsern Fahnen gekämpft haben, bei uns Fremde bleiben. Deshalb ist der Punkt, mit dem wir uns jetzt beschäftigen müssen, derjenige der Lösung der israelitischen Frage, aber jener breiten, vollständigen Lösung, wie es einem Lande gebührt, das sein Wort gegeben hat und Wert darauf legt es zu respektieren.“ Hier wurde der Staatsminister vom antisemitischen Deputierten Guza unterbrochen, was ihm Gelegenheit zu folgender Fortsetzung gab: „Rechnen Sie nicht darauf, daß ich, durch Ihre Unterbrechungen eingeschüchtert, die moralische Feigheit begehen werde, eine gewisse Tatsache zu verschweigen, deren Existenz weder Sie noch jemand anders aus der Welt zu schaffen imstande sein wird. Denn da die Regierungen beider Parteien ihr Wort gesagt haben, ist die Ehre Rumäniens im Spiel.und wird das Wort Rumäniens respektiert werden. Ich habe diese Frage absichtlich zur Erörterung gebracht, damit die Israeliten aller Länder es wissen, daß wenn es natürlich und gerecht war, aus dieser Frage eine Waffe gegen uns zu machen, zur Zeit wo wir noch nicht entschlossen waren, es heute unnütz und ungerecht wäre, sich dieser Waffe zu bedienen. Das Werk der Judenbefreiung wird uns desto eher gelingen, je weniger das Ausland sich hier einmengt.“ Es ist erfreulich, daß der Staatsminister zugibt, daß es gerecht war, aus der Tatsache der Judenverfolgungen eine Waffe gegen Rumänien zu machen. Es ist ferner erfreulich, daß der Staatsminister zu verstehen beginnt, daß die Judenfrage in Rumänien die Israeliten aller Länder angeht, und daß er auf die öffentliche jüdische Meinung Wert legt. Merkwürdig ist, daß Rumänien sich erst nach 38 Jahren an sein im Jahre 1878 gegebenes Ehrenwort erinnert hat. Aber der Staatsminister gibt zu, daß damals, beim Berliner Vertrag, es der rumänischen Regierung nicht ernst war um ihr Ehrenwort, daß die Regierung damals noch „nicht entschlossen war.“ Heute versichert der Staatsminister, Rumänien werde sein längst verwirktes Ehrenwort einlösen, daß es ihm aber desto eher gelingen wird, „je weniger das Ausland sich hier einmengt“. Indessen muß gesagt werden, daß gerade diese Rede des Staatsministers die Folge der Intervention des Auslands und des Druckes der jüdi- Musik-Institut Bruno Miiller, Mauchen Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reinecke, Prof. Dr. Heinrich Beilermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler. Gesangs ■ Unterricht für Hausgebrauch, Chor, Konzert u. Bühne (Oper u. Operette, Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) Unterricht in allen praktischen und theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene. (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.