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Das jüdische Echo · 1917-11-02 · 44 (2.11.1917) · p. Seite 483

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 483 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 483 Lächeln über diesen „Dilettantismus“ nicht unterdrücken können. Und doch ist von Dilettieren, von Selbsttäuschung und tappenden Versuchen hier, wo ein überaüs selten fehlgehender künstlerischer Instinkt leitet* nicht das Mindeste zu verspüren. Die Charakteristischste Eigenschfe/ft der rasseechten Östjuden ist die mit der Fähigkeit starken geistigen Durchdringens der Materie gepaarte, durch nichts abzulenkende und durch nichts zu beirrende Zähigkeit, mit der er sich in ein Problem beißt, das er lösen, sich in einen Stoff hineinarbeitet* den er meistern will. Genau so scharf-grüblerisch, haarspaltend, nach allen Seiten hin abwägend und hineinleuchtend, stets nach einer noch über der scheinbar gefundenen Lösung stehenden Klärung und Sichtung suchend, wie die Alten im Lehrhause diskutieren und lernen, die tiefen, seltsam verschleierten Augen unablässig über die Bücher einer uralten und doch nicht überlebten Lebensweisheit gebeut, genau so „llernt“ und durchdringt auch der Junge. Gleichviel, ob er sich in marxistische Theorien und in die Lehren moderner Nationalökonomen verbissen hat, oder in philosophische Systeme und in Fragen der politischen Parteipolitik. All diese ererbten und weiterentwickelten Eigenschaften sind es, die einmal zu einer starken Realistik des Spieles der jüdischen Schauspieler, andererseits aber auch zu einer sehr weitgehenden Vergeistigung des Grundgehalts des Stückes führen, als Endergebnis des ständigen Suehens nach den letzten Problemstellungen und Absichten des Dichters. Die Realistik des Spiels, die sich mitunter bis zur strengen Unerbittlichkeit steigert, wird in dieser restlosen Durchführung ermöglicht durch die geradezu verblüffende Beobachtungsgabe, die den jüdischen Schauspielern zu eigen ist. Sie stehen fest mit beiden Füßen in ihrem jüdischen Milieu und blicken mit offenen Augen um sich. Die diesem Kreise entstammenden Gestalten, einerlei ob ein derber, kerniger Flösser und Fischer vom Dnjester, oder eine Heiratsvermittlerin, ein Bankier, oder ein knorriger Pferdehändler, werden vollkommen stilecht und abgerundet auf die Bühne gestellt, in Geste, Tonfall, Maske stilvoll und überzeugend. Dabei holt eine unerbittliche Selbstkritik von Aufführung zu Aufführung mehr aus jedem einzelnen Darsteller heraus. Diese Selbstkritik und Arbeitsfreude, die immer wieder beweisen, daß diesen Schauspielern nicht der Publikumserfolg, sondern die Erfassung und Beherrschung der Materie des Stückes, das „Lernen“ und geistige Wachsen in dieser Arbeit Selbstzweck ist, führt auch dahin, daß man an Stücken, wie Perez’ „Goldener Kette“ unter Umständen sechs Monate arbeitet, ehe die Aufführung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Man will das Stück nicht herausbringen ehe man nicht die sehr wertvollen philosophischen Grundgehalte dieses Werkes nach Möglichkeit ausgeschöpft hat. Eine oberflächliche, rein auf die bühnenmäßige Außenwirkung berechnete Aufführung herauszubringen, wäre diesen Leuten schlechthin unmög* lieh. - Die außerordentlich starke Beobachtungsgabe, die in jüdischen Milieustücken so wurzelhafte und stilechte Gestalten schafft, bewirkt, daß naturgemäß in dem stärker interessierten Zuschauer die Frage aufsteigt, ob nicht trotz aller starken künstlerischen Begabung ein Versagen oder doch ein Abstieg erfolgen muß, wenn das jüdische Theater den ihm vertrauten Umkreis verläßt und es übernimmt, Kreise und Sphären in den Bereich seiner Darstellung einzubeziehen, für deren Wiedergabe und Ausarbeitung nicht empirische Beobachtung herangezogen werden kann, sondern selbständiges geistiges Einfühlen und Umstellen erforderlich ist. Dieses Experiment ist nun des öfteren mit der Auf- Hirth! ■ | Energiesteloemd j ■ In jeder Apotheke erhältlich in: Pulverform! « (zu 0.50, 2.25 und 6 Alk.); §; Tablettenform (zu 0.50, 1.50 ■! und 3.20 Mk.). — Literatur S S kostenfrei. — Hauptvertrieb und Fabrikation: S Elektrolyt ßeorg : Ludwigs-Apotheke München! Neuhauserstr. 8. * S a QEMHLDE GALERIE. .LUITPOLD <7T2üncfr<B72i. Die Antisemiten von Dr. Hans Maier Preis Mark —.380 Buchhandl. Natlonalvercia München, Herzog Maxstr. 4 Bei Einkäufen wolle man sich gefl. auf das „Jüdische Echo“ beziehen. HanilsclirilMeiilimii 10 Zeilen mit Tinte geschrieben und Geburtsdatum Mk. 2.00 per Nachnahme. Gebe auch Unterricht in Graphologie Therese Hilsenbeck, Tattenbachstraße 5/1, Flügelbau. FREY & Co. Bankgeschäft München, Residenzstraße 3 (Eingang Hofgraben) Tel. 27946 Erledigung aller ins Bankfach einschlägigen Geschäfte

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