Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 478 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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478 Das Jüdische Echo Nr. 44 mählich sich vorbereitenden Differenzen zwischen Schüler und Lehrer den Verkehr merklich beeinflußt hätten. Nach der Heimat zurückgekehrt (1840), hält er in einzelnen Orten Predigten, die seinen Freunden so imponieren, daß dieselben ihn veranlassen, eine Universität aufzusuchen um sodann eine Anstellung als „studierter“ Rabbiner zu erlangen. Nach eineinhalb jährigem Aufenthalt in Ostrowo, wo er eine Hofmeisterstelle angenommen hatte, um Mittel für das Universitätsstudium zu erlangen, ging er nach Breslau zum Besuch der Universität. Da er keine Maturitätsprüfung abgelegt hatte, benötigte er hiezu die ministerielle Erlaubnis, die ihm auch nicht versagt wurde, und so betrat er, der Autodidakt — wie ein Verfasser seines Lebensbildes bemerkt — „mit ehrerbietiger Scheu und Spannung die mysteriösen Hörsälie der strengen Wissenschaft um sie oft kopfschüttelnd über die vernommene Weisheit enttäuscht und unbefriedigt zu verlassen.“ Nebenbei verfehlte er schon damals nicht, den Vorgängen in der Gemeinde Breslau seine volle Aufmerksamkeit zuzuwenden. In dieser Stadt waren damals das orthodoxe und das liberale — besser das reformatorische — Prinzip zum erstenmal zusammengestoßen. Die Vertreter beider Parteien griffen einander in schärfster Weise an; der Sieg des liberalen Rabbiners Abraham Geiger führte zu einer Sprengung der Gemeinde. Grätz nahm an dem Auftreten Geigers Anstoß, der sich bei ihm bald zu einer völligen Abneigung gegen denselben entwickelte. Nach dem Tode des angesehenen orthodoxen Rabbiners Tiktin war Geiger, der Kanzel und Gemüter durch seine Rede beherrschte, zum einflußreichsten und populärsten Rabbiner geworden. Doch nicht lange sollte er sich der unbestrittenen Herrschaft erfreuen. Unter Führung Zacharias Frankels bildeten sich Keime einer neuen theologischen Richtung auf mehr konservativer Grundlage, welche alsbald in Grätz einen warmen Anhänger fand. In der bekannten Zeitschrift „Der Orient“, die von Dr. Fürth in Leipzig redigiert wurde, geißeilte er als anonymer Korrespondent in geistvoller Weise die Vorkommnisse in der Breslauer Gemeinde; gleichzeitig führte er sich durch eine wertvolle Rezension des Geigerschen Lehrbuches „Zur Sprache der Mischnah“ auf das Vorteilhafteste in der wissenschaftlichen Welt ein. Um diese Zeit, 1845, wurde er an der Universität Jena zum Doktor promoviert; seine hier gelieferte Arbeit, welche sich mit dem bekannten Buch m’S’ 1SD (Buch der Schöpfung) beschäftigte, hatte ihm die jüdische Gelehrtenwelt erschlossen. Auf einer Heimreise zum Besuche seiner Eltern passierte er Krotoschin, wo er im Hause seines Freundes das Mädchen wiedersah, das ihm schon | fKgf. *Bayer. (Porzeffan* 1 1 ‘TJlanufafctur Olymp heilbarg I g (Hauptniederlage ffllßneben: Odeonsplag 1 g i f 9 (Kunst* u. ßuxusgegenstände, Tafel*, bessert», ® M (Kaffee* u. Teegeschirre, Tiguren, Gruppen eic. K Q nach aßen ‘Rymphenburger Originalcfllödel(en. ß g Außerdem neue Tormen und Wlodelle nach Gnt* j® H würfen erster ffllünchner (Künstler. H JKS^»T8>S>re)S^SXc)j055Xc)3S<5X3SXe)SXc)(SXSß^SSXS!0f als Kind gefallen hatte, die Tochter des Besitzers der bekannten hebräischen Buchdruckerei Mona s c h. Grätz machte aus seinem Gefühle kein Hehl, und da dasselbe erwidert wurde, verließ er Krotoschin als Bräutigam. Kurze Zeit leitete er eine konservative Religionsschule in Breslau, war dann eine Zeit lang an der Nikolsburger Religionsschule beschäftigt, um von da aus die Organisation und Leitung der jüdischen Gemeindeschule in Ludenburg bei Wien zu übernehmen. Es war ein bescheidenes Amt mit einem mäßigen Einkommen, das seiner hier wartete, doch bot es ihm die Möglichkeit, seine häusliche Existenz zu gründen und so seine lang ersehnte Ehe einzugehen. Von hier aus betätigte er sich durch rege Mitarbeit an der von Zacharias Frankel herausgegebenen Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums; diese Arbeiten bedeuten die Vorarbeiten und Fundamente für sein großes Geschichtswerk. Unerquickliche Verhältnisse in diesem kleinen österreichischen Orte veranlaßten ihn, seine Stelle niederzulegen und nach Berlin überzusiedeln. Hier hoffte er für die Ausführung seines Planes, eine Gesamtgeschichte der Juden zu schreiben, einen besseren Boden zu finden. Der vierte Band seines großen Geschichtswerkes, der zuerst erschien, fand in Dr. Veit in Berlin einen trefflichen Verleger, und andere Freunde, unter denen besonders Dr. Mich. Sachs zu nennen ist, standen ihm wohlwollend zur Seite. Im Winterhalbjahr 1852/53 hielt er in Berlin, neben Zunz und Sachs, geschichtliche Vorlesungen für Kandidaten der jüdischen Theologie, die sich großen Beifalls erfreuten. (Fortsetzung folgt.)- Welt-Echo Kriegsgefangenenhilfe. Zum Zwecke der regelmäßigen Unterstützung bedürftiger jüdischer Kriegs- und Zivilgefangener in Rußland, England, Frankreich und Italien steht von seiten eines jüdischen Hilfskomitees ein Unterstützungsfonds zur Verfügung. Angehörige jüdischer Gefangener, die Berücksichtigung ihrer Internierten wünschen, wollen sich an die Kreisauskunftstelle Nürnberg, Württemberger Hof, Zimmer 10, wenden unter Angabe der Personalien und genauen Gefangenen- Adresse des Betreffenden. Zur Berücksichtigung gelangen sowohl bedürftige deutsche als auch österreichisch-ungarische Staatsangehörige. Juden ln der Justizverwaltung. In einem Aufsatz, der dem neuen Justizminister Spahn gewidmet ist, schreibt Geh. Justizrat Freudenthal im „Berliner Tageblatt“: Hinsichtlich der Beförderung von Israeliten zu Landgerichtsdirektoren, Staatsanwälten und zu leitenden Stellungen ist gegen den vorigen Justizminister v. Beseler der Vorwurf der Zurücksetzung der Angehörigen dieses Bekenntnisses erhoben worden. Angenommen, daß es sich als wahr bestätigen sollte, daß bei derartigen Beförderungen bisher die ungetauften Israeliten überhaupt nicht oder nur ganz ausnahmsweise berücksichtigt worden sind, würde dies allerdings ausschließlich auf den Namen Beselers zurückzuführen sein; denn ein Staatsministerialbeschluß, der der Beförderung von Israeliten im Justizdienst im Wege stünde, ist — soviel bekannt — nicht ergangen. Insoweit sind also auch dem jetzigen Justizminister die Hände nicht gebunden. Auch die Erfahrungen, die er im Bereiche seines früheren Wirkungskreises mit