Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 484 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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484 Das Jütisch* Echo Nr. 44 führung von Übersetzungen deutscher Stücke und von Stücken aus dem russischen und französischen Kulturkreise gemacht worden und ist in den meisten Fällen als überaus gelungen zu bezeichnen. Von der leichteren Kost sah ich hier eine wunderhübsche Aufführung der Fulda’schen „Jugendfreunde“, aber auch an Schnitzlers „Anatoli“ geht man heran und packt ihn mit feinem Verständnis an. Henri Nathansons „Hinter Mauern“, das zwar in einem jüdischen, aber doch in dem vom ostjüdischen nicht nur nuanciell stark verschiedenen dänisch-jüdischen Milieu spielt, wurde so vollendet herausgebracht, daß es einem leid tat, so viel reife Kunst an dieses matte Stück verschwendet zu sehen, das die tiefgreifenden Fragen der Assimilation und der Mischehe mit ein paar seichten kosmopolitischen Phrasen obenhin abtun zu können glaubt. Am stärksten offenbart sich die Begabung der jüdischen Schauspieler in tiefer schürfenden und an seelischen Konfliktsstoffen reichen Tragödien. Die von ihnen herausgebrachte Aufführung einer jüdischen Übersetzung von Arzibaschew’s „Eifersucht“ stellt denn auch darstellerisch einen Höhepunkt dar, den zu überschreiten dem bis ins Innerste aufgerüttelten Hörer kaum möglich scheint. Die Stücke jüdischer Autoren, die zur Aufführung kommen, sind vielfach nur mittelmäßig. Gibt es doch erst seit 1907 eine jüdische Bühne in Rußland. Unter diesen Umständen und angesichts der vielfach strikt ablehnenden Haltung der älteren Generation ist weder ein geschultes Theaterpublikum noch ein sehr großes Repertoire vorhanden. Zumeist spielt man noch Volksstücke, die sich durch starkes Überwiegen des Dialogs über die eigentliche Handlung auszeichnen. Häufig, wie z. B. Nombergs „Die Familie“, haben sie einen scharf-gesellschaftskritischen Hintergrund, oder wie in Hirschbeins „Verwahrloster Herberge“, ist die Handlung in eine sehr reizvolle düstere und gespenstische Symbolik eingehüllt. Stücke, wie die „Erben“ von Schalom-Asch — dessen „Gott der Rache“ auch und zwar mit bewundernswert dezenter Feinheit gegeben wird — wenden sich in vielfach erschütternden Bildern gegen eine ideallose und nicht von altjüdisch-historischem Geist durchtränkte Mädch Umerziehung. Der Arbeiterdichter Gordin macht sich in „Gott, Mensch und Teufel“ das Faustmotiv zu eigen; überall aber erhält man hochinteressante Einblicke in das Leben der jüdischen Volksmassen im Osten. Das offenbare Rätsel der für jeden unbefangenen Hörer offen zutage liegenden eminenten Begabung dieser außerordentlich harmonisch in ihren einzelnen Gliedern zusammengesetzten jüdischen Truppe kann außer durch die oben gemachten Deutungen nur durch die hier erfolgte Offenbarung einer sehr starken künstlerischen Intuition erklärt werden, die, ergänzt durch einen lebendigen Intellektualismus und unbeirrbaren, von idealistischen Motiven diktierten Schaffensdrang, Großes erstrebt. Namen wie der Asroo’s des bald Verträumten, bald Leidenschaftdurchrüttelten und Sturmgepeitschten, wie der des Fräulein A 1 o m i s, die die schmiegsame böse Katze und kalte Kokette genau so meistert, wie die leidvolle, aufopfernde, sanfte Dulderin, wie der der Schöpfer prächtiger Patriarchen und Arbeitertypen, Nachbusch, S ch nei u r und Kowalski sowie Frau Ri wk i n s mit ihren von echt fraulichem Liebreiz übergossenen jüdischen Mustergestalten sollen darum auch hier einmal genannt werden. M. Gmaehle’scbe Leihbibliothek (Inhaber: E. & M. Krau«) 8egr. 1810 MSMlÄlM 49, LütkMl S«gr. 1810 Größtes Leseinstitut Münchens (60000 Bände) Sämtliche Novitäten belletristischen und wissenschaftlichen Inhalts in deutsch, französisch, englisch und italienisch. Oparntexte leihweise — Stadtu. Landabonnement TheatinerstraBe 49, Entresol (Korsethaus Lewandowski. Albert Diederich München, TürKenstr. 60 (früher Adalbertstr.) Fernsprecher 22261 und aller einschlägiger Arbeiten MunthenMasinuliansfr 39 f^nsrtj^ewerblidae Vferksfaffen» iJar/e»a in. Kris fäll ■ Bremse - M&*s*sin& w. , AA» 7/ar BiSen. -Halx.. Kopien alier Lujller (jt-röße,* Muöierlader wm SCHREIB ♦ BÜRO Abschrilteo -E Diktate SIEGFRIED Mönchen/ Sctiülzenslr. la/11 (Kontorh. Imperial) Tel. ZfnJi,. Sf.cW&b*j~ ijeine. Sierren TtäLxJe u!?fflodenmieft 9/ZÜMchen, SS&ucimiiuinjb: U. UfTTRC!17f Kunstgeschichte (mit KV U LN. J-4 Führung) Literatur (verb. mit Lektüre) Französische, Deutsche, Englische Sn rar. he l in allen Gebieten T Unntvn akad. Lehrerin für Kunstgesch. JLOII0 110I1IZ0, und neue Sprachen v. d. Tannstraße 15, II. Aufg. 0 r. — Sprechstunden 3—4 Uhr. Dnck aad Vertagt ». Heiler, Becfcdreckerel, Mftachca. Herze« Maxau. 4. Verantwortlich f«r die Redaktiea i Helene Hanna Lohn. München. Von der Tannstr. 22: iir de« Aaaeiteeteil t H. W, Stftfcr. Mlaeha»