Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 44 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 475 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44 Das Jüdisch« Echo 475 in Amerika verübelt, daß er in Bezug auf Palästina nur die Beseitigung der Einwanderungs- und Kolonisationsschwierigkeiten verlangte. Die anderen jüdischen sozialistischen Parteien Rußlands sind der „Bund“ und die „Vereinigten jüdischen Sozialisten“, die sich bekanntlich aus den früheren Zionisten-Sozialisten und „Sejmisten“ zusammensetzen. Die „Vereinigte Partei“ steht ebenfalls auf dem Standpunkt der Notwendigkeit eines territorialen Zentrums für das jüdische Volk, ohne sich für ein bestimmtes Land entschieden zu haben. Ich will hoffen, daß die Vereinigte Partei dem Beispiele ihrer engeren Parteigenossen in Amerika und England folgen und einsehen wird, daß in diesem entscheidungsvollen Augenblicke der Geschichte die gesamte Aktionskraft der jüdischen Arbeiterschaft auf Palästina gerichtet werden muß. In einem Punkte sind alle jüdischen sozialistischen Parteien jedenfalls einig: daß es sich nicht mehr um die bürgerliche, sondern um die nationale Rechtsgleichheit der Juden handelt, und diese wird in Rußland ebenso verlangt wie in Polen, in Österreich ebenso wie in Palästina. Der jüdische Kongreß in Rußland. Aufruf des Organisations*Komitees. Am 11. Januar 1918 tritt der Kongreß der russischen Juden zusammen. Das Organisations-Komitee erläßt folgenden Aufruf an alle Juden Rußlands. Bürger! Juden! Das jüdische Volk in Rußland steht jetzt vor einem Ereignis, das nicht seinesgleichen hat in der jüdischen Geschichte seit zwei Jahrtausenden. Nicht nur hat der Jude als Individuum, alsi Bürger Gleichbferechtigung bekomm men — was ja auch in anderen Ländern geschehen ist — sondern die jüdische Nation steht vor der Möglichkeit, nationale Rechte zu erlangen. Niemals und nirgends durchlebten die Juden einen so ernsten, verantwortungsvollen Moment wie den gegenwärtigen — verantwortlich vor dem lebenden und zukünftigen Geschlecht. Aber diese Verantwortlichkeit schreckt uns nicht, denn wir können mit vollem Recht sagen, daß die Juden sich der vollen Bedeutung der historischen Aufgabe, die ihnen zufällt, bewußt sind. Das zeigte sich klar auf der Konferenz, die vom 18. bis 21. Juli (31. Juli bis 3. August) in Petersburg unter Mitwirkung von Vertretern aller großen Gemeinden und jüdischen Parteien und Richtungen Rußlands stattfand. Diese Konferenz beschloß in möglichst kurzer Zeit einen Allrussischen Jüdischen Kongreß von gewählten Vertretern der gesamten russischen Judenheit nach Petersburg einzuberufen. Diese von jedem Mitglied der Konferenz empfundene Verantwortlichkeit für die jüdische Zukunft führte dazu, daß das Programm des bevorstehenden Kongresses einstimmig angenommen wurde. Die Punkte des angenommenen Programms lauten wie folgt: 1. Ausarbeitung der Grundlagen der nationalen Selbstbestimmung der Juden in Rußland. 2. Bestimmung der Rechtsgarantien für die nationale jüdische Minderheit. 3. Festsetzung der Übergangsformen der Gemefndeorganisation der russischen Judenheit. 4. Sicherung der bürgerliehen und nationalen Rechte der Juden: a) in dem unabhängig erklärten Polen; b) in Palästina; c) in Rumänien. In welcher Weise und in welchem Umfange das jüdische Volk in Rußland sich organisieren muß, welche Ziele die Juden kraft ihrer Organisation erreichen können, das alles muß der bevorstehende Kongreß bestimmen. Das bedeutet, daß der Kongreß die nationalen Rechte zu formulieren hat, deren Verwirklichung die jüdische Nation auf der russischen Konstituante fordern wird. Der Kongreß muß die Rechtsnormen, die das Leben der russischen Judenheit regulieren sollen und die Organisationsformen, die für unsere nationale Existenz notwendig sind, entwerfen. Auf diese Weise wird der Kongreß den Willen des jüdischen Volkes und seine nationalen Bestrebungen vor der ganzen Welt proklamieren. Dieser vom Allrussisch-Jüdischen Kongreß ausgedrückte und formulierte Volkswille wird uns die notwendige Kraft verleihen, um den Kampf für unsere nationalen Rechte so lange führen zu können, bis wir uns die volle Möglichkeit der Gestaltung unseres sozialen und nationalen Lebens, gemäß den Interessen unserer nationalen Existenz erringen. Um den Kongreß so zu organisieren, daß er die Ergebnisse, die die russische Judenheit zu erwarten berechtigt isit, verwirkliche, hat die Konferenz ein aus vierzig Personen bestehendes Organisations-Komitee eingesetzt, welches die gesamte für die Einberufung des großen, in Rußland bisher einzigartigen Kongresses zu leistende Organisationsarbeit übernehmen soll. Der wesentliche Teil der Arbeit muß getan werden und wird auch tatsächlich getan da, wo die kompakten jüdischen Massen wohnen. Deshalb reicht unsere Arbeit hier im Zentrum bei weitem nicht aus, wenn wir nicht überall unter euch das klare Bewußtsein der ganzen historischen Tragweite dieser Organisationsarbeit finden. Wir beginnen diese Arbeit im Glauben, daß jeder Jude sowie Gruppe, Organisation oder Partei, welcher Klasse oder Richtung sie auch angehört, wo und unter welchen Bedingungen sie sich auch befinden möge, alles was in ihren Kräften liegt und erforderlichen Falls auch über ihre Kräfte tun wird, um uns zu helfen, den Kongreß so zu organisieren, daß er wirklich den Willen und das Streben des Volkes zum Ausdruck bringt. Wir glauben, daß jeder selbstbewußte Jude es einsieht, daß die Fragen, die dem Kongreß zur Beurteilung und Beschlußfassung vorgelegt werden, und die Ergebnisse, zu denen er führen muß, die allerwichtigsten dringendsten Lebensinteressen eines jeden Juden sowie der jüdischen Gesamtheit in Rußland berühren. Jedem einzelnen Juden, der im genügenden Maße das bürgerliche und politische Bewußtsein für den gegenwärtigen historischen Moment besitzt, jedem Juden, der das für einen aktiven sozialen Arbeiter notwendige Verständnis und die erforderliche Energie hat, rufen wir zu: Schließt euch der großen nationalen Organisationsarbeit an! _ ••«mm» «mi mm» «mm» mmmm «mm mmmm ■ München r»“ j! Israel. Töctterpenslonat 1 I Fm ApeMer Rnthschlld Ww. I •••mm mmm mm « mm mm mm