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Das jüdische Echo · 1917-11-02 · 44 (2.11.1917) · p. Seite 474

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
44 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 474 (sequence 2)
Language
German
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474 Nf. 44 Das Jüdische Echo zu überwinden sind. Aber ich glaube, daß es keinen anderen Faktor, der die Regierungen zwingen kann, mit Friedensverhandlungen zu beginnen, als die Arbeiterschaft gibt. Stockholm wird ein Resultat sein nicht der Kriegsmüdigkeit der Regierungen, sondern eines Kampfes der Volksmassen gegen die Regierungen. Es ist natürlich, daß die bürgerlichen Parteien und vor allem die imperialistischen Herrschaftsgruppen nichts mehr fürchten, als den Sozialismus in der Rolle des Friedensstifters zu sehen. Aber eben darum sind die Arbeitermassen in allen Ländern entschlossen, sich bei den Friedensverhandlungen nicht ausschalten zu lassen. Ferner ist Stockholm notwendig, um die russische Revolution zu retten. Das russische Volk hat das Wunder vollbracht, mitten im Kriege die stärkste Despotie zu stürzen und eine demokratische Volksiherrschaft zu errichten, wie sie jetzt nirgendwo besteht. Aber die Errungenschaften der Demokratie können nicht mitten in einem furchtbaren Kriege konsolidiert und gesichert werden. Die westlichen Demokratien riskieren, sich die Sympathien der russischen Demokratie zu verscherzen, wenn sie nicht manche eigne Hoffnung dem Friedensbedürfnis der russischen Revolution unterordnen. Die Beschlüsse der Labour Party, des Trade-Union-Kongresses und des französischen Sozialistenkongresses in Bordeaux beweisen, daß die französischen und englischen Arbeiter Stockholm wollen. Ich glaube, daß in den nächsten Monaten die im August nicht erzielte Einigung der Ententesozialisten zustande kommt. Das holländisch-skandinavische Komitee wird dabei eine aktive Rolle übernehmen müssen. Dann wird der Zeitpunkt der sozialistischen Konferenz festgesetzt werden können. Die Delegation des Jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion, die, nebenbei bemerkt, irrigen Meldungen entgegen, sich sowohl aus Angehörigen der Ententeländer wie der Mittelmächte zusammensetzte, hat ihre Forderungen ebenso wie die andren Parteien in einem Memorandum an das Holländisch-skandinavische Komitee niedergelegt. Wir gehen von dem Grundsatz aus, daß alle nationalen Fragen eine internationale Angelegenheit bilden. In noch höherem Maße ist die jüdische Frage ein internationales Problem, das vom internationalen Proletariat und später bei der Regelung der Völkerbeziehungen durch einen Friedenskongreß nach dem Grundsatz des nationalen Selbstbestimmungsrechtes behandelt werden muß. Es ist bekannt, welche konkrete Forderungen wir in unserem Memorandum gestellt und welche KönigI. bayer. Lotterieeinnahme der Preuss.- Südd. Klassen-Lotterie A. Ostermaier. München Promenadepl. 12/1, Eing. durch d. Zigarrengeschäft Haupt- und Schlußziehung 5. Klasse beginnt am 8. Nov. und endet am 4. Dez. 1917 Kauflose noch vorrätig Preis der Lose:25M. so‘m. ioom. 200 m, Mittel wir zur Sicherung ihrer Durchführung verlangten. Es haben sich dabei nicht alle sozialistischen Parteien zur Judenfrage direkt geäußert. Der Delegierte der sözialistischeh Partei Amerikas hat dem Komitee mitgeteilt, daß seine Partei die Forderungen des jüdischen Ärbeiterkongresses vom September 1915 unterstützt, Dieser verlangte bekanntlich nicht nur vollständige bürgerliche, sondern auch nationale Gleichberechtigung der Juden in den Ländern, wo sie in Massen wohnen* schließlich die Beseitigung aller gegen die Juden als Nation gerichteten Beschränkungen, darunter der Ausnahmebestimmungen gegen die jüdische Kolonisation in Palästina. Die französische soziar listische Partei will die Regierungen verpflichten, den Juden gleiche Rechte als Bürger zu geben und ihnen überall, wo sie bedeutende Minderheiten bilden, die freie Entwicklung ihrer nationalen Kultur zu sichern. Wjenn auch die französische Partei Palästina nicht ausdrücklich erwähnt, so haben wir Grund zur Annahme, daß sie die Berechtigung unserer Forderungen in Bezug auf dieses Land anerkennt und sich in dieser für das jüdische Volk so bedeutsamen Frage von der großen englischen Bruderpartei nicht trennen wird. Die englische Labour Party hat einen äußerst bemerkenswerten Beschluß gefaßt. Sie fordert für die Juden in allen Ländern dieselbe bürgerliche Gleichheit und Bewegungsfreiheit wie sie alle anderen Bewohner eines Staates besitzen. Sie wünscht ferner die Umwandlung Palästinas in einen freien Staat unter internationaler Garantie, wohin die Juden, die es wünschen, zurückkehren können, um frei von jeglicher Einmischung an ihrer eigenen Befreiung zu arbeiten. Wir haben in unseren Forderungen die Frage der Souveränität Palästinas nicht berührt, da wir das jüdische Volk nicht als Angehörigen einer der kriegführenden Gruppen betrachtten. Die jüdische Gesellschaft wird die moralische und politische Unterstützung zu schätzen wissen, die die britische Arbeiterpartei der Sache des jüdischen Volkes erwiesen hat. Es wäre noch zu erwähnen, daß die ukrainischen Sozialdemokraten die Gleichberechtigung der rumänischen Juden zur Bedingung der Wiederherstellung Rumäniens machen. Auch andere Parteien, die sich, wie gesagt, nicht öffentlich ausgesprochen haben, werden sicherlich uns bei einem internationalen sozialistischen Kongreß unterstützen. Ich freue mich, sagen zu können, daß auch das Holländisch-skandinavische Komitee die Berechtigung der jüdischen Forderungen zu würdigen weiß. Zu den wichtigsten Friedensfragen, zu denen das Komitee in seinem demnächst erscheinenden Bericht Stellung nimmt, gehört auch die Judenfrage. Die Mitglieder des Komitees sind mit uns in den wichtigsten Grundsätzen einig: daß die Judenfrage eine nationale Frage ist, daß das nationale Recht der Juden ebenso wie anderer Völker mit internationalen Bürgschaften zu umgeben ist und daß den Bestrebungen der Juden auf nationale Konzentration in Palästina vom demokratischen und sozialistischen Standpunkt keine Hindernisse bereitet werden dürfen. Außer unserer Delegation war in Stockholm nur noch ein Vertreter der sozialistisch-territorialistischen Partei Amerikas. Sonst war keine andere jüdische Partei erschienen. In den letzten Monaten haben sich sowohl die sozialistischen Territorialisten in Amerika wie in England in Bezug auf Palästina vollkommen auf unseren Standpunkt gestellt. Es wurde darum Genosse Davidowitsch

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