Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 45 (9.11.1917)
- Date
- 1917-11-09
- Page
- Seite 486 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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486 Das Jüdische Echo Nr. 45 sympathischen Eindruck. Dann war noch Herr Kaplansky, der an der Ausarbeitung des Zentralberichtes unseres Komitees mitwirkte, und Herr Chasanowitsch da, mit denen ich viel und freundschaftlich verkehrte. Ich habe bei den zionistischen Delegierten ihren Ernst, ihre Hingabe an die Sache, ihre ruhigen und vernünftigen Ansichten schätzen gelernt und eine angenehme Erinnerung an sie bewahrt.“ Der Interviewer: „Wie wirkte es, daß außer den jüdischen Delegationen auch große nichtjüdische siozlialistische Parteien durch Juden vertreten waren?“ Troelstra: „Ich fühle sehr wohl die Schwierigkeiten, welche sich aus dem, was Sie eben sagen, ergeben werden. Der jüdische Arbeiterbund in Rußland hat sich mit den anderen jüdischen sozialistischen Parteien des Landes noch nicht vereinigt. In der politischen Arbeit in Rußland ist indes eine Verständigung erzielt worden. Ebenso wie die national-sozialistischen Letten usw. so treiben auch die Juden dort nationalsozialistische Politik und treten bei den Wahlen mit nationalen Kandidatenlisten auf. Ich habe meine zionistischen Freunde gefragt, ob sie nicht den Kontakt mit den anderen sozialistischen Parteien ganz verlieren. Die Zerstreuung der Juden über alle Länder und die Tatsache, daß sie überall eine Minderheit sind, legen ihren nationalen Aktionen eine gewisse Beschränkung auf. Und vor allem haben wir Sozialisten allgemeine sozialistische Forderungen und Gesichtspunkte, welche die größtmöglichste Einigkeit und Tatkraft unserer politischen Parteien notwendig machen. Ich habe den Eindruck gewonnen, daß die jüdischen Sozialisten, mit denen ich darüber sprach, sich dessen vollkommen bewußt sind. Wenn das aber in der Praxis nicht der Fall sein sollte, dann könnte das eine gewisse reaktionäre Wirkung haben.“ Der Interviewer: „Wie beurteilen Sie die Ansichten für die Durchsetzung der Forderung der Autonomie für die nationalen Minderheiten auf der internationalen sozialistischen Konferenz und dem Friedenskongreß der Regierungen?“ Troelstra: „Man kann heute noch nicht sagen, unter welchen Umständen der Friedenskongreß der Regierungen abgehalten werden wird. Was jedoch unsere sozialistische Konferenz betrifft, so ist diese ganz beherrscht von der Forderung | tDofjIfeüe j i Künftler»p oft kort eit f 3 ftnb bte „3ugenb"*^3oftfearten. 3)ie Sammlung 3 umfafjt 152 uerfdjiebene harten unö 28 Kriegs* 93oRftarten, alles farbige SBiebergaben nad) in ber 9Jtündjner „3ugenb" oeröffentlidjten 3eid)nungen. 2roh großer 'preisjteigerungen in ber £>erftellung Ijaben mir ben alten Ißreis oon 10 Pfennige für jeöe Karte beibetjalten, fo baf) bie „3ugenb"*'poftRarten Ijeute Me billigten Künftlerfarten finb. SUuftr. 35ergeid)niffe oerfenbet koftenfrei ber ü e r I a g ber „3 u g e n 6" 9Jtüncf)en, Ceffingftrafje 1 des Selbstbestimmungsrechtes der Nationen, welche vom russischen Arbeiterrat aufgestellt wurde. Die nationalen Fragen sind früher in der Sozialdemokratie zu sehr vernachlässigt worden. Sie drängen sich jetzt aber in den Vordergrund. Ihre Lösung ist eine Frage der Demokratisierung, und wir Sozialisten haben nur dafür zu sorgen, daß die nationalen Fragen auf eine solche Weise gelöst werden, daß sie einer der Hebel der Weiterentwicklung der Gesellschaft werden und sich dieser Entwicklung nicht entgegenstellen. Das Prinzip der Autonomie einerseits und der Demokratisierung und Föderierung der Nationalitätenstaaten anderseits werden hierbei zur Anwendung und zu einer Lösung gebracht werden müssen.“ Die Zionistische Konferenz in Warschau. Am 28. Oktober wurde die dritte zionistische Landeskonferenz in Polen eröffnet. Rechtsanwalt Olschwanger begrüßte die Erschienenen mit einer hebräischen Ansprache. Anwesend waren 360 Delegierte, darunter 40 Mitglieder des Misrachi und 50 vom Merkas, die meisten davon aus dem deutschen Okkupationsgebiet; nur 18 Delegierte waren aus dem österreichischen Okkupationsgebiet gekommen. Mit der Konferenz war eine Ausstellung von Werken jüdischer Künstler verbunden, die stark besucht war. Als erster Redner sprach Dr. Gott lieb (jüdisch) über die allgemeine Lage der Juden und ihre Beziehung zu den Polen sowie über den Zionismus und begrüßte die befreiten Juden in Rußland sowie die Juden in Palästina. Dr. Rosenblat Lodz (polnisch), begrüßt das polnische Volk und berichtet ausführlich über das Palästina-Ideal und die Juden. Nach einer Ehrenbezeugung für die verstorbenen Zionisten werden die zahlreichen Begrüßungen vorgelesen, darunter auch vom zionistischen Aktionskomitee, unterschrieben von Prof. Warburg und Dr. Farbstein. Dr. K1 u m m e 1 (hebräisch) begrüßt im Namen des Warschauer Komitees die Delegierten und Gäste. Die zweite Sitzung leitet nach einer Wahl des Präsidiums Herr Weizmajmin mit einer Ansprache zuerst in hebräischer und dann in jüdischer Sprache ein. Nach einer Schlichtung der andauernden Wahlunstimmigkeiten und Schließung der Wahlliste reichte L. Schalkowitz folgende Resolution zur Abstimmung ein, die mit großer Begeisterung angenommen wurde: „Die 3. Konferenz dar Polnisch-Zionisitisichen Organisation drückt hiermit dem Skandinavisch- Holländischen Sozialisten-Komitee in Stockholm ihre Erkenntlichkeit aus für die Veröffentlichung seines Friedensmajiifestei,, in 'dem zum ersten Male die jüdische Kolonisation in Palästina erwähnt und die Anerkennung der nationalen Autonomie für die Juden aller Länder ausgesprochen ist.“ Bei der 3. Sitzung am 29. Oktober, die mit der Debatte über den Bericht des Zionistischen Komitees eröffnet wurde, ging es sehr leidenschaftlich zu. Die kritikvolle Rede des Herrn Freund, Warschau, gegen das Z.K. wurde unterbrochen durch folgende vom Kopenhagener Büro einge- ...Ä