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Das jüdische Echo · 1917-11-02 · 44 (2.11.1917) · p. Seite 481

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 481 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 44 Das Jüdische Echo 481 lautet: „Ich vermache hiermit dreitausend Mark der Genossenschaft „Erez Israel“. Das ist das einzige, was ich noch für die Sache tun kann, die meine Lebensaufgabe werden sollte. Im Felde, den 8. Juli 1917, Dr. Nothmann.“ — Wieder ein rührender Beweis für die Anhänglichkeit eines jüdischen Soldaten an das zionistische Ideal. Für das nunmehr abgelaufene Wirtschaftsjahr 5677 liegen provisorische Jahresberichte der Genossenschaftsgüter Merhawjah und Daganjah vor. Sie sind angesichts der Schwierigkeiten der Kriegslage als durchaus günstig zu bezeichnen. Die Genossenschaft Merhawah wird trotz Requisitionen und anderer empfindlicher Eingriffe in den Gang der Wirtschaft das Jahr 5677 voraussichtlich ohne Verlust abschließen. Jüdischer Arbeiterführer und deutscher Admiral. Von befreundeter Seite erfahren wir, daß die russische Regierung an die deutsche mit dem Ersuchen herangetreten ist, ihr den bekannten jüdischen Arbeiterführer Wladimir Medern, der durch die Besetzung früheren russischen Gebietes ein Untertan des deutschen Verwaltungsbezirkes geworden war, im Austausch gegen einen deutschen Admiral auszuliefern. Dieser Austausch dürfte sich mittlerweile bereits vollzogen haben. literarisches Echo Christenbuch und Judenbuch. Der unternehmungslustige Georg Müller Verlag (München) nimmt sich seit einiger Zeit energisch der Juden des Ostens an. Er hat bereits eine Reihe von Werken ostjüdischer Erzähler herausgebracht und dürfte in der nächsten Zeit weitere folgen lassen. Ein dankenswertes Beginnen, denn nicht allein ist es gut, daß der nichtjüdische und besonders auch der jüdische Westen einen Einblick in die Welt der Ostjuden erhält, sondern die Weltliteratur hat durch viele der jüdischen Werke eine ungeahnte Bereicherung erfahren. Bezeugen doch eine Anzahl unserer maßgebenden Geister, daß sie in diesen Werken die Offenbarung eines unvergleichlich hohen Künstlertums sehen. Neuerdingst hat der genannte Verlag wiederum zwei Bücher über Juden herausgegeben, deren wesentlicher Unterschied darin liegt, daß das eine aus jüdischer Seele heraus geschrieben wurde, während im andren Christen über die jüdische Seele berichten. Das eine ist ein Band Erzählungen des jüdischen Dichters Scholem Alec h e m („A us dem nahen Oste n“, Deutsch von Stefania Goldenring), das andre („V o n polnischen Juden“) ein Novellenbuch polnischer Dichter, unter denen sich Namen wie die von E. Orzesko, W. Dalecka, W. Gounuliski, G. Danilowski, A. Szymanski, F. Brodowski, W. Konopinska, K. Junosy befinden. Ein Vergleich dieser beiden Bücher ist lohnend, denn er beleuchtet hell die gewaltige Verschiedenheit des jüdischen vom nichtjüdischen Denken und Empfinden. Vor allem dies: die Nichtjuden sehen ein Stückchen Welt, in diesem Falle die jüdische Gasse immer im Zusammenhang mit der umgebenden Landschaft, die Menschen dieser Welt immer in ihrer Stellung zur Außenwelt. Und wie das Ghetto als ein schmutziger, unerfreulicher Fleck ihre von den Stimmen, Farben, Formen und Regungen der freien Gottesnatur erfüllten Stinne Verletzt, so verletzt die Armut, die Not, die Bedrückung der Menschen in den Ghettostraßen ihr Gerechtigkeits:- gefühl. So gehen sie denn hin, um als Anwälte dieser Unterdrückten die Mitwelt darüber zu belehren, daß es auch hier mitten zwischen Elend und Niedrigkeit Ehrgefühl, Redlichkeit, Stolz und Liebe — Liebe zum Nächsten und Liebe zur Heimatsscholle — und eine eigenartig tiefe Weisheit gibt. Aber es ist eben doch eine ganz fremde Welt, in der sie nach solchen Edelsteinen des menschlichen Gefühls-schürfen, und es haftet darum jeder einzelnen Erzählung etwas von der Unsicherheit und Fremdheit an, mit welcher der Nichtjude durch das Getriebe der Ghettostraßen geht. Die edelmütigen Juden dieser Geschichten werden leicht z u edelmütig, die tugendhaften Frauen z u tugendhaft, ihre Armut wird z u grausam geschildert, während auf der anderen Seite die Bosheit der christlichen Widersacher oder das Mitleid der Mitleidigen allzu grell in die Erscheinung tritt. Man merkt, daß die meisten dieser Erzählungen nicht einem unmittelbaren künstlerischen Eindruck entsprangen, sondern als Mittel ^zum Zwecke der Verkündigung einer bestimmten Moral geschrieben wurden. Infolgedessen vermögen sie auch dem Leser keinen unmittelbaren künstlerischen Genuß verschaffen. Dagegen findet dieser zwischen den Zeilen manches Licht, das ihr Erzähler — ganz unbewußt —auf das Verhältnis des Nichtjuden und besonders des Polen zum Juden warf. So rollt z. B. Swietochowski mit dem Satze: „Arme, arme Chawa, ich vergebe dir, daß du in meinem Vaterlande arbeiten und mit dessen Brot deine Kinder ernähren wolltest!“ ein ganzes nationales Problem auf, und zwar eines, in dem das menschliche Gefühl offenbar im Gegensatz zur nationalistischen Doktrin steht. Aus einer ganz andren Quelle sprudeln die Erzählungen von Scholem Alechem. Sie stehen jenseits von Gut und Böse, sind ohne jede Tendenz, ohne Reflexion, aus keinerlei andren als rein künstlerischen Gesichtspunkten entstanden. Hier ist die jüdische Gasse eine so abgeschlossene, geistig pJtündjner Jleuefte 31 ad> riefen ©röfjfe/tägf^md erfdjeinenbe 3eitung ©üb» unb 3Jtittefbeutfd)-» Ianb&ftauffräftiger£eferfrei$ unb über ©eutj d)fanb$©rensen f)inau$* geljenbe Verbreitung. ©roher fauf* männ.u.getoerbf.©feffenmarft Sfnerfannt fefjr erfolgreich für Sfnjeigen aller 2frt. äfnjetgen* prei$ unb 3tad)la{? nad) Hanf. SesugSpre $ monail.2JIf.l.50 bei affen beutfcf)en pojtanff alten $ag!id)c Auflage 2 mal I60 000(£fempfare/äber Vz^ttittionlefer

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