Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 480 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 2× ep/1048155
- Sousse 1× ep/1045746
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480 Das Jüdische Echo Nr. 44 Gewalttaten in Rußland. Aus einer Reihe von russsichen Städten kommen Nachrichten von schweren Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung. So haben sich besonders in Kiew und Tambow am Jomkippur Szenen ereignet, die an die schlimmsten Kapitel der jüdischen Vergangenheit in Rußland gemahnen. Judenhetze in England. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: In der letzten Zeit hat die „Morning Post“ eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die mit den Auslassungen der „Nowoje Wremja“ vom revolutionären Zeitalter in Rußland ganz gut konkurrieren könnten. Durch die Ereignisse in Rußland mißgestimmt, findet es die „M. P.“ in ihrer Nummer vom 9. ds. für angebracht, den Soviet als eine Gruppe von jüdischdeutschen Agenten darzustellen, deren deutsche Namen ihre Gesinnung schon von der Ferne verraten, die aber auch mit deutschem Golde operieren und nur deswegen ihre unheilvolle „demokratische“ Tätigkeit entfalten, um die russische Armee zu zersetzen und sie der Sache der Alliierten zu entfremden. Das Märchen von der jüdischen Abstammung Lenins wird wieder aufgedeckt und die ganze russische revolutionäre Demokratie als eine Intrigue deutscher Juden hingestellt. Die biedere „Morning Post“ sehnt ohne jede Scheu das alte Regime herbei und verheißt den Juden die volle Vernichtung in Rußland und den Zusammenbruch der Sympathien für russische Juden in der ganzen Welt, die sich überzeugt habe, daß die von der früheren russischen Regierung gegen sie vorgebrachten Anklagen wahr und gerecht seien. Anderseits ärgert sich die „Morning Post“ außerordentlich über die indische Politik des Ministers Montagu, wirft ihm seine jüdische Abstammung und auch seine aus dieser erklärbare Politik der rein egoistischen Interessen vor, die er auf Kosten des britischen Staates und seiner Sicherheit durchsetzen wolle. Das Blatt schwenkt das rote Tuch, indem es vor einem indischen Irland warnt, das durch die Schuld Montagus und seiner Freunde in der Regierung und der Judenpresse herbeigeführt werden könnte. Nachdem die „Morning Posit“ schon öfters durch solche Angriffe auf einzelne und Gruppen von Juden ihre wahre Gesinnung gezeigt hat, würde man sich über ihre letzten sinnlosen Anschuldigungen nicht wundern, wenn sie nicht gerade in einer Zeit erfolgten, wo die russischen Juden in England in Massen in die englische Armee eintreten, und wo die amerikanischen Juden ihre größte Anstrengungen für die Sache Amerikas und der Alliierten machen. Es scheint, als ob die „Morning Post“ vor einem zu innigen Anschluß der Juden an die Politik der Entente mit allem Nachdruck warnen wollte. Verein iör jüdische Geschichte n. Literalur in München - (E. V.) - Donnerstag, den 8. November d. J. abends 8V4 Uhr in der Münchener Loge, Kaufingerstraße 11 Erster Vortragsabend (Winter 1917/18) 1. Gedenkworte von Herrn Rabbiner Prof, Dr. Werner zum 100. Geburtstage von Heinrich Grätz. 2. Vortrag mit Lichtbildern von Herrn Dr. Karl Schwarz aus Berlin über „Die Kunst der Ostjuden.“ Der Vorstand. Enteignung des jüdischen Besitzes in Saloniki Aus Griechenland kommt die Nachricht von einer bevorstehenden antisemitischen Maßnahme der schlimmsten Art seitens der griechischen Regierung. Im Anschluß an die jüngst erfolgte Zerstörung eines großen Teiles von Saloniki hat die griechische Regierung der Kammer einen Gesetzentwurf vorgelegt, wonach alle Immobilien in Saloniki. die Juden gehören, zwangsweise enteignet werden können. Die Vergütung soll in griechischen Schatzscheinen geleistet werden. Die Verwirklichung dieser Maßnahme würde eine Vertreibung und Vernichtung des Judentums in Saloniki bedeuten, die um so brutaler erscheint, wenn man weiß, daß gerade in dieser Stadt die Juden wirtschaftlich und politisch die führende Rolle spielen. Die liberale griechische Presse selbst verurteilt den Plan der Regierung als ein Verbrechen an der spanisch-jüdischen Bevölkerung der Stadt, die Saloniki aus einer unbedeutenden Balkanstadt zu einem Weltmarkt ersten Ranges und zu einem wichtigen Hafen entwickelt haben. Der Grund dieser antisemitischen Maßnahme der griechischen Regierung des Venizelos ist in der politischen Haltung der Saloniker Juden zu suchen. Diese, früher Anhänger des Venizelos, widersetzten sich aufs energischste seiner ententistischen Politik, der gegenüber sie die Neutralitätspolitik König Konstantins unterstützten. Wegen dieser Haltung scheint nun Venizelos, der sich als Vertreter der „Freiheit“ und der „Demokratie“ gebärdet, und Griechenland von dem „automatischen Militarismus“ seines früheren Königs „retten“ wollte, in dieser Weise jetzt Rache nehmen zu wollen. Die Judenverfolgungen in Tunis. Über die Judenverfolgungen in Tunis sickern jetzt trotz der strengen französischen Zensur einzelne Nachrichten durch, aus denen der große Umfang der Exzesse mit Deutlichkeit zu ersehen ist. Ganz besonders umfangreiche Plünderungen und Verwüstungen werden aus der Stadt Tunis berichtet. Hier sind auch mehrere Morde vorgekommen. Verfolgungen ernsterer Art werden aber auch aus der tunesischen Provinz gemeldet. So sind in Sfax, Sousse, Bizerta und in anderen Städten Juden gemißhandelt worden, Läden geplündert, Waren auf die Straßen geworfen worden. Besonders wird in allen Berichten hervorgehoben, daß an den Exzessen sich in umfangreichster Weise französische Soldaten beteiligt haben. Die Erregung unter der nordafrikanischen Bevölkerung ist begreiflicherweise außerordentlich groß. Jüdischer Nationalfonds. Die Spendeneing ä n g e des JNF, die von jetzt ab mit Rücksicht auf die Kursschwankungen in den Landeswährungen bekanntgegeben werden sollen, haben im September folgende Ziffern ergeben: Rußland Rbl. 40.000, Deutschland M. 32.717 (besetztes Gebiet M. 9028), Österreich K 23.539 (besetztes Gebiet K 5224), Nordiamerrika $ 3668, Holland Fl. 2844 (außerdem Fl. 489 für den Pionierbeitrag), Schweiz Fr. 2382, Bulgarien Leva 2354, England £ 76.45, Dänemark K 715, Schweden K 548, Frankreich Fr. 641, Tunis Fr. 395, Südslav. Länder K556, China £ 10.—, Belgien Hfl. 3.60, insgesamt beim heutigen Kurs Fr. 128.193. Dem Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds ist kürzlich von dem Testament des am 9. Juli 1917 auf dem östlichen Kriegsschauplatz gefallenen Assistenzarzt Dr. Fritz Nothmann aus Breslau Kenntnis gegeben worden, welches folgendermaßen