Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 43 (26.10.1917)
- Date
- 1917-10-26
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 43 Das Jüdische Echo 469 fante, der bekannte Rector mangnificus der Mailänder Handelsuniversität und der Professor an den Universitäten Rom und Pavia, Ittore Fabiotti, der bekannte Abgeordnete Cappa, Prof. Guiseppe Ricchieri, die Schriftstellerin Elga Ohlsen und die gefeierte Dichterin Ada Negrien. „Pro Israel“ will alle nichtjüdische Freunde des jüdischen Volkes ohne Unterschied der Konfession und der Parteistellung, Freidenker ebenso wie Pietisten, Klerikale ebenso wie Antiklerikale umfassen. In ihren Statuten verlangt sie, daß den Juden die Möglichkeit geboten werde, in Palästina, in Übereinstimmung mit seiner historisch gewordenen Art, ein nationales, autonomes Zentrum zu formen. Desgleichen fordert sie, daß den Juden volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung überall und nationalkulturelle Autonomie in den Nationalitätenstaaten mit jüdischer Massensiedlung gewährt werde. Feuilleton Vom ewigen Frieden im Nirgendland. Von J. L. Perez. (Deutsch von Alexander Eliasberg.) So heißts im alten Märchen von Nirgendland: Im Nirgendland ragt ein hoher Berg. Die größten Adler wohnen auf seinem Gipfel, die stärksten Winde spielen und kämpfen auf seiner Höhe. Der Gipfel des Berges sieht das ganze Himmelsgewölbe über dem Nirgendland und jeden Morgen den schönsten Sonnenaufgang von Nirgendland ... Der Gipfel badet im hellsten, reinsten Licht. Es ist ja der höchste Berg im Nirgendland: nichts verdeckt vor ihm die Sonne, nichts läßt seinen Schatten auf ihn fallen . . . Mächtig ist er, der Berg: Felsen sind seine Glieder, Erz und Gold seine Adern . . . Das weiß die Gemse, die auf seinem Rücken hüpft . . . So erzählt das Märchen. ... . . Die Mütter haben das Märchen gehört. Sie haben daraus ein Wiegenlied gemacht und ihre Kinder in den Schlaf gesungen. Mit dem Lied vom Nirgendland, vom hohen, mächtigen Berg im Nirgendland . . . Wächst das Kind auf und vergißt das Wiegenlied: Beim Lernen und Spielen, im Leben, im Lieben, im Leiden ... Im Lärm der Welt! Aber in der verborgensten Tiefe des Herzens zittert noch leise eine Saite, und klingt das Lied vom Gipfel des Berges im Nirgendland . . . Ringsum brandet, rauscht und braust das Leben, und niemand hört die Saite klingen . . . Jahre und Zeiten ziehen vorüber . . . Und es trifft sich einmal . . . Spinnt der Jüngling den goldenen Lebensfaden, und das Schicksal streckt seine Hand aus und zerreißt den Faden. Geht der Jüngling aus dem Leben in die Einsamkeit... Und in der Einsamkeit hört er plötzlich in der verborgensten Tiefe seines Herzens etwas klingen ... Und er bleibt stehen und lauscht... Spielt der Jüngling ein Liebeslied auf seiner Harfe, auf seiner goldenen Jugendharfe. Hört das böse Schicksal das Lied, und schleicht heran, streckt seine knöcherne Hand aus und zerreißt eine Saite nach der anderen... Verstummt die Harfe, und still wird es im Herzen. Das Herz steht still... Und in der Stille tönt plötzlich das Wiegenlied. Das Lied vom Nirgendland, vom hohen, mächtigen Berg im. Nirgendland ... Und Manchen weckt es vom Schlafe auf und schlägt ihm in stiller Mondnacht ans Ohr. Und er erwacht... So erwacht im Menschenherzen die Sehnsucht und treibt ihn ins Nirgendland, zum hohen Berg, zum mächtigen Berg im Nirgendland ... Und es zieht den Menschen nach dem Nirgendland, und er wandert... Und zu allen Zeiten, auf allen Wegen, von allen Enden und Ecken der Welt ziehen die Menschen nach dem Nirgendland ... Sie wandern und verirren sich.... Ausgebleichte Knochen liegen auf allen Wegen zum Nirgendland Manche finden aber doch den Weg und erreichen das Land. Und wenn einer schon im Nirgeiidland ist, weiß er nichts vom andren, der gleich ihm hingekommen ist... Auf einsamen Wegen ziehen sie, von verschiedenen Seiten kommen sie, und niemand' trifft mit dem andern zusammen. # * * ' Und das Märchen spinnt weiter. Mondstrahlen spinnt es, in stillen Nächten, in Mondnächten ... Und das Märchen erzählt weiter: Am Fuße des hohen Berges im Nirgendland liegen weite, freie, fruchtbare : Felder. .., wachsen tiefe, dichte Wälder, brausen Ströme und rieseln Bäche — und schlängeln sich um die Sohle des Berges... Die Wanderer kommen einzeln, in Paaren oder in Familien zum Fuße des Berges im Nirgendländ und lassen sich an der Sohle des Berges nieder... Geht der Jäger mit Pfeil und Bogen in den Wald; setzt sich der Fischer mit Netz und Angel ans Ufer des Baches; sucht sich der Bauer einen Acker aus; treibt der Hirte sein Vieh auf die fetten Weiden ... Entstehen mit der Zeit Siedelungen .., Weit und groß ist aber das Land am Fuße des Berges. Keine der Siedlungen stößt je auf die andere, keine weiß etwas von der andern. Baut jede ihre eigene Welt auf und ordnet ihre „einzige“ Welt ein. Eine jede baut ein Heiligtum für den „einzigen“ Gott, und dient dem Herrn der „einzigen“ Welt... Und man betet zu Gott und spricht in der „einzigen“ Menschensprache. Und man arbeitet und vermehrt sich, und die Siedlungen breiten sich langsam, allmählich um die Sohle des Berges aus. Langsam zieht der Ackermann seinen Weizen-, Hafer- und Kornfeldern nach; der Weinbauer geht ihm aus dem Wege; höher steigt der Hirte; über Felsen und Stein springt der Jäger der Gemse nach; und der Bergmann dringt mit der Erzader in den Schoß der Erde ein... Und manche steigen noch höher hinauf... Das sind die, die sich mit ihrem Besitz nicht begnügen können... Es sind die Seelen, die sich zu sehr nach der Höhe sehnen. Weil das Wiegenlied in ihrem Herzen lauter tönt. Legt der eine, die Angel weg und Pfeil und Bogen und verläßt Wald und Fluß... Fällt dem andern Sichel und Sense aus der Hand, und er verläßt den Acker. Verliert der Dritte Schere und Rlebmesser und verläßt seinen Weinberg. Wirft der Vierte den Hammer fort und hebt den