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Das jüdische Echo · 1917-11-09 · 45 (9.11.1917) · p. Seite 488

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
45 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 488 (sequence 4)
Language
German
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488 Das Jüdische Echo Nr. 45 von spärlicher Unterstützung'. Familien, die aus 4—5 Personen bestehen, müssen häufig mit 10 Mark monatlich auskommen. Wenn man in Betracht zieht, daß bei der Rationierung von Brot nur 140 Gramm pro Person täglich gegeben werden, und daß der Preis über dieses Quantum hinaus 60—90 Kop. pro Pfund beträgt, kann man sich schon ein Bild davon machen, wie eine Familie mit 10 Mark monatlich auskommen kann. Die Sterblichkeit hat sich um das vierfache vergrößert. Ältere Leute und kleine Kinder verschwinden. Leute in den Mitteljahren werden infolgeder Unterernährung ganz abgeschwächt und Opfer chronischer Krankheiten. Am schlimmsten ist folgende Neuerscheinung: Der ausgehungerte Organismus greift zuletzt auch das Knochenfett an, welches später, selbst bei reichlicher Ernährung, nicht mehr zu ersetzen ist, und der Betreffende bleibt dann für immer ein Krüppel. Von der Gesamtzahl der jüdischen Kinder im Alter von 3—13 Jahren, die laut Statistik in Warschau bis 90 000 ausmacht, finden in den Kinderheimen, Talmud-Thoras, Gemeindeschulen und sonstigen Institutionen nur ca. 21 000 Kinder Unterkunft. Die restlichen ca. 70 000 Kinder laufen in den Häusern herum, betteln überall und sind den schrecklichsten Einflüssen der Straße preisgegeben. Die jüdischen Mädchen, welche früher der jüdischen Sittlichkeit der ganzen Welt als Vorbild dienen konnten, sinken infolge der Not und des Elends immer mehr in den Abgrund. Für das Sinken der Sittlichkeit kann man die jüdischen Mädchen keineswegs beschuldigen. Dafür verantwortlich vor dem jüdischen Volke sind diejenigen bemittelten und reichen Juden, die sich weigern, genügende Mittel zur Verfügung zu stellen, um die elenden armen Menschen vor dem Hungertode zu retten. So steht die ganze jüdische Bevölkerung in Polen vor einem völligen physischen und geistigen Untergang. Die deutschen Behörden tun alles, um die Lage zu bessern, aber diesem Elend gegenüber reichen die Kräfte nicht aus. Die Juden aller Länder müssen ihr Äußerstes tun, um die unglücklichsten ihrer Brüder vom gänzlichen Untergänge zu retten. Zum Vernichtungskampf der Juden in Rumänien. Der bekannte Rabbiner Moses Revelski aus Ungeni an der rumänischen Grenze berichtet in der Moskauer Tageszeitung „Haam“ Nr. 132 über seine Reise in Rumänien: „Das Schlimmste, was einem Juden in Jassy passieren kann, ist, wenn er beim Gebrauch der jüdischen Sprache ertappt wird. Ich wandte mich häufig an einen Juden auf der Straße, bekam aber nie eine Antwort; die Leute liefen in Schrecken davon. Nachher erklärte man mir, daß ich offenbar nicht wisse, daß man für ein einziges jüdisches Wort, das zufälligerweise gehört werden könnte, ins Gefängnis geschleppt wird. Die „Soroganca“, das schlimmste Gefängnis für Kriminalverbrecher, ist überfüllt mit solchen jüdischen „Verbrechern“. Nur mit großer Mühe konnte ich im Hause eines Juden Wohnung finden. Jeder zugereiste Jude wird nämlich sofort als Spion verdächtigt. Schon am nächsten Tage gab man mir authentisches Material über die Greueltaten gegen die Juden in Rumänien. Ich will nur einzelne krasse Fälle herausnehmen: Ein Mann, Leon Wechsler, ca. 40jährig, wurde in Jassy einberufen und hatte aus Unkenntnis versäumt, dem Offizier den erforderlichen Gruß zu geben. Alle Versuche des Juden, seine Unschuld zu beweisen, seine Beteuerungen, daß er den Offizier nicht rechtzeitig bemerkt habe, blieben erfolglos. Er wurde öffentlich mit der Prügelstrafe gezüchtigt. Nach der Bestrafung verwundete der Leutnant den Juden schwer mit einem Rasiermesser. Wechsler starb nach drei Tagen. Arkiba Polakki erstattete mir folgenden Bericht: Nachdem mein Sohn einberufen war, erhielt ich mehrere Monate keine Nachricht. Schließlich erhielt ich von einem Kommandanten, namens Raspinski, eine Nachricht folgenden Inhalts: „Ich beglückwünsche Sie, Arkiba Polakki, Ihr Sohn ist verwundet worden in Erfüllung seiner vaterländischen Pflicht, als treuer Sohn seines Vaterlandes. Ich selbst habe ihm seine Wunden verbunden.“ Wie erschreckt war ich, als ich nach einigen Tagen in einer offiziellen rumänischen Zeitung las, daß in der Nähe von Grusisti 10 Juden als Spione hingerichtet wurden, und darunter den Namen meines Sohnes fand. Ich begann sofort nachzuforschen und erhielt schließlich von genannten Kommandantem Raspinski folgende Auskunft: An demselben Tage, wo mein Sohn, Albert Polakki, verwundet wurde, sind noch 10 Juden und ca. 90 Rumänen verwundet worden. Als man die Verwundeten auf den Verbandplatz brachte, erklärten einige Sanitätsbeamte, daß die Verwundungen der Juden nicht von Kugeln herstammten, sondern auf Selbstverstümmelungen zurückzuführen seien, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Darauf wurden sie alle zum Tode verurteilt. Ein Augenzeuge berichtet, daß die Soldaten es abgelehnt haben, den Juden Albert Polakki, den sie als guten und treuen Kameraden kannten, zu erschießen, worauf ein Leutnant ihm eine Kugel durch den Kopf jagte.“ Der Rabbiner Revelski hat diesen Vorfall am nächsten Tage dem Minister Take Jonesku berichtet, der versprochen hat, eine Untersuchung einzuleiten. Seitdem sind bereits drei Monate verflossen, ohne daß irgend welche Resultate bekannt wurden.“ Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 künigl. bayer., königl. Württemberg,, grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München.— Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse: „Diringer München*. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Grohto Fabrik und Verlelhänstalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 30000 Kostümen aus allen Zelten u. allen Landern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. 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