Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 476 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Das Jüdische Echo Nr. 44 Die jüdische Kolonistenfrau. In der jüdischen Jugend macht sich in jüngster Zeit eine Bewegung bemerkbar, die auf eine gesunde, erfreuliche Erneuerung der Volkskräfte schließen läßt: es ist das Streben nach Rückkehr zur Scholle, nach Bearbeitung des Bodens. Eine Pflege dieser in den verschiedensten Teilen der Welt einsetzenden Strömung würde nicht nur dem Judentum neue körperliche und geistige Kräfte zuführen, sondern der jüdischen Jugend neue Berufe erschließen, in denen ihre etwas einseitige Begabung sich in normalerer und erfreulicherer Weise entwickeln könnte. In Deutschland1, Rußland, Amerika, Palästina bestehen heute schon eine Reihe von landwirtschaftlichen Instituten für Knaben und junge Leute. Für die jüdische Frau dagegen war bisher — bis auf eine Mädchenfarm am Kinerethsee — keine einzige Möglichkeit zur Ausbildung in der Landwirtschaft gegeben. Und doch muß jeder, der einerseits die Bedeutung der weiblichen Hilfe im landwirtschaftlichen Betrieb zu würdigen weiß, andrerseits die jüdische Frau zu einer gesünderen als der bisherigen Lebensweise hinzuführen wünscht, die Notwendigkeit solcher Einrichtungen begreifen. In einer Frau, die durch praktische landwirtschaftliche Erfahrung und theoretisches Studium des Faches dazu geeignet ist, ist nun der Plan gereift, durch Schaffung eines Gärtnerei-Lehrbetriebes jungen Mädchen die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Betätigung zu gewähren. Fräulein Elfriede Bambus, deren Plan wir nachstehend veröffentlichen, darf erwarten, daß die deutschen Juden ein Unternehmen von so hoher Wichtigkeit zu würdigen wissen werden, und hegt die Hoffnung, daß sich genügend Freunde der jüdischen Sache finden werden, die den Plan einer materiellen Unterstützung für wert halten. Interessenten, die Näheres über Frl. Bambus’s Plan zu wissen wünschen oder ihr für die Wahl eines geeigneten Ortes für ihren Lehrbetrieb Fingerzeige geben können, werden gebeten, sich an die Redaktion dieses Blattes zu wenden. Plan zur Gründung und Unterhaltung eines ländlichen Gärtnerei-Lehrbetriebes. A. Aufnahme von Frauen und Mädchen, die Gartenbau und Kleintierzucht erlernen wollen. Keine Berufsausbildung, sondern zum eigenen Gebrauch. 1. Lehr- und Pachtgeld 200 Mark im voraus für 8 Monate. Entgelt 250 qm Land zur eigenen Bestellung. Ernte gehört der Mieterin. Anleitung bei Bebauung des Feldes und auf Wunsch Mithilfe im Hauptgarten (3 Morgen groß, der vierte Morgen wird aufgeteilt und bei der Kleintierzucht: Ziegen, Kaninchen, Geflügel, Bienen. Bei Beteiligung beim Winterkursus (November—Februar): neben der Praxis Theorie des Gartenbaues, Pflege und Aufzucht der Tiere, Handfertigkeitsstunden. Bei Teilnahme am Winterkursus tritt eine Erhöhung des Lehrgeldes um 100 Mark ein. 2. Pension als Regel außer dem Hause nach Wahl Preis: etwa 120 Mark monatlich, ganz von der Kriegslage abhängig, vielleicht billiger. Für rituelle Familienpension am Orte, Sabbathruhe für die Gartenlehrlinge. Bei rituellem Internat 150 Mark monatlich. 3. Lage des Ortes: Bahnstation, nahe Stadt, Arzt. Landschaftlich schöne Lage. B. Berufsbildung: Zur Ergänzung — im Falle sich mindestens drei Damen finden, die sich für einen zweijährigen Kurs entschließen — folgende Bedingungen: 1. Lehrgeld 300 Mark, einmalig im voraus zu entrichten. Bei Eintritt besserer wirtschaftlicher Bedingungen tritt eine entsprechende Ermäßigung ein. Kein Eigenland, aber dafür volle Mitarbeit und Bevorzugung bei allen Arbeiten. Fünf Arbeitstage wöchentlich, Sonntags nur abwechselnd Dienst. Ferien etwa vier Wochen im Winter. 3. Für ein drittes Lehrjahr kann eine koschere Haushaltungsschule in Aussicht genommen werden — besondere Leiterin —, in welscher alle meine Schülerinnen wohnen können. (Wenn es materiell möglich ist, bereits zu Beginn.) 3. Bei sechs national gesinnten Teilnehmerinnen würden wir einer hebräisch sprechenden Palästinenserin, die sich für Gartenbau usw. interessiert, freie Station gewähren. Dieselbe soll zwar mitarbeiten, vor allem aber die hebräische Sprache in der Arbeit, im täglichen Verkehr mitteilen. Im Winter systematischer, täglicher Unterricht. C. Meine Wirtschaft soll weder eine Erziehungstanstalt noch Berufsschule ersetzen, sondern eine Musterwirtschaft für einen kleinen bäuerlichen Betrieb darstellen, im Hinblick auf künftige Eigenwirtschaften und ländliche Siedler aus unseren intellektuellen Großstadtkrjeisen, zur Heranbildung der Kolonistenfrau. Elfriede Bambus. Heinrich Grätz. (Vortrag gehalten von Jakob Fränkel im Nationaljüdischen Verband München.) In der Geschichte der deutschen Judenheit spielte Anfangs des 19. Jahrhunderts der östliche Landesteil, der unter dem Namen Großherzogtum (später Provinz) Posen bekannt war, eine große Rolle. Auf dem Boden dieses Landesteils befanden sich zahlreiche alte und sehr angesehene jüdische Gemeinden, welche durch die nicht allzu große Entfernung von der preußischen Hauptstadt ziemlich beeinflußt wurden. Während nun einerseits durch Die „WIRKLICHKEIT” Deutsche Zeitschrift für Ordnung und Recht. G„fH,!TÄ;!mnoii„. Die „Wirklichkeit" ist die einzige politische Wochenschrift, welche von sich sagen kann, daß sie schon mit dem Beginn ihres Erscheinens zu den angesehensten politischen Zeitschriften des deutschen Sprachgebietes gehörte. Die „Wirklichkeit“ ist eine von allen Parteien und Interessenvertretungen unabhängige, nicht belehrende, sondern unterrichtende politische Wochenschrift. Sie sieht ihre Aufgabe darin, alle politischen Vorgänge und Entwicklungen zu nehmen wie sie sind, den Sinn für das geschichtlich Gewordene zu pflegen und unser politisches Denken frei zu machen von allen ungesunden utopischen Einflüssen. Die „Wirklichkeit" hat sich in der politisch interessierten Welt heute schon einen sicheren Markt geschaffen und ist für jeden Staatsbürger, der die Kenntnis des politischen Lebens als unerlässlich begriffen hat, unentbehrlich geworden. Das Einzelheft kostet 50 Pf., der Bezugspreis des Vierteljahres beträgt M. 5.—. ■an verlange kostenlos Probehefte beim Verlag, München, Friedrichstr. 2. Bestellungen nimmt entgegen jede Postanstalt (Zeitungsverzeichnis München 1216 a), der Buchhandel und der Verlag.